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Alles richtig gemacht – trotzdem verkackt.

Frauen sollen gut auf sich achten, lächeln, regelmäßig Sport machen, sich selbst was gönnen, ihre Potenziale entfalten, Vorbilder sein, das Leben genießen. Blabla. Kann frau alles machen, kann halt trotzdem schief gehen. Denn hübsche Badewannensessions und regelmäßige Mädls-Abende (sic!) schützen auch nicht vor Erschöpfung. Oder dem Druck, der so schön unvermindert auf uns allen lastet.

Ganz wahllos ein paar Ansprachen aus TV, Presse & privaten Konversationen der letzten Wochen und Monate gefällig? Ging alles an „uns“ als Eltern, namentlich: an Mütter. Väter sind ja nur ab und an mitgemeint. Aber im Grunde muss die Mama ran.

Du fährst dein Kind in die Schule? Das verursacht dauerhaft psychische Schäden!

Du lässt dein Kind alleine laufen? Das ist unverantwortlich bei den vielen dummen Autofahrern und den gefährlichen Zeiten!

Du begleitest dein Kind auf dem Schulweg? So wird es ja nie selbstständig!

Du diskutierst mit deinem Kind über Regeln? So lernt dein Kind ja nie Konsequenzen kennen und wird uns alle tyrannisieren!

Du stillst und findest das gut? Damit gefährdest du die hart erkämpfte Gleichberechtigung!

Du gibst die Flasche und findest das gut? Du unterstützt böse multinationale Konzerne und ruinierst die Gesundheit deines Kindes!

Du hast eine Kinderfrau/Putzhilfe/AuPair für die Kinder-/Haushaltsorganisation? Damit verlagerst du gesellschaftliche Probleme bloß auf schwächere Randgruppen, schäm dich!

Du stemmst alle Aufgaben um die Kinder alleine? Du kannst nicht nach Hilfe fragen und musst dringend an dir arbeiten, um Notwendiges auch mal abgeben zu können!

Du arbeitest Vollzeit? Karrieregeile Rabenmutter!

Du lässt die Kinder im Lebenslauf wegfallen (weil „irrelevant“ für die Stelle)? Schämst dich wohl für die Kinder!

Du arbeitest gar nicht? Faule Rabenmutter, gibst deinem Kind gar kein vernünftiges Vorbild und wirst im Alter am Hungertuch nagen!

Du guckst am Spielplatz mehr aufs Handy als aufs Kind? Unachtsame Rabenmutter, die sich nicht genug fürs Kind interessiert – das gibt emotionale Schäden fürs Leben!

Du kreist ums Kind und legst deine Aufmerksamkeit so, dass du auch wirklich nur fürs Kind da sein kannst, ohne Ablenkung? So wird dein Kind ja nie selbstständig, es braucht elternfreie Momente, um sich voll zu entwickeln und eigene Grenzen zu erfahren!

Deine Kinder wählen morgens selber aus, was sie in den Brotboxen haben wollen? Rabenmutter, Kinder müssen (sic!) morgens ein ausgewogenes und gesundes Frühstück mitnehmen. Egal, was sie sonst so am Tag essen/kriegen!

Du machst deinen (etwas älteren) Kindern immer noch die Brotboxen für die Schule fertig? Du verwöhnst sie, so werden sie nie selbstständig!

Deine Kinder entscheiden nach eigenem Körpergefühl, welche Kleidung sie tragen? Das bringt nachher noch andere Kinder auf dumme Ideen, das geht nicht!

So viele Forderungen. So viele Gegensätze. Aber eins haben sie gemeinsam: Falsch machen ist immer drin.

Nimm ein Bad, entspann dich, sorg für dich!

Ob es das Müttergenesungswerk mit seinen entspannenden Mandala-Malvorlagen war oder der „Nimm doch mal 3 Wochen Kur mit Kindern, da lernst du daheim Sachen liegen zu lassen!“ Tipp, der quasi wahllos an jede ausgelastete Mutter verteilt wird: Sie helfen nicht. Sie helfen nicht, wenn die Familie am Limit ist.

Wenn halt niemand DA ist, der die übervollen Wäschekörbe übernimmt, weil die Schränke leer und nix mehr zum Anziehen da ist.

Wenn keiner Zeit hat, um mit den Kindern Schuhe kaufen zu gehen, weil die alten auseinanderfallen, weil die Läden um 18:00 schließen, online Schuhe zu kaufen für Kinder aber „voll verantwortungslos“ ist.

Wenn 14 Wochen Schulferien im Jahr (Kalenderjahr!) dafür sorgen, dass Urlaubstage nur noch nach maximaler Ferienabdeckung zwecks Betreuungsgewährleistung verteilt werden und nicht danach, wie die Familie eine schöne Zeit miteinander verbringen kann.

Wenn Mutter-Kind-Kuren eine wahrscheinlich tolle Erfindung für Angestellte sind, aber Selbstständige davon überhaupt nichts haben – außer verlorengegangene Kunden, die nicht monatelang auf ihre Auftragsbearbeitung warten wollen (und auch nicht sollen!).

Wenn alles rund um Kinder unzählige Schritte erfordert, weil es nicht mal eine Buskarte „einfach“ so gibt – sondern dafür erst zig Anträge ausgefüllt und Nachweise erbracht werden müssen.

Könnte ich noch ewig so weitermachen? Ja!

Du willst ALLES RICHTIG machen? Vergiss es. Irgendetwas ist immer falsch, nicht optimal, nicht bedacht, nicht korrekt genug. Irgendwer wird kommen, und das (und vieles andere noch dazu) anprangern. Wie wir die Jugend nicht genug aufs Leben vorbereiten, ihnen zuviel oder zu wenig Freiheiten zugestehen, ihnen überhaupt irgendwas vorenthalten – oder alles reglementieren. Eltern können nicht gewinnen. Also steigt raus, aus diesem Anspruchs-Hamsterrad. Steigt aus, machts euch gemütlich auf eurem Weg. Mit eurem Tempo.

Ich lass euch noch ein Video der wunderbaren Kristina da. Vielleicht wohnt „Mr. Guilt“ ja auch bei euch, hmm? Dann schmeißt ihn raus, aber schnell!

 

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