Bücher über Schule – Gut gemacht!

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Über Schule ist viel geschrieben worden und das Schulsystem in Deutschland steht zu Recht seit Jahren in der Kritik. Und dabei geht es mir hier nicht um bessere PISA-Ergebnisse, sondern vielmehr um die starke soziale Selektion und die regelmäßige Schulunlust von sehr vielen Schüler*innen. Daher habe ich mich auf die Suche nach Büchern darüber gemacht, wie Schule gelingen kann, bzw. was man verändern könnte. Dazu ist natürlich auch bereits jede Menge geschrieben worden, daher möchte ich in ab und zu Bücher zum Thema vorstellen.

Nachdem ich ja bereits vor kurzem das Ich schaffs!-Programm vorgestellt habe, möchte ich heute das dazugehörige Buch für „Eltern und andere Erzieher“ präsentieren.

Gut gemacht! Das „Ich schaffs!“-Programm für Eltern und andere Erzieher

In diesem Buch für Erwachsene, die Kinder erziehen, stellt Ben Furmann kurz und klar fünf lösungsorientierte Schlüssel vor. Diese sollen das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern verbessern helfen.

Loben

Der erste Schlüssel ist laut Furmann, das Loben. Er stellt verschiedene Formen des Lobens vor und gibt auch Beispiele hierfür. Dabei wird das Loben an sich grundsätzlich als positiv und fördernd für die Entwicklung des Lernprozesses dargestellt. Es wird präsentiert als „die effektivste Art […], wie wir Erwachsenen das Verhalten von Kindern beeinflussen können.“

Dabei wird hier Lob nicht nur als Strategie eingesetzt, sondern eben auch als Möglichkeit, dem Kind ein positives Feedback auf sein Verhalten zu geben. Dabei wird klar und deutlich darauf hingewiesen, dass man Kinder nicht vergleichen soll.

Mit unerwünschtem Verhalten umgehen

Im zweiten Kapitel wird eine Kommunikationshilfe geboten, um Kindern aufzuzeigen, was die Erwachsenen stört und was sie verändern möchten. Auch dies ist konsequent lösungsorientiert. Und es soll verhindern, dass man Strafen oder Belohnungen als Bestechung anwendet.

Die Fünf-Finger-Regel

Als Merkhilfe sollen hier die Finger einer Hand dienen. Dabei stehen diese für folgende Dinge:

Die Fünf-Finger-Regel

Kooperation zwischen Erwachsenen stärken

Dieses Kapitel hat mir besonders gut gefallen, denn es geht auch hier von einer strikt lösungsorientierten Kommunikation aus. Dies bedeutet z. B., dass mensch niemals die*n Andere*n kritisiert sondern vielmehr die Gemeinsamkeiten betont werden sollen. Dazu ist ein wertschätzender Umgang sinnvoll und wichtig. Und auch hier geht es immer wieder um Fähigkeiten statt Probleme. Das führt dazu, dass mensch sich auch nicht indirekt kritisiert fühlt. Und auch im Umgang mit anderen Erwachsenen gilt es, die Fünf-Finger-Regel anzuwenden, wobei diese hier auf drei Schritte reduziert wird.

Problemlösung für Kinder

In diesem Kapitel wird die Ich schaffs!-Methode vorgestellt. Dies geschieht hier allerdings nur sehr kurz und ist daher für einen Einstieg ins Thema nicht geeignet.

Kindern Verantwortung für ihr Handeln beibringen

Das fünfte Kapitel befasst sich damit, wie man damit umgehen kann, wenn ein Kind etwas Falsches, Unangemessenes oder Verbotenes getan hat.

Dabei wird klar von einer Bestrafung abgeraten, weil Kinder dadurch in der Regel nicht lernen, wie sie sich besser hätten verhalten können.

Um dies zu erreichen schlägt Furman ein Vorgehen in sechs Schritten vor:

  • Mit dem Kind über das Geschehene sprechen
  • Ihm helfen, zu verstehen, warum es sich falsch verhalten hat
  • Über das wie und wofür einer Entschuldigung nachdenken
  • eine Wiedergutmachung überlegen
  • Versprechen, sich in Zukunft besser zu verhalten und konkret überlegen, wie das geschehen könnte
  • einen Perspektivwechsel vornehmen, indem man gemeinsam überlegt, wie man Andere von diesem Fehler abhalten könnte

Kritik

Das Buch ist sehr kurz gefasst und daher fällt eine kritische Beleuchtung der vorgeschlagenen Methoden völlig hintenüber. Das stört mich vor allem deshalb, weil so viele der Anregungen des Buches sehr manipulativ daherkommen.

Das müssen sie aber nicht zwangsläufig sein, wenn das Menschenbild dahinter positiv geprägt ist, was ich dem Autor jetzt einfach mal unterstellen will.

Da es aber nicht thematisiert wird, könnte eben diese Anleitung zur Manipulation auch genauso umgesetzt werden. Hier fehlen mir ein paar klärende Worte dazu.

Auch stehe ich persönlich dem Thema Lob kritisch gegenüber. Warum das so ist, hat Danielle vom Gewünschtesten Wunschkind hier sehr gut erklärt und dem schließe ich mich an.

Fazit

Ich stehe diesem Buch mit gemischten Gefühlen gegenüber. Und zwar mit deutlich gemischteren als dem Ich schaffs!-Programm.

Die Fünf-Finger-Regel und das Kapitel zur Kooperation zwischen Erwachsenen finde ich sehr interessant und praktikabel, dennoch stört mich das manipulative vieler vorgegebener Aussagen und ich würde mir gerade für „Eltern und andere Erzieher“ doch ein ausführlicher erläutertes Buch wünschen, in dem auch auf problematische Seite dieses Umgangs mit Kindern eingegangen wird. Daher kann ich nur raten, ergänzend zu diesem Buch z. B. Alfie Kohns Liebe und Eigenständigkeit zu lesen.

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