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Bedürfnisse: Grenzen und Strukturen

Zuerst war ich skeptisch, als ich den Satz hörte:

Kinder haben ein Bedürfnis nach Grenzen und Strukturen.

Das klang mir zu erzieherisch, zu sehr nach Rechtfertigung von Manipulation. Erst als ich das Wort „Kinder“ durch „Menschen“ ersetzt habe, konnte ich mit dieser Aussage anfreunden.

Menschen haben ein Bedürfnis nach Grenzen und Strukturen

Grenzen und Strukturen helfen uns, unsere Welt zu ordnen. Sie geben uns Orientierung und Halt. Und diese Orientierung suchen wir. Denn ohne sie würden wir uns verloren vorkommen in der Welt.

Wir kennen das alle. Wenn wir in eine fremde Stadt kommen, dann fühlen wir uns erst einmal verloren. Wir suchen nach Orientierungspunkten. Wenn wir diese dann gefunden haben, erweitern wir von da aus unseren Aktionsradius und erobern den Raum um uns herum.

Ähnlich ist es bei unseren Kindern. Sie spielen zunächst in unserer Nähe, versichern sich immer wieder, ob wir noch da sind. Und entfernen sich nach und nach immer weiter von uns. Hier sind wir ihre Orientierungspunkte, geben ihnen Halt und Sicherheit.

Auch ein klar begrenzter Raum kann solch eine Sicherheit bieten. Denn er ist schnell vertraut und so können wir uns auf andere Dinge konzentrieren. Nicht umsonst bewegen wir uns gerne innerhalb unserer Komfortzone. Denn dort fühlen wir uns am sichersten. Dort können wir uns in einem geschützten Raum bewegen, der uns keine Angst macht.

Aber Grenzen heißt doch Verbote, oder?

Nicht unbedingt. Grenzen bedeuten in erster Linie mal Halt und Sicherheit. Denn sie strukturieren unsere Welt, geben uns Regeln für das Zusammenleben mit anderen Menschen.

Ein Beispiel für eine solche Grenze: Meine Freiheit endet da, wo ich die Freiheit des Anderen beschneide.

Anders ist das mit willkürlich gesetzten Grenzen. Wenn wir eine Grenze nur setzen, damit es Grenzen gibt, dann sind Grenzen überflüssig. Feste Schlafenszeiten, Regeln wie: Was auf den Tisch kommt, muss gegessen werden. sind solche willkürlichen Grenzen. Denn sie dienen in der Regel nicht allen Beteiligten, sondern etablieren eine Hierarchie. Oben sind die Eltern, die die Regeln machen, unten die Kinder, die sie zu befolgen haben.

Diese Regeln sind meist überflüssig, aber zumindest immer fragwürdig.

Und Strukturen?

Ein gutes Beispiel für Strukturen sind Rituale. Feste Abläufe, die immer wieder ähnlich sind. Sie geben Halt, weil sie vertraut sind. Und sie bieten uns die Möglichkeit, in ihnen zu versinken und uns zu entspannen. Ich persönlich schätze z. B. den festen Ablauf des Body Scan, der mir hilft, zu entspannen und meine Gedanken loszulassen.

Auch Kinder mögen meist solche klar strukturierten Abläufe. „Wenn ich müde bin, ziehe ich meinen Schlafanzug an, dann putzen wir die Zähne, Mama liest eine Geschichte vor und wir kuscheln, bis ich eingeschlafen bin.“

Fazit

Grenzen und Strukturen geben uns also Halt und Orientierung im Leben. Wir können uns sicher fühlen, weil wir uns auf vertrautem Terrain bewegen. Daher brauchen wir Grenzen und Strukturen. Dabei ist es aber wichtig, dass diese Grenzen und Strukturen nicht willkürlich und einseitig festgelegt werden. Denn nur wenn dies auf Augenhöhe stattfindet, dienen Grenzen und Strukturen auch wirklich der Orientierung und wir können uns mit ihnen wohlfühlen.

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