Überlebensstrategien: Familientisch

Manche Erstmütter hören das nicht gern. Und so manche Schmachtliteratur besteht ja immer noch darauf, dass Mutterschaft (und Elternschaft) überhaupt eine Rosa-Wolken-Wattebausch-Geschichte wäre. Mit Sternchen und Glitzer.

Nein, ist es nicht. Oft genug ist es harte Arbeit. Ruhig und geduldig bleiben, spielen, toben, aufräumen, waschen, putzen, kochen, Hintern abwischen, Chaos beseitigen, wenn das verhindern nicht klappt. Irgendwo mittendrin diese Momente des Glücks aufschnappen – und am besten festhalten, möglichst Patschehand-sicher. Das IST Arbeit und oft genug anstrengend.

In der Familienberatung kommt es deswegen gar nicht so selten vor, dass die erschöpfte Mutter (ja, meistens ist es die Mutter) auf die Frage nach IHRER Ernährung antwortet: Weiß ich gar nicht. Ich komm irgenwie nicht zum essen.“

Da wird dann das Baby gefüttert, meist klassisch mit Brei und Löffel, sobald es im Beikostalter angekommen ist. Nebenher verlangt das Kleinkind ebenfalls nach Unterstützung beim Essen. Der Partner kommt im schlimmsten Falle später – und hat schon gegessen. Nach dem Füttern Baby säubern, umziehen – und meistens auch direkt ins Bett bringen. Wo bleibt die Zeit für die Mutter (ja, meistens ist es die Mutter), selber zu essen?

Oder: Kleinkinder, die kaum stillsitzen, sondern nach den ersten Happen aufspringen und weiterspielen. Die Mutter permanent auf dem Sprung, jederzeit die Kinder im Blick. Das Essen wird kalt oder bleibt halb gegessen stehen.

Überlebensstrategie: Familientisch

Es gibt sie, die Überlebensstrategien. Beispielsweise die, einfach mal aus Prinzip den Säugling anzulegen, wenn das Essen auf dem Tisch steht. Denn meistens wollen sie ja doch dann stillen, wenn andere gerade essen. Klug war, das essen immer direkt in mundgerechten Happen vorzubereiten. Dann konnte ich auch mit nur einer Hand essen, während die andere Hand das stillende Kind stützte.

Für uns war baby led weaning (kurz: BLW, „babygeführtes abstillen“) die richtige Alternative für den Beikoststart. Oder eher: Überlebensstrategie.

Kindgeeignete Nahrungsmittel auf dem Tisch, Baby am Familientisch (meistens auf meinem Schoß) und dann: essen. Kein Füttern. Parallel konnte ich selber essen, ohne dass mein Essen zu kalt wurde. Saß das jeweilige Beikoststarterkind im Hochstuhl, waren sogar meine Hände frei.

Kleinkinder dürfen hier aufstehen und spielen gehen, wenn sie fertig sind. Es gibt allerdings keine Bespaßung durch die Erwachsenen, solange das Essen nicht beendet ist. Eine der wenigen fixen Regeln hier im Haus. Warum? Weil nur eine gut abgefütterte Mutter (oder: Vater) genug Energie für den Alltag mit Kindern hat. Also sitzen bleiben und das Essen ganz in Ruhe beenden.

Snacks für zwischendurch halten den Blutzuckerspiegel (und damit auch die gute Laune) oben. Bei Eltern und Kindern. Obst, Nüsse (bei größeren Kindern), Schokoladen … Was eben gerade in der Familie passt. „Habe immer etwas zum Knabbern in Greifweite“ ist in Stillberatungen meistens ein passender Satz, wenn Mütter ausgelaugt und müde sind. Wenn das Essen schon mal da steht, kann es schlecht vergessen werden!

Alle gemeinsam oder jeder für sich?

Ich kenne Familien, in denen die Kinder die abendliche Hauptmahlzeit vor den Eltern essen. Die speisen dann gemeinsam, sobald die Kinder schlafen. Die Kinder essen zu einer Uhrzeit, zu der sie Hunger haben und gehen dann zur passenden Zeit schlafen, ohne übermüdet auf die Eltern warten zu müssen. Meistens kommt ein Elternteil bei diesen Konstellationen später nach Hause. Für diese Familien funktioniert diese Konstellation gut.

Andere Konstellation: Es gibt verfügbares Essen beispielsweise in der Küche/auf dem Tisch und jeder bedient sich nach belieben. Auch hier gibt es Familien, für die es so am Besten funktioniert. Vor allem, wenn es um größere Kinder geht und sehr unterschiedliche Terminpläne untergebracht werden wollen.

Eher klassisch: gemeinsame Mahlzeiten.

Ob die nun morgens, mittags oder abends sind, ob alle Familienmitglieder teilnehmen können oder nicht: es muss möglich sein, dass jeder (!) in Ruhe essen kann.

Wir hatten dazu schon einige Artikel, warum es so wichtig ist, auf sich selbst zu achten. Beispielsweise „Selbstliebe ist Familienliebe“. Und wenn es darum geht, alle an einen Tisch zu bekommen samt aller Bedürfnisse: Vereinbarkeit beim Essen passt da doch auch gut.

 

 

 

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Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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