Weihnachtszauber gesucht

Weihnachten ist kaputt. Oder mein Gefühl dafür. Die Vorfreude ist auch hinüber, gesehen hat sie schon länger keiner mehr. Eine Spurensuche …. Eigentlich fängt es im August an. Klassisch startet dort der Abverkauf der Weihnachtsschokolade. Parallel türmen sich in Mutti-Gruppen und auf Ratgeberseiten schonmal die Hinweise auf „Adventskranz-Basteln“, stressfreie Geschenke-Besorgung und …. bla.

Ich bin da geistig nicht mal aus dem Urlaub zurück (wenn ich welchen gehabt hätte!), geschweige denn bei 35°C im Schatten auf Lebkuchen und Gewürzkekse eingestellt. Aber he, sowas kann man beim Einkaufen ja ausblenden. Und gebetsmühlenartig Mantras a la „Nein, wir kaufen noch keine Weihnachsschokolade, erst im Winter wenn Weihnachten ist.“ vortragen. JA, ich bin SO eine Mutti im Supermarkt. Und das ist gut so!

Während ich also aktiv gegen Über-Konsum und Abstumpfung vorgehe, stumpfe ich gegen all das Weihnachstzeug immer mehr ab. Ich blende das aus und schaue, dass ich den Rest des Jahres irgendwie gewuppt bekomme. Zwischen Kundenterminen und Schulaufgaben, zwischen Geburtstagsfesten, Nachmittagen mit Freunden und viel, richtig viel Arbeit.

Es brennt und leuchtet. Nicht.

Ich kann mich dunkel an Zeiten erinnern, da habe ich zum Totensonntag die Weihnachtsbeleuchtung herausgesucht. Fenster geschmückt, Kerzen aufgestellt und gegen aufdringliche Katzen, neugierige Kinder und den brandschutzkritischen Ehegatten verteidigt. Tellerchen mit Naschereien vorbereitet, natürlich selbstgebacken. Es gab Dekodeckchen auf den glatten, freien Flächen. Dazu der Holzofen mit seinem warmen Schein. Manchmal sogar Spaziergänge im Schnee. Mit den Kindern unter Laternen stehen und im Dunkeln das Schneegestöber bestaunen. Das war schön, sehr heimelig.

Dieses Jahr habe ich den Totensonntag und den ersten Adventssonntag kommen und gehen sehen. Zum zweiten Advent war immerhin die geschenkte Dekoschale mit Tannenzapfen und Dekokugeln samt Kerzen aufgestellt (danke an den Sponsor: Mama!) und vom Stöckchen-Deko-Dings an der Wand waren die Ostereier abgehängt. Mann und Kinder haben in weiser Voraussicht schon vorher im Jahr aus Ton neue Anhänger gestaltet – die kamen als Advents-Aktion nett bemalt an das Stockdings. Batterien und Ikea-Leuchteketten dran – fertig.

Manchmal, abends, wenn die Kinder im Bett sind … mache ich mir heimlich eine Kerze an. Vom 1. Dezember bis heute waren das, lasst mich überlegen… zweimal. Denn in meinen 18h Tagen ist nicht so wahnsinnig viel besinnliche Zeit übrig geblieben.

Zwischen den heimeligen Traumblasen aus „wie sehen denn eure selbstgemachten Adventskränze aus“ und den Todesnachrichten überall aus der Welt, dem Zusammenbruch (teil-)demokratischer System, der Radikalisierung der Politik gibt es anscheinend nicht für alle Spannungen. Für mich sind das zwei Realitäten, die ich nicht mehr unter einen Hut bekomme. Abschieds-Videos von Menschen, die wissen das die nächste Bombe sie treffen wird vs. Menschen, die den Sinn und Unsinn von farbgebundener gegenüber freier Weihnachtsbaumgestaltung diskutieren. Gut, wenn das für sehr viele Menschen irgendwie machbar ist. Ich kanns nicht. Mir sträubt sich alles. Jajaja, objektiv gesehen ändert mein Sträuben gar nichts.Aber Weihnachten ist ein Gefühl – und mein Gefühl ist kaputt.

