Rolle rückwärts: Wenn (Groß)Eltern Verantwortung abgeben (müssen)

Wenn unsere Kinder größer werden, dann übergeben wir ihnen immer mehr Verantwortung. Denn wir wissen, sie sind kompetent und schaffen das alleine.

Anders ist es, wenn unsere Eltern älter werden. Denn dann passiert das genaue Gegenteil. Wir übernehmen immer mehr Verantwortung, weil die Eltern es alleine eben nicht mehr schaffen.

Aber genauso wie es uns oft schwer fällt, unsere Kinder loszulassen, so ist es auch nicht leicht, diese Rollenumkehr mit unseren Eltern zu vollziehen.

Denn wir sind es gewohnt, dass die Eltern für uns da sind. Unser Fels in der Brandung, der sichere Hafen. Zumindest sollte es so sein. Und jetzt ist alles anders?

Ein schleichender Prozess

Meist müssen wir ja gar nicht von heute auf morgen komplett übernehmen. Zum Glück, denn so können wir uns langsam daran gewöhnen, dass unsere Eltern nicht mehr so gut können und mehr Unterstützung brauchen.

Allerdings dauert es meist ein wenig, bis wir bemerken, dass wir mehr Verantwortung übernehmen müssen als bisher. Zumindest hat es bei mir länger gedauert. Zum einen, weil meine Eltern nicht klar und deutlich gesagt haben: „Wir können das nicht mehr.“, was ich übrigens völlig verstehen kann. Wer gibt schon gerne zu, dass mensch etwas nicht mehr schafft, was früher einfach war. Zum anderen aber auch, weil ich es nicht sehen wollte, denn „meine Eltern sind ja noch nicht alt„.

Auch dies ist wieder eine Parallele zu unseren Kindern. Denn auch hier müssen wir erst wahrnehmen, dass sie mehr Verantwortung übernehmen können und sie ihnen dann geben. Denn auch Kinder sagen nicht unbedingt: „Das kann ich schon selbst.“ Wobei das zugegebenermaßen häufiger vorkommt.

Gratwanderung

Es ist nicht ganz einfach, den Eltern Dinge abzunehmen, ohne sie wie Kinder zu behandeln. Denn wenn wir zu viel auf einmal übernehmen, dann kann es passieren, dass wir unsere Eltern verärgern.

Daher ist es sehr wichtig, das Thema anzusprechen und wertschätzend zu kommunizieren. Denn auch wenn unsere Eltern merken, dass sie nicht mehr alles können, so ist es doch nicht einfach, das auch zuzugeben. Denn wer möchte gerne schwach erscheinen? Wir können unsere Hilfe nur anbieten, aber sie nicht aufzwingen. Auch wenn uns das manchmal schwer fällt.

Auch hier wieder eine Parallele zu unseren Kindern. Dort fällt es uns schwer, loszulassen. Sie Dinge alleine bewältigen zu lassen. Aber auch dort bieten wir an, dass wir da sind, wenn wir gebraucht werden. Und das tun wir auch bei unseren Eltern.

Wie können wir also wertschätzend unterstützen?

Vorschlagen, dass man den Eltern etwas mitbringt, wenn man selber einkaufen geht. Oft fällt es leichter, die Kinder um etwas zu bitten, wenn die Eltern nicht das Gefühl haben, dadurch zusätzliche Arbeit zu verursachen. Denn sie wollen uns ja nicht „zur Last fallen“.

Wir gehen Getränke kaufen. Sollen wir euch etwas mitbringen?

Wir können auch einfach fragen, ob wir ihnen helfen sollen, etwas zu tun. Z. B. Gartenarbeit, die sie immer selber gemacht haben. Hilfreich ist auch, wenn wir sie dabei um Rat fragen.

Soll ich dir mit den Sträuchern helfen? Dann kannst du mir gleich erklären, wie ich sie richtig beschneide. Das wollte ich sowieso lernen.

Nachfragen, wie es den Eltern geht. Mitfühlend sprechen, aktiv zuhören und spiegeln. Alles das hilft, damit unsere Eltern sich verstanden und unterstützt fühlen.

Kann es sein, dass dir die Gartenarbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht?

Du hast gesagt, dass dir das Tragen der Wasserkästen schwer fällt. Soll ich das für dich übernehmen?

No Gos

Was wir auf jeden Fall vermeiden sollten ist, den Eltern zu erklären, dass sie ja jetzt alt sind und wir das jetzt für sie machen. Denn dann fühlen sie sich entmündigt und übergangen.

Hier hilft es, sich zu fragen, wie wir selber reagieren würden, wenn jemand uns einfach ungefragt alles abnimmt. Das würde uns auch nicht gefallen. Und außerdem sollten wir den Eltern ja auch nicht alles abnehmen. Denn soviel Selbstständigkeit wie möglich ist wichtig, damit sie auch im Alter fit bleiben. Körperlich und geistig.

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

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