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Ferien kürzen! Für mehr #vereinbarkeit

Das gäbe einen Aufschrei, oder? Den armen Kindern die Ferien kürzen? Die BRAUCHEN sie doch aber! Ja. Und Eltern brauchen auch Urlaub. Und den würden sie auch gerne mit ihren Kindern verbringen.

So – what’s the problem?

Hier: 11 Wochen und mehr an Schulferien sind ein #vereinbarkeitsproblem.

Die Ausgangslage: Knapp ein Vierteljahr Ferien – pro Jahr

Das ganze Gedöns zusammengefasst hat übrigens der WDR in einem 3 Minuten-Beitrag: Ferien kürzen?

Historisch sind ausgedehnte Ferien damit begründet, das Kinder wertvolle Arbeitskräfte sind. Und wenn sie im restlichen Jahr schulbedingt ausfallen, dann aber bitte nicht in der heißen Erntezeit. So erklärt sich die lange Spanne im Sommer, die Herbstferien („Kartoffelferien“) und im Frühjahr („Ostern“ … und der Moment, wo die Feldfrüchte dringend raus müssen).

HEUTE gelten Ferien als absolut notwendige Erholungszeit für Kinder. Sie sollen endlich frei und entspannt über ihren Tag verfügen, tolle Dinge erleben, in die freie Natur kommen. Freie Zeit, ohne Beaufsichtigung von Erwachsenen. Damit sie sich entfalten.

Wie genau das Grundschul-Stadtkinder machen sollen, konnte mir noch niemand so richtig erklären..

Schule ist anstrengend (JA!) und das Lerntempo wird immer weiter und weiter angezogen. G8 und so. Und dann fallen auch noch Schulstunden aus, Lehrer werden schon mal krank (ja, wirklich, wegen dem insgesamt stressigen Job sogar häufiger). D. h.: weniger Zeit, mehr Stoff ins Kind. Und Pisa macht zusätzlichen Druck.

Nur so als Zwischenfrage: In der freien Wirtschaft würde man tatsächlich eher an den freienTagen drehen, um die Arbeitslast an den normalen Arbeitstagen zu senken – oder?

Aus Lehrer-Sicht sind 6 Wochen übrigens häufig ein Reset-Knopf: Denn nach den Ferien ist das Wissen des letzten Schuljahres in (großen) Teilen schlicht verschwunden. Dann fängt man mit der Klasse erneut an, zusätzlich zum vorhandenen Lehrplan und dem Stoff, der eigentlich dran wäre.

Wenn man interessehalber andere Eltern fragt, was sie denn so mit ihren Kindern machen, beispielsweise in den 6wöchigen Sommerferien, dann

  • bucht ein Teil Ferienlager und Ferienfreizeiten (nur für Gutverdiener, KEINE gemeinsame Zeit mit den Eltern)
  • legt ein Teil die Urlaubstage so, dass wenigstens ein Elternteil beim Kind ist, verbraucht damit aber alle Urlaubstage ohne richtigen Urlaub zu machen (keine GEMEINSAME Zeit mit den Eltern)
  • werden die Kinder wechselweise im sozialen Netz betreut (KEINE gemeinsame Zeit mit den Eltern; dafür viel Austausch mit anderen Kinder, Familienangehörigen)
  • ist ein Elternteil sowieso daheim und übernimmt die Betreuung ganz regulär (keine GEMEINSAME Zeit mit den Eltern)
  • ein Teil verpflichtet ältere Geschwisterkinder zum babysitten (KEINE gemeinsame Zeit mit den Eltern)
  • und ein Teil lässt die Kinder allein daheim – teilweise mit Ausgehverbot, teilweise dürfen die Kinder frei herumstreifen (KEINE gemeinsame Zeit mit den Eltern)
  • ein Teil nimmt die Kinder aber auch mit auf die Arbeit; beziehungsweise die Arbeit mit nach Hause (….. damit sind die Eltern de facto nicht wirklich anwesend und abrufbar für die Kinder, oder?)
  • ….

