Darf mir als AP-Mutter die Arbeit Spaß machen?

Immer wieder lese oder höre ich von anderen Müttern, dass Arbeiten mit Kleinkind nur akzeptabel ist, wenn es dem Geldverdienen dient. Und dazu gehört natürlich auch das chronisch schlechte Gewissen dem Kind gegenüber.

Und wenn ich das nicht habe?

Mir macht meine Arbeit Spaß. Ich genieße den Austausch mit meinen Kolleg_innen und arbeite gerne mit meinen Schüler_innen. Bin ich deswegen eine schlechte Mutter?

Ich denke nicht, denn meine Arbeit macht mich zufrieden. Und eine zufriedene Mutter ist für ein Kind besser, als eine unzufriedene Mutter, die nur dem Kind zuliebe zu Hause bleibt, sich aber dabei total unwohl fühlt. Denn wenn ich mich unwohl fühle, dann kann es sein, dass ich dem Kind gegenüber Aggressionen entwickle, eben weil ich unzufrieden bin.

Und es ist doch auch wünschenswert, dass ich als Mutter Spaß an meiner Arbeit habe. Soll ich mich denn damit selber kasteien? Auch das macht Mütter nicht zufriedener. Und wem ist damit geholfen, dass sich eine berufstätige Mutter schlecht fühlt?

Aber wenn ich arbeite, habe ich weniger Zeit für mein Kind.

Wenn ich arbeite, kann ich nicht gleichzeitig Zeit mit meinem Kind verbringen. Das ist in der Regel so. Dann stellt sich aber die Frage, ob diese Tatsache meinem Kind schadet. Denn wer sagt denn, dass ich als Mutter die einzige Person bin, bei der mein Kind sich wohl und glücklich fühlt?

Teufel „Fremdbetreuung“

Über das Unwort „Fremdbetreuung“ haben wir ja bereits geschrieben. Meiner Meinung nach schadet es Kindern nicht, von anderen Menschen als ausschließlich von ihrer Mutter betreut zu werden. Denn auch der Vater, die Großeltern, die Tagesmutter oder die Bezugserzieherin in der Krippe können eine gute und empathische Bindung zu meinem Kind aufbauen. Und gerade die Väter haben auch ein Recht auf eine gute Beziehung und Bindung zu ihren Kindern. Das möchte ja hoffentlich niemand bestreiten.

Zurück zur Ausgangsfrage

Ja, meine Arbeit darf mir Spaß machen. Und ich darf es auch genießen, für einen Teil des Tages nicht ausschließlich Mutter zu sein. Wenn ich eine zeitlang bei der Arbeit war, freue ich mich ganz anders auf die Familie. Das geht den Vätern wahrscheinlich ähnlich, oder?

Ich finde es wichtig, dass die Arbeit Freude bereitet. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man sich umorientieren. Auch dazu haben wir hier schon etwas geschrieben.

Tipps, wie ich auch bei Berufstätigkeit eine enge Bindung aufrecht erhalten kann:

  • Familienbett und selbstbestimmtes Schlafen. Denn so habe ich abends und nachts mehr Zeit mit meinem Kind.
  • Bewusst Zeit fürs Kind nehmen und lieber mal den Haushalt liegen lassen oder outsourcen.
  • Im Gespräch bleiben. Mit dem Kind, seinen anderen Bezugspersonen und dem Partner. Dabei darauf achten, dass es nicht zum Verhör wird. Für das Kind ist es auch interessant, etwas von deinem Tag zu erfahren und es wird dann bestimmt auch über seinen Tag berichten.
  • Achtsamkeit für die Bedürfnisse aller Familienmitglieder. Wenn es mal hakt, darauf schauen, welche Bedürfnisse zu kurz kommen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
  • Kleine Aufmerksamkeiten zwischendurch. Einen kleinen Brief in die Schultasche stecken, auch mal das Lieblingsfrühstück einpacken.
  • Zwischendurch an die Familie denken, denn auch eine geistige Verbindung stärkt die Bindung.
Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

Ein Gedanke zu „Darf mir als AP-Mutter die Arbeit Spaß machen?“

  1. Hallo Uta,

    ein wichtiges Thema, das Du da ansprichst! Und schön wäre, wenn jede, die möchte frei heraus sagen kann und darf:

    Ich gehe arbeiten, weil ich möchte und nicht, weil ich muss!
    Oder – um mal eine Werbung zu zitieren – weil ich es mir wert bin!

    Und ich erlebe das Familienbett als genau so, wie Du es beschreibst: Mein Sohn holt sich dort nachts die Mama-Nähe, die er tags nicht oder nicht in der Exklusivität oder Intensität bekommt. Er „tankt“ Mama… :o)

    Und ich schlafe ruhiger, weil ich sicher sein kann, jeden Krupp, jedes Fieber und jeden Brechdurchfall mitzubekommen.

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