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Rezension: Böse Mutter – gute Mutter

In ihrem Buch „Böse Mutter – Gute Mutter. Eine mächtige Beziehung bewusst leben“ will Sam Jolig die LeserInnen für die Muttermacht sensibilisieren, also für den Einfluss, den Mütter auf unser Leben haben. Und der ist sehr groß, behauptet zumindest die Autorin, ganz in freudscher Tradition.

Übermächtige Mutter

Mich überzeugt sie nicht. Denn die Mutter hat mit Sicherheit großen Einfluss auf das Leben ihrer Kinder. Aber den haben Väter und Geschwister auch. Gerade heutzutage finde ich diese einseitige Fokussierung auf die Mutter nicht mehr zeitgemäß.

Zumal die Autorin ihrer These auch selber widerspricht, indem sie immer wieder Fallbeispiele bringt, in denen der Vater eine entscheidende Rolle spielt. Aber leider deutet sie diese entweder sehr über die Mutter oder gleich gar nicht ausführlich.

Viele Ansätze – kein roter Faden

Dies ist übrigens ein Punkt, der mich an diesem Buch extrem stört: Sam Jolig stellt hier eine ganze Reihe von Ansätzen vor und Behauptungen auf, ohne diese weiter zu erläuern oder gar zu begründen, warum sie diese für wichtig und richtig hält. Alles steht sehr verkürzt nebeneinander.

So stehe ich am Ende der Lektüre mit folgenden Eindrücken da:

  • Familienstellen sollte man unbedingt machen, weil man da ganz viel über seine Familie und sich selbst lernen kann.
  • Charaktertypen sind total hilfreich, weil man da ganz viel über seine Mutter und sich lernen kann.
  • Die Mutter hat total viel Macht und Einfluss auf unser Leben, wenn etwas schief läuft, liegt das in der Regel an ihr, sie hat aber keine Schuld.
  • Meditation hilft, damit man bewusster leben kann.

Was fehlt ist der Zusammenhang und natürlich die fundierte Begründung, warum das so ist.Und gerade der Punkt über den übergroßen Einfluss der Mutter kann eben doch leicht als Schuldzuweisung gelesen werden und wird auch von vielen Müttern als Bürde empfunden. Hier wird wieder der Mythos von der „guten Mutter“ bedient, was ich persönlich sehr problematisch finde.

Fazit

Ich kann das Buch „Böse Mutter – gute Mutter“ nicht empfehlen, es sei denn, man findet Familienstellen, Charaktertypen und Psychoanalyse toll, kennt sich damit aus und kann dann die jeweilige Deutung selber übernehmen. So wie es ist, ist das Buch für mich kein Gewinn gewesen.

Vielen Dank an den Goldmann-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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