Rezension: „Nein aus Liebe“ von Jesper Juul

Da haben wir schon zig Bücher rezensiert. Aber der Herr Juul fehlte bislang. Das hole ich mal schleunigst nach!

Im Frühjahr 2010 habe ich „Nein aus Liebe“ zum ersten Mal gelesen. Damals rezensierte ich an anderer Stelle:

Nun, was hat mir Juuls Werk gebracht? Zum einen: ein oder zwei halb schlaflose Nächte. Und die eine oder andere Verletzung auf der Zunge, wenn ich mir auf selbige gebissen habe. Denn die Kernaussage seines kleinen handlichen Buches ist: trage als Elternteil Sorge für eine persönliche und direkte Sprache. Vermeide die „nette“ und soziale Sprache, die du dir selbst angewöhnt hast.
Und damit hatte ich den Salat: Denn ich gehöre zu den Menschen, die sich bevorzugt und immer höflich und sozial verträglich ausdrücken. Ich versuche das zu ändern. Dem Kind gegenüber, die darauf tatsächlich prompt reagiert. Da fällt es mir leicht, mich korrekt und integer auszudrücken: Ich will nicht das du die Katze kneifst! Lass das! Im Gegensatz zu: Man haut keine Katzen, S. lass das doch bitte jetzt sein. Kniffelig, aus dem eigenen Alltagsgeschehen heraus und ohne Gegenreflektion, das überhaupt wahrzunehmen! Meiner -überwiegend- erwachsenen Umwelt gegenüber fällt es mir schwerer, vor allem, weil man mit einem klaren „NEIN“ einfach aneckt. Das ist an sich nichts schlimmes, aber ich stelle mich nicht hin und erläutere pädagogisch-therapeutische Ansichten, wenn ich doch eigentlich nur sagen wollte: „nein, das will ich jetzt nicht“. Abgesehen von ein oder zwei Personen (Wink zu Eva!) kenne ich niemanden, der sowohl mit einer persönlichen Sprache umgehen, als auch in dieser Sprache antworten kann. Schade eigentlich, das würde uns allen das Leben erleichtern. Abgesehen davon: Schön ist, das Juul aus seiner jahrelangen Therapienpraxis heraus Beispiele einfließen lässt. Schön ist auch, das er keine Therapeutensprache benutzt – sondern bei einem schlichten (eben: persönlichen) Stil bleibt. So kurz das Buch ist, so schnell ist es ausgelesen. Schade eigentlich. Aber es bietet ja auch genug Nachdenkstoff, wer braucht dafür schon 300 Seiten.Ein Ausblick: Juul verweist auch darauf, das Kinder immer kooperieren.

Mittlerweile habe ich das Buch mehrfach verliehen, verschenkt und wirklich zigfach empfohlen. Ich mache es auch jetzt und hier: Wer es noch nicht kennt, der sollte es lesen. Online, in der Leihbibliothek oder kauft es euch. Allein schon wegen solcher Sätze:

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Von der sozial verträglichen, höflichen Sprache bin ich einigermaßen abgerückt. Sowohl mit der Zunge als auch im Kopf gelingt es mir immer öfter, das „nein“ zu formulieren. Ein Entwicklungsprozess, der irgendwann nach 2010 anfing und bis heute andauert.Seit ich das „nein“ überwiegend berherrsche, fällt mir das von Herzen kommende „ja“ deutlich leichter. Gerade auch im Umgang mit Kindern, Jobs und privaten Projekten.

Wer sonst keine Erziehungsratgeber und Konsorten liest, macht mit dem „Nein aus Liebe“ trotzdem nichts gegen seine Prinzipien. Denn es ist kein Erziehungsratgeber, es ist eigentlich gar kein Ratgeber. Eher ein Augenöffner dafür, was Sprache mit uns allen macht, wie sie wirkt – und warum es so wichtig ist, wie wir miteinander sprechen.

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Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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