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AP, Erwerbstätigkeit und der moderne Mann

Ab und an lesen wir in Müttergruppen Aussprüche wie „Das mag ja bei euch klappen (Arbeit & Kinderbetreuung teilen), aber ich stille ja noch, da geht das ja nicht.“

Hmm. Besonders oft taucht das in den Gruppen auf, die sich mit Attachment Parenting befassen. Also den Gruppen, die sich Bedürfnisorientierung auf die Fahnen geschrieben haben. Das dreht sich im Babyalter primär um die die drei großen Felder

  1. Familienbett samt Einschlafbegleitung
  2. Stillen & Muttermilchernährung, gefolgt von BLW oder selbstbestimmter Beikost
  3. Tragen mit Tragehilfe und/oder Tragetuch

Versteht uns richtig: Wir glauben selbst, dass das für die allermeisten Familien ein sehr guter Ansatz ist, das gemeinsame Leben zu meistern.

Aber: Schnell genug ist der Mann als Partner außen vor. Warum? Weil er nicht stillen kann. Weil er nicht gerne mit dem Tragetuch umgeht. Oder weil er statt im liebevoll dekorierten Familienbett das gemeinsame Kind einschlafzubgleiten, es schlicht wach und spielen lässt, wenn Mama mal aus dem Haus ist. Seufzend räumt die kommentierende Mutter dann ein, dass sie das nicht mit ansehen könne – und bleibt zu Hause. Weil „der Mann das nicht richtig macht“. (Stichwort: Maternal Gatekeeping). Ja klar, es gibt Väter und Partner, die sich absichtlich dämlich anstellen (Stichwort: Paternales Vollpfosting), aber um die geht es jetzt hier nicht.

AP im Familienverbund

Abgesehen von der rein körperlichen Anlage, dass nur Frauen tatsächlich stillen können – alles andere im Umgang mit einem Baby kann der Mann, die Großeltern, die Tante oder die allerliebste Freundin exakt genauso übernehmen. Sofern, und das ist ein großer und wichtiger Punkt, sofern diese Bezugspersonen ausreichend Zeit hatten, eine intensive Bindung mit dem Baby aufzubauen. Das gelingt vor allem über eines: Zeit. Zeit, die die Bezugsperson mit seinem Schützling nutzen kann. Nicht nur mit Wickeln, Spielen und Rumtoben, sondern mit allem, was eben so anfällt. Essen kochen genauso wie sauber machen, auf den Spielplatz ziehen, Arzttermine übernehmen oder eigenen Hobbies nachgehen.

Nichts von dem, was in den ersten Lebensjahren bei der Kindererziehung anfällt, ist ausschließlich der Frau zugeteilt – abgesehen vom reinen Stillen. Und das wiederum lässt sich bei etwas Vorbereitung ebenfalls einplanen.

„Ja, aber …“

Blöderweise haben Väter eigene Ideen davon, wie sie mit ihren Kindern umgehen (möchten). JA, natürlich sollten sich Eltern möglichst einig dabei sein, wie sie ihre Kinder auf dem Weg ins Erwachsenenleben begleiten. Wenn das große Ziel ein respektvoller Umgang mit seinen Kindern ist (und da ihr hier mitlest, gehen wir mal alle davon aus), grenzt das die Handlungsfelder deutlich ein.

Ist es wichtig, ob der Mann lieber mit Wegwerfwindeln wickelt, statt die Stoffis zu nutzen, während die Partnerin und Mutter des gemeinsamen Kindes arbeiten ist?

Ist es wichtig, ob der Vater mit seinem Kind abends lieber aufbleibt und mit ihm/ihr spielt, weil das Einschlafen einfach nicht klappen mag ohne Mama (und Brust..)?

Ist es überlebensnotwenig, dass der erwachsene Mann und Partner sich exakt an schriftlichen Notizen seiner ebenfalls erwachsenen Partnerin und Mutter der gemeinsamen Kinder orientiert – oder darf und soll er eigene Strategien für den Umgang mit seinem Kind entwickeln?

In unserem Bemühen um den perfekten Umgang mit unseren Kindern, um Bedürfnisorientierung und ein respektvolles Miteinander landet der eigenverwantwortliche Partner manchmal vor der Türe. Statt dass er als Erwachsener mit eigener Kompetenz wahrgenommen wird, bekommt er Handzettel, wird telefonisch kontrolliert und darf sich keine Fehler erlauben. Und wer das nicht glaubt: Werft einen Blick in die entsprechenden Mütter-Gruppen.

Mit dieser Entmündigung des Partners wird eine Tür zugeschlagen, die für die #vereinbarkeit wirklich wichtig ist. Denn nur mit Unterstützung des Partners sind Job, Familienleben und Social Life miteinander vereinbar.

Sonst endet es in bis auf die Knochen erschöpfte Mütter. Und frustrierte Väter.

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