Rezension: „Mama zahlt!“ Familienernährerinnen berichten

Durch Zufall bin ich in der Stadtbibliothek auf das Buch „Mama zahlt!“ Familienernnährerinnen berichten gestoßen. Da mich das Thema schon seit meiner Lektüre des Buches von Ingrid Müller-Münch beschäftigt, habe ich natürlich sofort zugegriffen.

Familienernährerinnen

Als Familienernährerinnen gelten die Frauen, die mindestens 60% des Familieneinkommens erwirtschaften. Die Gruppe dieser Frauen ist sehr heterogen. Da gibt es Alleinerziehnde, Frauen in Führungspositionen, Frauen, die dieses Modell bewusst gewählt haben und solche, die durch Unfall, Arbeitslosigkeit, etc. des Partners die Rolle der Familienernährerin übernommen haben.

Familienernährerinnen gibt es auch in allen Altersstufen und allen gesellschaftlichen Schichten.

Dieser heterogenen Gruppe nähert sich das Buch in Form von Interviews. Es werden exemplarisch neun Familien vorgestellt, in denen die Frauen die Familienernährerinnen sind. Abgerundet wird das Buch durch ein Kapitel mit grundsätzlichen Überlegungen zur Situation der Familienernährerinnen.

Familienernährerinnen berichten

Familienernährerinnen berichten

Ein praxisnahes Buch

Herausgekommen ist dabei ein sehr spannendes und gut lesbares Buch, was wirklich lebensnah ist. Denn hier kommen die Frauen zu Wort, um die es geht und nicht Theoretiker oder Politiker, was ich vorher so nicht erwartet hatte, da das Buch unter anderem von Kristina Schröder, unserer ehemaligen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegeben wird.

Politik scheint nur im voranstehenden Interview mit Kristina Schröder, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula Lehr durch. Dieses Interview gehört für mich aber eher zum uninteressanten Teil des Buches.

Im Schlusskapitel werden grundsätzliche Überlegungen über Familienernährerinnen angestellt und auch Felder beschrieben, um die sich Politik und Sozialwissenschaften bemühen sollten. Hier fand ich vor allem die Forderung wichtig, dass sich Gleichstellungspolitik in Zukunft vor allem darum bemühen müsse, „Frauen und Männern verschiedene Lebens- und Partnerschaftsformen zu ermöglichen und dabei einseitige Risiken (z.B. einer Retraditionalisierung) kritisch in den Blick zu nehmen.“ Dies kann ich nur vollumfänglich unterstreichen, denn auch ich finde es wichtig, dass die Politik nicht ein bestimmtes Familienmodell einseitig bevorzugt, wie es aktuell immer noch mit dem Zuverdienermodell getan wird.

Fazit

Wer wie ich mit Erfahrungsberichten viel anfangen kann, findet in diesem Buch gut geschriebene und interessante Berichte. Ich kann es nur empfehlen.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Kristina Schröder (Hgg.): „Mama zahlt!“ Familienernährerinnen berichten. Freiburg 2013

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