Die Zeiten, in denen Grundschulkinder frei herumstreifen konnten in der Nachbarschaft, sind … nun ja, nicht wirklich vorbei. Aber so richtig wohl fühlt man sich damit nicht mehr. Vor allem, wenn alle anderen Kinder in der Nachbarschaft nicht alleine raus dürfen … Und dann sind die Kinder irgendwann in der weiterführenden Schule (in Bayern: ~10 Jahre alt!) und sollen sich dann eben selbst versorgen können. Inklusive Essen und den Tag verbringen.

Was bleibt im schlimmsten Falle: Langeweile in den eigenen vier Wänden. Und Eltern, die sich um wenigstens etwas gemeinsame Zeit mit den Kindern kümmern. Die also in die künstlich verkürzte Arbeitswoche Erlebnisbespaßung für die Kinder packen. Oder die dann statt den eigenen zwei bis drei Kindern noch ein bis zwei weitere betreuen, weil das Sozialnetz das gerade erfordert.

Es gibt ganz bestimmt ganz viele Eltern, die das mit einem Lächeln stemmen. Aber mir begegnen eher die gestressten. Die, die das Ende der Ferien im Kalender dick markiert haben, weil das Vereinbarkeitsroulette dann erstmal wieder vorbei ist.

Kann man Ferien kürzen?

Naja – ja, natürlich kann man das. Entsprechende Gesetzesgrundlage ändern und fertig. Schon wären sie gekürzt.

Aber: Sollten wir das denn?

Beim derzeitigen Schulsystem eher … nicht, nein.

  1. Weil die Masse an Schulstoff eben doch eine längere Erholungszeit nötig macht.
  2. Und weil das Schulsystem selbst, mit seinen kurzfristig verpflichteten Lehrkräften und den immer neu aufzustellenden Stundenplänen gewisse Vorlaufzeiten braucht – insbesondere im Sommer.

Wege aus dem Ferien-Vereinbarkeitsroulette

In einer FB-Diskussion zu genau diesem Thema (gefordert wurde vehement die Erholungszeit der Kinder keinesfalls zu beschneiden!!!) fiel mir dazu folgendes ein:

  • Schule weniger stressig machen: Wenn die Schule der Ort ist, an dem Lernen leicht gelingt, an dem sich Schüler (und Lehrer!) gern aufhalten, dann sind lange Erholungszeiten (wie: 6 Wochen Sommerferien) nicht unbedingt notwendig. Und ja, hier bin ich hoffnungsloser Optimist. Ich finde definitiv, dass am Konzept Schule gearbeitet werden muss. Und es gibt schon längst freie und offene Konzepte, in denen Wissensvermittlung wesentlich besser gelingt als im klassischen Frontalunterricht. Fächerübergreifende Themenarbeiten sind ja schon länger auf „normalen“ Stundenplänen zu finden – aber da geht noch mehr. Noch viel mehr!
  • bezahlbare Ferienbetreuung mind. für Grundschulkinder fest etablieren: Mittagessen, ein sicherer Ort zum Spielen, Ferienfreizeiten mit Kosten von ~500 Dollar/Woche wie in den USA sind bei uns zwar zum Glück eher Utopie. Aber bei zwei Kindern und 2-3Wochen pro Jahr kommt trotzdem einiges zusammen. Geld, dass manche Familien nicht haben. Und auch nicht bekommen.
  • Urlaub für Eltern anpassen: Zumindest für Angestellte wären größere Urlaubskontingente hilfreich (ja, das ist ungerecht für gewollt/ungewollte Kinderlose  und Selbstständige- aber ehrlich, was soll man denn sonst machen?) Nun, das wäre immerhin auch eine Idee, oder? Zumal Eltern genauso geschlaucht und gestresst sind, wie ihre Kinder (Vereinbarkeit ist meistens kein Spaß).
  • flexible Arbeitszeitkonten, in denen im Lauf des Jahres Überstunden gesammelt und gezielt zu den Ferienzeiten abgerufen werden können (das gibt es bereits, aber es noch lange nicht selbstverständlich für alle nutzbar!) Das lässt sich allerdings nicht auf alle Berufe herunterbrechen. Und es erfordert ein hohes Maß an Solidarität von Kinderlosen bzw. denen, die gerade in den Ferienzeiten nicht zwangsläufig ebenfalls Urlaub bräuchten.

