Umgang mit Schuldgefühlen

Wahrscheinlich kennen wir alle Situationen, in denen wir uns unseren Kindern gegenüber schuldig fühlen. Wenn wir ungeduldig waren und die Nerven verloren haben. Wenn wir das Gefühl haben, die Wut unserer Kinder nicht aushalten zu können. Oder wenn sich herausstellt, dass sich das Kind im sorgfältig ausgesuchten Sportverein nicht wohl fühlt.

Schuld ist ein destruktives Gefühl. Noch bevor andere uns verurteilen, verurteilen wir uns selbst. Und dabei sind wir oft kritischer als unser Umfeld.

“Ich bin eine schlechte Mutter.”
“Mein Kind wird mich später dafür hassen.”

Diese Gedanken bringe uns dazu, uns immer schlechter zu fühlen. Doch meist führen sie nicht dazu, dass sich die Beziehung zu unseren Kindern bessert. Denn  Schuldgefühle stehen zwischen uns und unseren Kindern wie eine Mauer.
Daher ist es wichtig, sanft zu uns selbst zu sein. Uns selbst gegenüber Einfühlung zu zeigen. Mitgefühl statt Schuldgefühl.

Wege aus der Schuldfalle

  • So können wir uns zum Beispiel fragen, ob wir in der Situation, als wir vor Ungeduld die Nerven verloren haben, genug Unterstützung hatten. Als Eltern sollten wir nicht immer allein mit unseren Kindern umgehen müssen. (siehe dazu auch den Artikel: Es braucht ein Dorf).
  • Es kann aber auch sein, dass wir uns schuldig fühlen, weil wir in einer Situation unangemessen reagiert haben, in der unser Kind durch sein Verhalten unsere Knöpfe drückt. So kann die Wut unserer Kinder schwer für uns zu ertragen sein, weil wir selber als Kinder nicht wütend sein durften. Wenn es uns in so einer Situation gelingt, uns unseren eigenen Gefühlen aus der Kindheit zu stellen, dann können wir mit den Gefühlen unserer Kinder besser umgehen. Wir selber wachsen und lernen und dadurch gelingt es uns, die Beziehung zu unseren Kindern liebevoll und empathisch zu gestalten.
  • Dann gibt es noch die Art von Schuldgefühlen, die auftauchen, wenn in der Vergangenheit getroffene Entscheidungen sich als falsch herausstellen. Auch dann hilft es nicht, uns selbst zu zerfleischen. Wir können uns fragen, ob wir mit den Informationen, die uns damals zur Verfügung standen, die bestmögliche Entscheidung getroffen haben. In der Regel können wir diese Frage bejahen, weil wir als Eltern immer so gut sind, wie es uns möglich ist. Und dann dürfen wir wiederum sanft zu uns selbst sein und uns vergeben.

In jedem dieser Fälle dürfen wir uns aber bei unseren Kindern entschuldigen.

Abschließend möchte ich noch eine Aussage von Reinhard Mey zitieren, die mir immer sehr hilft:

“Als Eltern machen wir sowieso Fehler. Keiner kann immer alles richtig machen. Es kommt nur darauf an, es mit so viel Liebe wie möglich falsch zu machen.”

Der von mir geschätzte dänische Autor Jesper Juul sagte sinngemäß, dass gute Eltern um die 20 Fehler machen. Täglich. Immer wieder. Das wäre nicht schlimm, schlecht oder grauenhaft – sondern authentisch und normal.

 

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

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