ASAPst Weihnachtsfeeling

Wäre ich klug gewesen, ich hätte mir schon wie all die anderen klugen Mütter vor Wochen Gedanken gemacht über Weihnachtsmenüs, ausgefallene Dessert-Variationen und all die netten Kleinigkeiten. Wie Kekse. Lebkuchen. Dominosteine. Habe ich alles nicht. Also weder Gedanken gemacht, noch geplant, noch vorrätig. Stattdessen habe ich die Steuererklärung, die Arbeit und die Vereinsarbeit erledigt. Und beinahe alles pünktlich.

Heute ist der Tag vor Weihnachten.  Das Downgrading meiner Ansprüche und die Anpassung meiner Ressourcen haben mich direkt hierher geführt: Nichts vorbereitet, nichts geplant – weil es sonst halt auch keiner macht.

Ansprüche runter schrauben, dann bleibt es halt liegen.

Sagt sich leicht – und kommt mir dann demnächst auch weniger leicht über die Lippen. Wie genau hier eigentlich der Zeitsprung von „ist doch grad erst August“ auf „scheiße, morgen ist Weihnachten“ gelungen ist, müsste auch mal wer untersuchen.

Yeah, endlich Ferien! Nicht.

Wir müssen heute noch einkaufen gehen. Wie alle anderen 80 Millionen Einwohner von Deutschland das auch tun, weil Feiertage immer total überraschend kommen. Dazu müssten wir wissen, was wir essen wollen – an drei hintereinander folgenden Tagen. Dazu müsste einer von uns Erwachsenen den Nerv haben, sich darum endlich mal zu kümmern, zu planen und zu organisieren.

Das Programm danach für den ach so tollen halben Tag vor Weihnachten ist immer das Gleiche: Baum aufstellen (Plastik. Aus Gründen.), Kinder schmücken lassen. Vielleicht, mit viel Glück und gutem Willen, noch 1-2 Bleche Kekse backen. Und die letzten ergatterten Lebkuchen aus dem Supermarkt dazu. Durchsaugen, wischen, Wäsche waschen (weil: WE und Freitag und dran, und so). Irgendwann kaputt und genervt auf die Couch fallen.

Geschenke sind immerhin schon da – nur nicht verpackt. Sprich: Abends besonders lange aufbleiben, damit die Kinder schlafen und nichts mitkriegen. Dann Geschenke einpacken und verstecken. Beten, das alles passt. Den Weihnachtstag rumkriegen. Die Feiertage rumkriegen. Nett lächeln, das offene Ohr für die Kinder haben, doch noch mehr Kerzen rauskramen, doch noch mehr nette Beleuchtung hinzaubern. Improvisiert lecker kochen. Und warum? Weil die Kinder sich das wünschen. Weil es die Illusion von Weihnachten ist, die ich mir selbst wünsche.

Frohe Weihnachten!

Uta: Bei uns sieht es nicht viel anders aus. Einen Adventskranz haben wir nur, weil in meiner Schule traditionell am Freitag vor dem 1. Advent der Weihnachtsmarkt stattfindet und ich dort jedes Jahr einen Kranz kaufe. (Selber machen? Haha, wann denn?) Adventskalender wurden gekauft (wollten die Kinder GsD so) und Plätzchen gebacken habe ich dieses Jahr auch noch nicht.

Auch hier wird heute noch aufgeräumt und Geschenke verpackt. Außerdem habe ich mir fest vorgenommen, noch zu backen und auch erst nach den Feiertagen wieder an die Arbeit zu denken (obwohl ich das wahrscheinlich nicht durchhalten werde, es ist so viel dieses Jahr).

Da wir mit meinen Eltern feiern, steht das Weihnachtsmenu schon und sie haben auch netterweise schon alles eingekauft. Wir müssen auch nichts mehr kaufen, weil wir am ersten Weihnachtstag traditionell zu den Schwiegereltern fahren und ein paar Tage dort sind. Aber auch hier lauert noch so viel Alltag an jeder Ecke und es gibt noch so viele Dinge zu tun, dass hier keine Weihnachtsstimmung steht, genausowenig wie die Krippe.

nach

Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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