Und letztlich: Weniger ausgedehnte Ferien am Stück wären deutlich leichter zu stemmen. Für Eltern, für Kinder (die sonst von A nach B geschoben werden ODER sich permanent alleine beschäftigen müssten), für Arbeitgeber.

Utas zwei Cent dazu

Als Lehrerin finde ich die 6 Wochen im Sommer auch zu lang. Denn ehrlich gesagt vergessen die Kinder unglaublich viel in dieser Zeit. Bei manchen Dingen kann ich wieder bei 0 anfangen. Von daher wäre ich also dafür.

Andererseits sehe ich das ganze auch als Arbeitnehmerin. Und da frage ich mich, ob ich dann noch auf meine 30 Urlaubstage pro Jahr käme, wenn die Sommerferien gekürzt würden. Denn das sind die einzigen Ferien, in denen ich nicht korrigiere. Ich muss „nur“ das alte Schuljahr wegräumen und mich auf das nächste vorbereiten.

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7 Kommentare

  1. Wie sieht das denn in anderen Ländern aus? Manchmal braucht man ja das Rad nicht neu zu erfinden, sondern kann sich was abgucken…

    • Tja Kirsten,

      in anderne Ländern ist das recht unterschiedlich. Es gibt natürlich Länder mit weniger Ferien; aber genauso gut auch welche, in denen es noch etwas mehr ist. Österreich bspw. bringt es auf 9 Wochen im Sommer…

  2. Eva sagt

    Wart ihr schon mal 2 Wochen vor Ferienbeginn in einer Schule?? Die Kinder drehen durch, die haben richtiggehend Lagerkoller. Egal, wie toll die Schulen arbeiten, die Kinder brauchen eine Pause. Vor allem in der Pubertät. Ja, sie vergessen viel. Das tun sie aber auch beim Übergang von der Kita in die Schule und von der Grundschule in die weiterführende. Und gerade Stadtkinder, die sowieso in die OGS gehen, können die Hälfte der Ferien auch dorthin gehen. Und dort wird gespielt!!

    • Hmm.. weshalb oben in meinem Text ja auch eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten steht, wie dieses #vereinbarkeitsproblem gelöst werden könnte. Sicherlich brauchen Kinder (und Lehrer, und Eltern) Pausen. Ich stelle in Frage, ob es SECHS WOCHEN allein im Sommer und am Stück sein müssen.

      Und, ganz ehrlich: OGS ist kein Standard in Deutschland. Es gibt immer noch Regionen, in denen es schlicht keine schulische/staatliche Ferienbetreuung gibt. Es ist also so ein bisschen Glück, ob man in der richtigen Ecke von Deutschland wohnt..

  3. Magdalene sagt

    OGS löst auch nicht das Problem, dass dann eben die Schule die ersten 3 Wochen Ferienbetreuung bietet und der Kindergarten die letzten 3 Ferienwochen auf hat…

    Ich fände schon längere unterrichtsfreie Zeit OK, aber mit Anspruch auf Betreuung ähnlich dem für Kindergartenkinder. Aber das dann durchgehend und ohne Ferienpausen.

    • Nuja, das immerhin gibt es hier im Nachbarort. Die OGS überschneidet sich mit den 3 Wochen, die die KiTa im August noch offen hat. KiTa geht regulär bis 16:15 Uhr (ein Luxus!); OGS als Ferienbetreuung bis 14:30 Uhr …. und ist nicht per Schulbus etc. zu erreichen.

  4. Pingback: Gerne gelesen im Juni

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