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Bücher über Schule: Schulinfarkt

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Über Schule ist viel geschrieben worden und das Schulsystem in Deutschland steht zu Recht seit Jahren in der Kritik. Und dabei geht es mir hier nicht um bessere PISA-Ergebnisse, sondern vielmehr um die starke soziale Selektion und die regelmäßige Schulunlust von sehr vielen Schüler*innen. Daher habe ich mich auf die Suche nach Büchern darüber gemacht, wie Schule gelingen kann, bzw. was man verändern könnte. Dazu ist natürlich auch bereits jede Menge geschrieben worden, daher möchte ich in ab und zu Bücher zum Thema vorstellen.

Jesper Juul: Schulinfarkt

Ein Buch von Jesper Juul zur Schule. Das sollte doch wohl interessante Einsichten und Anregungen für die Praxis bieten. So dachte ich und war sehr gespannt, was ich von diesem Buch für mich mitnehmen kann.

Ein Buch für Eltern

Leider war auf dem Klappentext nicht vermerkt, dass sich das Buch gar nicht an Lehrer*innen richtet, sondern an Eltern. Und es steht auch nicht dort, dass es sich nicht um ein in sich geschlossenes Buch handelt, sondern vielmehr um eine Sammlung von Artikeln und Interviews zum Thema Schule.

Konstruktive Kritik? – Fehlanzeige

Das wäre an sich ja nicht schlimm (ich hätte es nur lieber vorher gewusst), aber leider findet sich in dem Buch keine differenzierte Betrachtung des deutschen Schulsystems, sondern ganz viele Pausschalurteile. Es wird immer wieder betont, dass die Lehrer*innen auch nur Opfer des Systems seien, aber eine klare Diagnose, was an dem System nicht stimmt oder gar Verbesserungsvorschläge fehlen.

Lehrer, du Opfer!

Überhaupt, dieser Umgang mit den Lehrer*innen, er stört mich gewaltig. Denn sie werden zu Opfern gemacht, und für mich als Lehrerin kommt das sehr entwertend rüber. Ich möchte kein Opfer sein, und wenn etwas schief läuft, dann wünsche ich mir klare Handlungsoptionen, wie ich das verbessern kann.

Stattdessen wird „den Lehrern“ pauschal die Beziehungskompetenz abgesprochen. Es wird nicht verraten, wie ich als Lehrerin eine Beziehung zu 30 Schüler*innen aufbaue, die ich nur einmal pro Woche für 65 Minuten sehe. (Und ja, das geht, wenn auch es auch schwer ist.)

Normale Schüler*innen gibt es nicht?

Darüber hinaus wird viel über sogenannte „Problemschüler*innen“ geschrieben, die ganz „normalen“ Schüler*innen kommen aber kaum vor. Doch auch die brauchen doch gute Rahmenbedinungen und eine gute Beziehung zu ihren Lehrer*innen.

Fazit

Mir hat das Buch nicht gefallen, im Gegenteil, ich habe mich darüber geärgert. Vielleicht bringt es Eltern, die selber keine Lehrer*innen sind, mehr, aber auch das bezweifle ich. Daher möchte ich von der Lektüre des Buches abraten.

Danke an den Kösel-Verlag, für das Rezensionsexemplar.

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