Vom Alltag mit einem Vorschulkind

Plötzlich ist er da – der erste Wackelzahn. Und mit ihm wachelt nicht nur der Milchzahn. Das Kind wächst, es lernt viele neue Dinge und plötzlich ist es da: das Vorschulkind.

Schon groß und doch so klein

Die Vorschulzeit ist ein großer Umbruch. Das Vorschulkind ist auf einmal eines von den großen Kindern im Kindergarten, die Grundschulzeit rückt immer näher, es geht zur Schulanmeldung, zur Schuluntersuchung, einen Schultornister kaufen usw. Das bringt nicht nur freudige Erwartungen sondern auch Ängste mit sich. Denn bald heißt es, die bekannte Kindergartenumgebung verlassen und etwas völlig neues beginnen.

Dazu kommt, dass sich auch körperlich viele Veränderungen zeigen. Nicht nur der Zahnwechsel beginnt, das Vorschulkind wächst auch sehr. Hinzu kommt auch eine rasante kognitive Entwicklung. So viele Veränderungen im Innen und Außen können verunsichern.

Und so kommt es, dass das Vorschulkind oft extreme Stimmungsschwankkungen durchlebt. Da kann es schon mal wegen (vermeintlicher) Kleinigkeiten zu Tränenausbrüchen kommen. Und ein paar Minuten später tobt das gleiche Kind wieder fröhlich durch die Wohnung.

„Mama, ich wäre so gerne wieder ein Baby.“

Solche Aussagen zeigen die innere Zerissenheit. Eigentlich ist das Vorschulkind stolz darauf, was es alles kann, aber dann merkt es auch wieder, was es eben alles noch nicht weiß. Und im Kindergarten wird oft erwartet, dass es doch schon vernünftig sein solle, weil es doch so groß ist. Dabei sollten wir nicht aus den Augen verlieren, dass in diesem Lebensabschnitt die Verunsicherung besonders groß ist.

Mein Vorschulkind, das unbekannte Wesen

Auf diesen emotionalen Ausnahmezustand sollten wir Rücksicht nehmen, auch wenn es uns manchmal schwer fällt. Denn eigentlich ist unser Kind doch schon so groß. Es kann sich schon toll ausdrücken, diskutiert mit uns und im nächsten Augenblick bricht es todunglücklich zusammen und weint und schreit.

Das ist auch für uns Eltern nicht einfach. Kommt uns unser Kind in diesen Momenten doch oft fremd vor. Wir hatten uns schon daran gewöhnt, dass es ruhiger wurde im Haus, weil das Kind emotional gefestigter war. Und nun – mit den ersten Wackelzähnen und dem Beginn des letzten Kindergartenjahres – wird das Vorschulkind auf einmal wieder ganz anders.

Geduld und Verständnis

Was hier hilft, ist viel Geduld und Verständnis. Immer wieder darüber reden, dass das jetzt blöd gelaufen ist, wenn es nicht so funktioniert hat wie gewünscht, Trösten und Kuscheln. Dann geht es bald wieder besser und das Vorschulkind geht wieder auf Entdeckungstour, zumindest für 10 Minuten, bis die nächste Katastrophe über es herein bricht.

Zum Glück habe ich einige Freunde, die auch schon Kinder durch die Vorschulzeit begleitet haben. Diese haben mir erzählt, dass es bei ihnen ähnlich war. Aber auch, dass es nach Schulbeginn bald besser wurde. Daran halte ich mich fest, wenn es wieder mal anstrengend ist, Wutanfälle auszuhalten, aus Anlässen, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Aber ein „stell dich nicht so an“ würde ja auch nichts helfen. Meinem Kind geht es schlecht, es braucht Unterstützung. Also bekommt es sie.

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