Allgemein, gewaltfreie Kommunikation
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Gewaltfreie Kommunikation – Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte

Mein schönstes Geburtstagsgeschenk in diesem Jahr habe ich von meinem Mann bekommen. Er hat uns beide gemeinsam für einen Einführungskurs in die gewaltfreie Kommunikation angemeldet. Seit Mitte September lernen wir jeden Mittwochabend mehr über diese Art zu kommunizieren.

Bedürfnisse im Mittelpunkt

Die gewaltfreie Kommunikation wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt, einem amerikanischen Psychologen, der aus der Tradition der humanistischen Psychologie von Carl Rogers stammt. Bei der gewaltfreien Kommunikation geht es vor allem darum, die Beziehung zwischen den Menschen zu stärken und in Verbindung zu bleiben. Um das zu erreichen stellt die gewaltfreie Kommunikation die Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Da wir Menschen alle die gleichen Bedürfnisse haben (wenn auch nicht unbedingt zur gleichen Zeit), kann auf dieser Ebene eine Verbindung zustande kommen.

Gefühle

Zu unseren Bedürfnissen vorzudringen ist nicht immer leicht. Zum Glück helfen uns unsere Gefühle dabei, den Bedürfnissen auf die Spur zu kommen. Daher nennt die gewaltfreie Kommunikation die Gefühle auch die „Kinder“ der Bedürfnisse. Angenehme Gefühle deuten auf erfüllte Bedürfnisse, unangenehme Gefühle auf unerfüllte Bedürfnisse hin. Dabei ist es wichtig, dass das Verhalten, das ich mit meinen Gefühlen in Verbindung bringe, immer nur der Auslöser für meine Gefühle ist, nie deren Ursache. Die Verantwortung für meine Gefühle und Bedürfnisse liegt bei mir. Es geht also nie darum, jemand anderen schuldig zu sprechen.

Die vier Schritte

Um dies zu erreichen, läuft die gewaltfreie Kommunikation in vier Schritten ab.

  1. Beobachtung In der Beobachtung teile ich meinem Gegenüber mit, was ich konkret gehört oder gesehen habe, ohne dies zu beurteilen oder zu bewerten. Ich bleibe also ganz neutral.
  2. Gefühl Hier benenne ich das oder die Gefühle, die diese Beobachtung in mir auslösen. Dabei ist es wichtig, dass ich bei mir bleibe. Gefühle sind keine Schuldzuweisungen und daher ist z. B. „ausgenutzt“ kein Gefühl im Sinne der gewaltfreien Kommunikation.
  3. Bedürfnis Das Gefühl, das wir verspüren, weist uns auf ein zugrunde liegendes Bedürfnis hin. Dieses Bedürfnis ist entweder erfüllt oder nicht erfüllt und es ist die Ursache meines Gefühls.
  4. Bitte Der vierte Schritt in der gewaltfreien Kommunikation ist das Formulieren einer konkreten Bitte. Dies kann eine Handlungsbitte sin oder auch einfach eine Bitte um Rückmeldung darüber, was beim Anderen von meiner Aussage angekommen ist. Wichtig ist, dass Bitten auch immer abgelehnt werden können.

Ein Beispiel:

Wenn ich sehe, dass der Mülleimer übervoll ist, dann bin ich ärgerlich, weil mir Ordnung wichtig ist. Bist du bereit, den Mülleiner jetzt sofort rauszubringen?

Mit dieser Art zu kommunizieren stärke ich die Beziehung, weil ich mit meinem Gegenüber in Verbindung bleibe. Und wie anders klingt so ein Satz als der, den wir sonst oft formulieren:

Ich bin sauer, weil du wieder den Müll nicht rausgebracht hast. Geh jetzt sofort und mach das!

Das ist trennende Sprache, weil hier gleich Schuld verteilt wird und der andere für meine Gefühle verantwortlich gemacht wird. Das will ich nicht mehr und daher übe ich mich in gewaltfreier Kommunikation, weil mir die Verbindung zu meiner Familie und meinen Mitmenschen wichtig ist. Einfach ist das nicht. Denn meine alten Kommunikationsmuster sitzen tief. Aber ich bin entschlossen, weiter zu üben und den Weg der gewaltfreien Kommunikation zu gehen, denn ich empfinde sie als wichtige Hilfe im bedürfnisorientierten Umgang miteinander. Von Zeit zu Zeit werde ich über meine Erfahrungen berichten. Auch über eure Erfahrungen würde ich mich freuen.

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