Wenn die Familienpolitik mit Bloggern spricht…

… dann kommen spannende Einsichten zusammen. Und Ideen, wie man künftig in größerer Runde Eltern jenseits der üblichen (politischen) Pfade erreichen könnte. Das Land NRW bat Anfang dieser Woche mehrere ausgewählte Blogger rund um das Gebiet Eltern, Vereinbarkeit und Familie an einen (virtuellen) Tisch, um das Thema „Väter“ zu besprechen.

Die Familienministerin war anwesend, genauso wie Janni Orfanidis (ichbindeinvater.de), Hans-Georg Nelles (vaeterblog.de), Robert Franken, Andreas Lorenz (papa-online.com), Familie Wallow (familymag.net), Melanie Olbrich, Petra Hamacher (allerlei-themen.de), Katharina Weides (sonea-sonnenschein.de). Teils live vor Ort im Ministerium, teils per Google Hangout von daheim aus dazugeschalten.

Die Fragestellung?

Wie ist das mit den Vätern und der Vereinbarkeit?

Welche Rahmenbedingungen brauchen Eltern, um mehr Zeit als Familie verbringen zu können?

Wie erreicht man Väter und welche Informationsangebote braucht es dafür?

Was das Land NRW schon macht ….

Eine Kampagne gibt es schon, um Väter zu erreichen. Unter „Vater ist, was du draus machst“ gibt es ein komplettes Portal mit ziemlich vielen Informationen. (Und ich frage mich: Welches Land hat denn ähnliches zu bieten, was kennt ihr da noch so?).

Trotzdem bleiben nach näheren Untersuchungen die Frauen diejenigen, die mit der Vereinbarkeit am meisten zu kämpfen haben. Oder, die damit einfach sichtbarer sind. In NRW und anderswo.

… was können wir Blogger machen?

Die Detaildiskussionen wiederhole ich hier jetzt nicht – das waren intensive 2 Stunden mit Diskussionen und Ideen. Aber es haben sich einige Ideen herauskristallisiert, die wir als Familienblogger genauer anschauen können:

  1. Sichtbarkeit für Väter-Themen schaffen
    Note: Es gibt ca. 2.000 aktive „Momblogs“ und ca. 50-60 aktive „Dadblogs“(ja, wirklich!)
  2. Sichtbarkeit für engagierte Väter schaffen
    Note: Ja, wirklich. Eben NICHT die „neuen Väter“, die einmal in der Woche das Kind aus der KiTa abholen.
    Sondern die, die echte Vereinbarkeit leisten. Die, die Care-Arbeit leisten. Die, die ihre Arbeitszeit reduzieren, mit Karriereeinbrüchen und finanziellen Einbußen zurecht kommen müssen (genau wie wir Frauen!). Die, die sich für bessere Kinderbetreuung einsetzen und Angebote, die auf Eltern (anstatt: Mütter) zugeschnitten sind.
  3. Netzwerke bilden und Themen wie die Vereinbarkeit (weiter) präsent halten

Besonders gut gefallen hat mir der Ausdruck der „emotionalen Vehemenz“, der ganz zum Schluss aufkam. Gemeint ist:

A) Welches Bild will die Familienpolitik (in NRW und allgemein) von der Familie zeichnen? Das Land NRW kann hier ansetzen – mit seinen Werbemitteln, mit Informationsmaterialien und Impulsen, wie vielfältig Familie sein kann. Es gibt zumindest die Möglichkeit, dem überzeichneten Werbebild der perfekten Hausfrau und Mutter vs. dem hart arbeitenden Vater etwas realeres entgegenzusetzen.

B) Wir (als Teil der Gesellschaft, als diejenigen, die gelesen werden, deren Themen geteilt werden und die wir ganz, ganz dicht dran sind am Alltäglichen) – wir sollen uns gut überlegen, welches Bild der Gesellschaft wir zeichnen. Und welches Bild wir gerne zeichnen wollen. Wie die Gesellschaft aussehen soll. Welche Themen unseren Alltag bestimmen sollen.

… was können wir als Eltern machen?

Ich hatte vor dem Termin spontan herumgefragt, wie sich Väter eigentlich informieren. Ich bin eine Frau (und nerdig medienaffin), von daher: ich musste fragen. Und die Antworten? Beliefen sich überwiegend auf:

  • einfach machen
  • Kollegen und Freunde (die bereits Väter sind) fragen, wie die das machen
  • offizielle Stellen (Ministerien, Gesetzestexte…) angucken
  • sich von der Partnerin informieren lassen

Puh. Da ist noch Luft nach oben, oder? Weil: Vereinbarkeit funktioniert, wenn beide an einem Strang ziehen – und anhand von Vorbildern. Wenn ANDERE ihre Arbeitszeiten reduzieren, um gemeinsam die Kinderbetreuung besser aufteilen zu können – das muss man meistens erstmal sehen, erleben, erfahren. Es ist schwer, als EinzigeR mit dem Thema zum Chef zu gehen. Aber einfacher, wenn es bereits erlebt wurde.

Sabrina
Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann & zwei Kindern in enger Gemeinschaft. Feministisch, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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