How to fail (Elizabeth Day)

Eine Rezension mit Triggerwarnung: Wenn du gerade mit Kinderwunsch/Fehlgeburten zu tun hast, achte gut auf dich. Beides ist Teil des Buchs und auch Teil der Rezension.

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Bei der ursprünglichen Verlagsankündigung hatte ich irgendwie etwas anderes erwartet. Halt ein Buch übers Scheitern, Fehlerkultur, Learnings. Irgendwie sowas.

Stattdessen kommt Elizabeth Days „How to fail“ als vor Sarkasmus strotzendes kleines großes autobiografisches Werk daher. Aus meinem sonntäglichen „Nur mal kurz reinblättern“ wurde ein ganzer Tag, und dann noch einer…. Die ich vertieft in das Leben einer Frau verbrachte, die in England und Nordirland aufwuchs, als Journalistin ziemlich viele bekannte Personen interviewte, Scheiß-Jobs und tolle Jobs hatte – und scheiterte. Oft. Richtig oft. Heilige Scheiße, SO oft.

Was bedeutet Scheitern eigentlich? Ich denke, es bedeutet im Grunde genommen nur, dass wir unser Leben in vollen Zügen leben.

Elizabeth Day, How to fail

„How to fail“ gibts übrigens eigentlich als Podcast – das Buch kam erst später 😉 Wenn du also lieber statt der schriftlichen Zusammenfassung viele, unterschiedliche Menschen übers Scheitern sprechen hören möchtest, hör den Podcast.

Scheitern in Lebensabschnitten

Schule, Freundschaften, Ehen. So ungefähr ist das Buch gegliedert und arbeitet damit die typischen Stationen ab, zu denen Menschen üblicherweise Erfahrungen im Scheitern sammeln (können).

Sich selbst zu akzeptieren, das ist meiner Ansicht nach ein revolutionärer Akt, der im Stillen passiert.

Eizabeth Day, How to fail

Durch den (auch) autobiografischen Charakter ist es für mich als mittelalte Frau besonders unterhaltsam, einer ebenso mittelalten Frau durchs Leben zu folgen. Es gibt reichlich popkulturelle Referenzen und eine erstaunlich ähnliche Grundhaltung – aber die teilen wir nicht-ganz Millenials ja eh alle.

Es herrschte der Druck, sich dem allgemeinen Trend des Unangepasstseins anzupassen.

Elizabth Day, How to fail – über das Scheitern ab 20 und die Frage, warum wir alle nicht mehr „Sex and the City“ in unseren 20ern hatten

Viele Buchabschnitte lesen sich extrem flüssig, erheiternd, sarkastisch.

Echte Menschen halten sich nicht an ein Drehbuchskript, weil sie halt ihr eigenes Zeug zu erledigen haben.

Elizabeth Day, How to fail – über Scheitern beim Daten

Und dann kam der Abschnitt übers Kinderkriegen und an der Stelle kommt meine sehr herzliche Bitte: Wenn du mit unerfülltem Kinderwunsch kämpfst, Fehlgeburt(en) hinter dir hast oder anderweitig mit dem Kinderkriegen haderst, achte bei diesem Buch gut auf dich. Schau, ob du das Kapitel überspringen kannst/musst (wobei es bereits vorher Andeutungen gibt!) oder das Lesen lieber auf einen anderen Zeitpunkt verschieben magst.

Mich jedenfalls haben die Abschnitte zum am-Mutter-werden-scheitern sehr gerührt. So sehr, dass ich eventuell kurz was im Auge hatte.

Feminismus, ick hör dir trapsen!

Das Buch übers Scheitern ist gleichzeitig ein – wie ich finde – Lehrstück über die Feministin-Werdung einer Frau.

Es [Unsicherheit] sei zwar eine Schwäche, aber in dieser Schwäche läge eine Stärke: die Überzeugung, in der eigenen Seele zu Hause zu sein und nicht in der eines anderen.

Elizabeth Day, How to fail

An vielen Stellen beschreibt Day das, was wir auch in Mitteleuropa nur zu oft erleben: Junge, gut ausgebildete Frauen halten den Feminismus mehr oder weniger für unnötig, schließlich stehen ihnen ja alle Türen offen. Und trotzdem verfallen sie in alte Muster, fordern weder die gleichen Rechte ein noch wehren sie sich bewusst gegen Sexismen.

…, dass ich während dieser Phase meines Lebens durchaus auch Sexismen erfahren hatte. Nur hatte ich den damals fraglos hingenommen als Preis dafür, dass ich in einer Szene, in der ich arbeitete, existierte. Kurz gesagt: Ich war dankbar für Rechte, die ich eigentlich als mein gutes Recht hätte betrachten sollen.

Elizabeth Day, How to fail – über Scheitern und Beziehungen

Day war dort, hat es durchlebt – und kommentiert nachträglich getroffene Entscheidungen, die ihr aus heutiger Sicht unverständlich sind. Mit genügend Abstand betrachtet, treffen wir alle seltsame Entscheidungen.

Wenn ich meinem Mann nichts abverlangte, so lautete meine innere Argumentation, wenn ich alles richtig machte, dann gäbe es keine Ausrede dafür, mich nicht zu lieben.

Elizabeth Day, How to fail

Fazit

Am Ende scheitert diese Bestsellerautorin genauso oft, wie sie großartige Erfolge verzeichnet. Und sie ist schonungslos offen über eigene Ängste, Unsicherheiten, fragwürdige Verhaltensmuster.

„How to fail“ hat mich in vielen Aspekten überrascht. Sehr überrascht. Und ich lege es dir ausdrücklich ans Herz, vor allem wenn du aus „Wir machen keine Fehler“-Fehlerkulturland Deutschland kommst 😉

Erfolg und Scheitern sind so betrachtet gleich: Wie wir darauf reagieren, macht daraus etwas Negatives oder Positives. …

Solidarität ist mächtig. Zusammenhalt ist unaufhaltsam.

Elizabeth Day, How to fail – Schlussgedanken
Sabrina
Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann & zwei Kindern in enger Gemeinschaft. Feministisch, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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