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Gestohlene Augenblicke

Paarzeit, #metime – wie immer du es nennen willst. Bei jüngeren Kindern ist das echt schwierig. Oder?

In den ersten Jahren, mit beinahe dauerschreiendem Säugling, dann mit gefühlsstarkem Kleinkind und neuem Säugling .. da war „Paarzeit“ eine echt lustige Sache. Unerreichbar, dringend nötig, ein Dings aus irgendwelchen Ratgebern, die keine Ahnung haben vom Familienleben. Da war ich mir sehr, sehr sicher.

Was in diesen blöden Ratgebern nicht stand? Dass wir NUR durchhalten müssten. Bis die Kinder größer sind. Bis sie aus der intensivsten Zeit heraus sind. Bis sie sich auch mal selber Müsli machen oder statt zum Einkaufen mitzukommen, lieber 2-3h daheim hocken bleiben. Jede_r für sich, einzeln im Zimmer.

Zeit: gestohlen

Und so sind diese Augenblicke wieder im Alltag angekommen.

Die „wir fahren grad mal zum Einkaufen. Sind in 2h wieder da!“ Momente. Wenn wir extra korrekt fahren statt zügig, um noch etwas mehr Zeit herauszuschinden, um mal ohne Unterbrechung miteinander reden zu können.

Die „Wir setzen uns mittags kurz auf die Terrasse raus.“ Momente, die die Kinder zwecks Sonne, Hitze und schlechter Bildschirmlesbarkeit höchstens morgens und abends betreten.

Die „Ich will Urlaub bei Oma und Opa machen!“ Situationen, die sowohl zwei Tage auf der Autobahn als auch (und jetzt halte dich gut fest) gut 5 bis 7 Tage OHNE KINDER bedeutet. Und alle, inklusive Großeltern und Kinder freuen sich darüber.

Und die „Ne, der Film ist nichts für Kinder, es ist eh Bettzeit.“ Abende, an denen die Kinder ohne jede Einschlafbegleitung und EINFACH SO ins Bett gehen. Alleine. Ich wiederhole nochmal: Alleine. Und dann gucken wir den Film. Einfach so. Ohne Störung (ok, der Hund muss vielleicht zwischendurch raus, aber… )

Nach vielen, vielen Jahren Familienbett, Co-Sleeping und stundenlangen Einschlafbegleitungen ist das ein unfassbares, wunderbares Geschenk. Immer noch. Jeden Abend. An jedem Tag in der Woche. Und das, obwohl ich (meistens) gern in den Schlaf begleitet habe, obwohl ich mich bewusst dafür entschieden habe.

Gestohlene Paarzeit? Ist doch normal!

Ja, diese Momente sollten total normal sein. Weil Großeltern, Freunde oder Bekannte die (Klein-) Kinder übernehmen. Weil die Kinder prima mit anderen Menschen zurecht kommen, oder keine Einschlafbgeleitung brauchen, oder insgesamt toll schlafen und Babysitter deshalb ne echte Option sind.

War hier aber nicht so. Im ersten Jahr mit dem großem Kind brauchte die Oma oft 3 Tage, um sich von 3h Babybetreuung zu erholen. Weil unser Kind schrie, statt zu schlafen. Und zum Aufwachen gleich wieder schrie. Weil sie permanent forderte und kein „leg ich ins Bett, gurrt fröhlich durch die Luft“ Baby war. Das forderte Kraft, sehr viel davon. Und damit arrangierten wir uns, und wir tauchten tiefer in die bindungsorientierte Beziehung ein, fanden im Tragen und Co-sleeping und einer intensiven Nähe die Lösung, um erst das eine – und dann das andere Kind gut versorgt zu wissen. Das hieß aber eben auch: Die Kinder waren fast immer mit dabei, bei jedem Alltagsschritt. So ging es ihnen gut, und uns (meistens) auch.

Und deshalb fühlen sich diese Momente, diese „ohne Kinder“ Situationen immer noch wie gestohlene Augenblicke an. Wie etwas, das wir besser trotzdem mit Kindern planen sollten. Obwohl sie das inzwischen so wunderbar kommunizieren, was sie brauchen und wollen.

Und das ist eben auch: Elternfreie Zeit, ohne Aufsicht, ohne Betreuung, ganz frei.

Was nichts an der Stimme im Kopf ändert, die leise vor sich hin mosert, wir könnten doch die Kinder nicht schon wieder für 2h daheim „allein“ lassen …. doch. Können wir. Wünschen sie. Brauchen wir. Das ist auch dieses „loslassen“ von dem die Ratgeber dann wieder sprechen, nicht wahr?

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