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Weihnachten ist (k)ein Projekt!

Im August rollen noch alle mit den Augen, wenn der Einzelhandel die ersten Stollen-Pakete in die Auslage räumt. Aber schon Mitte November überstürzt sich alles: Schnell, schnell noch die Kalender bestücken, zackzack den Adventskranz dekorieren. Wer zum schwarzen Freitag nicht schon alle Geschenke shoppt, verpasst die besten Rabatte. Über allem thront der weiße Hase aus „Alice im Wunderland“ und summt: „Ich bin zu spät!“

Weihnachten ist kein Projekt

Grundsätzlich mag ich, wenn jede Familie ihre eigenen Traditionen entwickelt. Baum schon am 1. Advent aufstellen? Immer macht, habt ihr mehr vom Baum!

Honigkuchenteig im Oktober ansetzen, weil er zwei Monate ruhen muss? Hat schon meine Oma so gehalten!

Aber dieser massive Run auf jeden vorweihnachtlichen To-do-Listen-Punkt verstört mich. Nachhaltig. Das geht ja sogar soweit, dass sich bei Instagram jemand im Datum vertut – und reihenweise panische Posts in meiner Timeline ausbrechen, man habe doch noch gar keinen Adventskranz fertig! Und die Kerzen fehlen! Es sei schon der 1.!

Es war der 24. November. Ich bin mir nicht sicher, aber… die Welt geht wohl nicht unter, falls der Adventskranz nicht pünktlich zum 1. Advent auf dem Tisch stünde.

Besinnlich? Ist hier mal gar nichts!

Die rechte Weihnachtsstimmung stellt sich zumindest bei mir NICHT ein, wenn ich von allen Seiten regelrecht befeuert werde mit Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Ob irgendjemand schon Checklisten erstellt und verteilt hat, damit alle ordentlich vorbereitet sind auf das Fest der Feste? Vielleicht sind deshalb alle immer noch früher dran als im Jahr davor – und nur an mir ging die To-do vorbei?

Vielleicht ist es meine individuelle Wahrnnehmung, vielleicht geht es auch euch anderen so:

Wer sich von Punkt zu Punkt abhetzt, wer Stunden um Stunden in Adventskalender (natürlich nachhaltig! bio! selbstgestrickt! mit Liebe gemacht!) steckt, weit vor Weihnachten mit seinen Kindern Kiloweise Plätzchen bäckt (und die dann wochenlang vor den Kindern WO GENAU versteckt?), wer stundenlange Diskussionen um die passende Dekoration des Weihnachtsbaums führt und wer Christbaumschmuck wie Aktien tradet (blau ist total out, silber ist in!) …. kann die-/derjenige wirklich in Weihnachtsstimmung kommen?

Weihnachten ist kein Projekt.

Und eine besinnliche Stimmung entsteht nicht, wenn man möglichst jeden einzelnen Programmpunkt bis ins kleinste Detail strukturiert und optimal präsentiert.

Also, jedenfalls nicht bei mir. Bei mir regt sich höchstens mehr Widerwillen gegen all das.

Den zwangsläufig steigenden Druck – auf alle(s)!

Auf die Messlatten, die immer höher gelegt werden, weil sich überall mit allen verglichen werden muss.

Weil ich schon jetzt weiß: Wenn ich am 22. Dezember Lebkuchen kaufen möchte, werden überall höchstens noch die Reste-Kisten direkt an der Kasse welche hergeben. Denn der Einzelhandel ist mit Weihnachten schon vor Weihnachten fertig. Und ich – eigentlich auch.

Tja – und nun?

Anti-Projekt mäßig werden wir wohl im eigenen Tempo das tun, was uns so zu Weihnachten gefällt. Vielleicht noch morgen vormittag pünktlich zum 1. Advent die Adventsschale vom letzten Jahr heraussuchen. Die vor ein paar Jahren getöpferten Weihnachtsbaumhängerle entstauben. Backen, wenn uns danach ist – und alle Kekse sofort aufessen! Die Geschenke wie immer kurz vor knapp kaufen, und am 23. in einer Nachtschicht verpacken. Vielleicht gehen wir auf einen Christkindlmarkt, vielleicht auch nicht. Wahrscheinlich hören wir nicht ein einziges Weihnachtslied – und ganz bestimmt und garantiert NICHT an Heiligabend.

Ein bisschen fühlt sich das an, als wären wir die Aliens. Als gäbe es eine klare Choreographie, der alle Eltern mit Kindern folgen müssten. Aber vielleicht sind die anderen Eltern, die das im eigenen Tempo und nicht als Projekt verstehen, auch einfach nur leiser. Viel leiser als alle, die im November schon den Adventskranz vergleichen, die Weihnachtsgeschenke schon im August beisammen hatten und jetzt nur noch mit hochgelegten Füßen die Hakerl an ihrer To-do-Liste setzen. Who knows?

2 Kommentare

  1. Britta sagt

    Ich gehöre zu den wenigen Menschen in meinem nahen Umfeld, dies ich während der Adventszeit auch auf Weihnachten vorbereiten. Das einzige was am 01.12 fertig ist , ist der Adventskalender. Dieses Jahr von der grossen Schwester (21) für die kleine Schwester (9) gebastelt. Gestern haben wir spontan den Adventskranz gekauft, weil er genau so aussah wie wir es schön finden…Also warum basteln ? Auch stressen und hetzen um dann am 24. auf Knopfdruck besinnlich sein, das ist nicht meins. Heute regnet es draussen , es ist ungemütlich , daher gibt es hier spontan einen ruhigen Nachmittag zu Hause. Nicht geplant. Einfach passiert.

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