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Bedürfnisse: Nähe

Wir Menschen sind soziale Wesen und als solche brauchen wir Kontakt und Nähe um zu überleben. Grausame Versuche, die Kaiser Friedrich II. bereits im 13. Jahrhundert an Babys durchführen ließ, haben das deutlich gemacht. Und wir merken es selber, wie sehr gerade Babys Nähe bzw. Körperkontakt brauchen. Sie lieben es, getragen zu werden und so und durch Stillen nach Bedarf kann das Grundbedürfnis nach körperlicher Nähe von Babys auch zuverlässig erfüllt werden.

Ohne Berührung kann ein Mensch nicht leben

Aber das Grundbedürfnis nach Nähe verliert sich nicht mit zunehmendem Alter. Auch (Klein-)Kinder, Jugendliche und Erwachsene brauchen Nähe, wenn wir auch nicht mehr viele Stunden am Tag Körperkontakt benötigen. Mit zunehmendem Alter wird Nähe auch durch Gespräche und gemeinsam verbrachte Zeit hergestellt, aber das Bedüfnis nach körperlicher Nähe ist grundsätzlich bei jedem Menschen vorhanden.

Schulkinder

Manchen Schulkindern ist es peinlich, wenn die Eltern ihnen öffentlich zu nahe kommen. Das bedeutet nicht, dass sie kein Bedürfnis nach Nähe haben. Dieses muss nur anders gestillt werden. Zum Beispiel durch ein Abschiedsritual. So ist es in meiner Familie üblich, dass man sich mit einem Kreuz auf die Stirn verabschiedet, ein Segenszeichen, das sowohl Nähe herstellt, als auch recht diskret ist, so dass sich das Kind damit anfreunden kann. Größere Nähe kann dann noch zu Hause hergestellt werden.

Jugendliche

Jugendliche tun sich oft schwer, körperliche Nähe von ihren Eltern zuzulassen. Gerade bei Jungen gilt das leicht als „unmännlich“, dabei brauchen auch sie diese Nähe. Sie holen sie sich oft durch Rangeleien mit Freunden (auch das ist körperliche Nähe), Abklatschen und so mancher Teenager sucht im geschützten Umfeld der Wohnung, wenn niemand es sieht, auch noch die Nähe der Eltern.

Partnerschaft

Manchmal führt die große Nähe zum Kind auch zu Distanz in der Partnerschaft. Wenn zum Beispiel ein Partner ständig das Nähebedürfnis des Kindes stillt, kann es dazu kommen, dass sein Bedürfnis nach Nähe bereits erfüllt ist. Der andere Partner aber bleibt mit seinem Nähebedürfnis auf der Strecke.

Dies kann man lösen, indem man sich die Sorge ums Kind möglichst gleichberechtigt teilt, so dass nicht nur ein Elternteil ausschließlich für das Nähebedürfnis des Kindes zuständig ist. Außerdem sollte man seine Gefühle und Bedürfnisse dem Partner gegenüber klar kommunizieren, damit der Andere weiß, wie es aussieht.

Rituale helfen allen Familienmitgliedern

Ob es das oben beschriebene Kreuz auf die Stirn ist oder die gemeinsame Kuschelstunde auf dem Sofa am Abend, das Familienbett oder das Einschlafritual. Rituale helfen, Nähe herzustellen und in Verbindung miteinander zu bleiben.

abendliche Toberunde auf der Couch /sabrina

 

Und wenn es schwer fällt?

Es ist nicht immer einfach, Nähe zuzulassen. Wichtig ist es, sich selbst zu beobachten und nachzuspüren, was mir schwierig erscheint. Sind es alte Glaubenssätze? Habe ich Dinge erlebt, die es mir schwer machen, Nähe zuzulassen? Kann ich diese Verletzungen heilen, um meinen Kindern/meinem Partner nahe zu sein? Hier hilft achtsames Erforschen meiner Gefühle, Gespräche mit dem Partner oder ggf. auch mit einem Therapeuten. So können (alte) Verletzungen heilen.

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