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Gedanken zum Diesel – ein Rant

Ich liebe mein Auto. Es heißt Douglas, nach Douglas Adams. Und es begleitet mich schon sehr lange durchs Leben. Es war mir immer treu, obwohl ich es nicht immer sehr ordentlich behandle. Davon zeugen seine Macken und Kratzer und die Unordnung im Innenraum. Aber es ist ein tolles Auto. Nur leider müssen wir uns bald trennen.

Eins zwei Diesel

„Kauf dir einen Diesel“, sagten sie. „Wenn du viel fährst, lohnt sich das.“ Und da Mr. T im Außendienst tätig war, schafften wir von 18 Jahren Douglas an. Ein Kombi mit Platz für die ganze Familie, damals noch mit Kinderwagen und später dann mit zweitem Kind. Ein praktisches Auto, das uns durch den Alltag und in den Urlaub brachte.

Als ich dann nach dem Referendariat meine Stelle antrat und auch einen ziemlichen Schulweg zu bewältigen hatte, schafften wir einen zweiten Diesel an. Einen Gebrauchtwagen, weil das nicht nur kostengünstiger sondern auch nachhaltiger ist. Denn immer nur neue Autos kaufen, obwohl es schon so viele am Markt gibt, ist ja auch nicht unbedingt sinnvoll.

Partikelfilter – haben wir

Dann kamen die Umweltzonen und weil wir ja nicht nur fahren sondern auch die Umwelt schonen wollten, rüsteten wir Douglas mit einem Partikelfilter aus. Der andere Diesel wurde Opfer eines Unfalls und wir kauften wieder einen gebrauchten Diesel mit Partikelfilter. Diese beiden Autos fahren wir immer noch. Sie sind beide zuverlässig und lassen uns nie im Stich.

Nur leider sind sie Dieselfahrzeuge mit Euro 4. Hier in unserer Stadt bedeutet das, dass wir mit ihnen ab dem nächsten Sommer nicht mehr überall hinfahren dürfen. Die Fahrverbotszone liegt mitten auf meinem Schulweg.

Und jetzt?

Nun überlegen wir, wie wir mobil bleiben. Denn mit den Autos kommen wir bald nicht mehr weiter. Der große Sohn hat ein Studententicket, er ist also mobil. Ich selber habe ein Firmenticket, mit dem ich zumindest innerhalb der Stadtgrenzen fahren kann. Aber der Rest der Familie hat keine Monatskarten.

Nun könnten wir ja auch einfach die Umweltprämie in Anspruch nehmen. Die scheint ja total super zu sein. So gut, dass wir letztens schon Post vom Kraftfahrtbundesamt bekamen, in der uns nahe gelegt wurde, die Angebote der Autohersteller zu nutzen.

Mogelpackung „Umweltprämie“

Ich wusste gar nicht, dass solch Art Werbung zulässig ist. Aber egal. In der Realität sind diese Angebote nämlich Mogelpackungen. Denn sie gelten nur beim Kauf eines Neuwagens. Und der verliert bereits mit der Erstzulassung deutlich an Wert. Hinzu kommt, dass wir wie gesagt nicht unbedingt einen Neuwagen haben wollen, weil wir das auch nicht nachhaltig finden.

Dann gibt es diese Umweltprämie auch nur auf den Listenpreis des Fahrzeugs. Was das bedeutet, hat eine Bekannte von mir letztes erlebt. Man hat ihr einen Wagen mit Umweltprämie für 33.900€ angeboten, darin seien 6.500€ für den alten Diesel. Ohne Umweltprämie bot ihr der gleiche Händler den gleichen Wagen für 33.500€ an.  „Und dann können Sie den Diesel ja noch ins Ausland verkaufen.“

Wir sind die Dummen

Die Autohersteller sind fein raus. Sie haben den Dieselskandal produziert und vertuscht. Und nun verdienen sie noch daran durch die „Umweltprämie“.  Wir, die wir auf den Rat gehört haben, einen Diesel zu kaufen, müssen jetzt sehen, wie wir klar kommen.

Meiner Meinung nach sollten die Hersteller verpflichtet werden, die alten Dieselfahrzeuge kostenlos nachzurüsten. Oder sie sollten uns wenigstens allen kostenlose Monatstickets bezahlen. Wobei das auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Was wir brauchen:

Ich brauche zwar nicht täglich, aber doch mehrmals pro Woche ein Auto, um in die Schule zu fahren. Denn wenn ich mehr als nur einen Rucksack mitnehmen muss, ist Busfahren schwierig. Zumal ich auf meinem Schulweg mit dem ÖPNV mindestens einmal meist eher zweimal umsteigen muss.

Dann nutzen wir das Auto für den Wocheneinkauf, denn dann können wir auch zum Biosupermarkt fahren und Wasserkästen mit Glasflaschen kaufen. Das wäre ganz ohne Auto nicht drin.

Der kleine Sohn spielt Fußball und der Verein ist nicht gerade um die Ecke. Auch die Spiele am Wochenende sind oft weiter weg.

Und was machen wir nun?

Wie müssen uns trennen. Von Douglas und von Mr. Ts Auto auch. Wir überlegen im Moment, ob es auch mit nur einem Auto gehen wird. Wir denken schon, aber dann brauchen wir mehr Monatstickets in der Familie. Und welches Auto sollen wir uns kaufen? E-Auto? Hybrid? Benziner? Fragen über Fragen. Wir wissen im Moment nur eines: Wir kaufen uns keinen Diesel mehr.

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