Was wir aus der Coronakrise lernen können

Ich weiß, wir stecken noch mitten in der Krise. Da kann man noch gar nicht endgültig wissen, wo das hinführen wird. Aber dennoch gibt es bereits jetzt einige Dinge, die auffallen und aus denen wir lernen können.

Lehren aus der Corona-Krise

Eine unvollständige Liste

  • Familien haben keine Lobby. Das ist wohl der Punkt, der mir im Moment am meisten auffällt. Denn gefühlt wird im Moment allen geholfen. Der Lufthansa, der Autoindustrie, sogar Pflegekräfte bekommen einen Bonus. Aber die Familien werden mit warmen Worten à la „wir müssen alle Opfer bringen“ abgespeist. Und wenn Frauen* laut werden und auf die Missstände aufmerksam machen, werden sie niedergemacht.
  • Es braucht ein Dorf. Ja, das wussten wir schon vorher, aber gerade jetzt in dieser Krise, wo die Unterstützungsstrukturen für Familien aka Schulen und Kitas, Vereine und Jugendzentren wegfallen, da merken wir erst richtig, wie dringend wir Familien diese Unterstützung brauchen. Ebenso wie Ältere oder Alleinstehende die Gemeinschaft brauchen, um gesund zu bleiben.
  • Digitaler Unterricht muss dringend vorangebracht werden. Denn so schnell werden wir nicht wieder Schule machen wie bisher. Hoffentlich nicht. Also sollte dringend in die digitale Infrastruktur der Schulen investiert werden, aber auch in den Breitband-Ausbau für Privatleute, damit die Schüler*innen auch von zu Hause aus gut am Online-Unterricht teilnehmen können. Außerdem müssen Schüler*innen und Lehrer*innen geschult werden, mit der Technik sinnvoll umzugehen. Das könnten wir doch auch noch vor den Sommerferien hinbekommen. Und ein guter Internetanschluss samt notwendiger Technik sollte anerkannter Mehrbedarf für Familien mit Sozialhilfbezug sein.
  • Kleinere Klassen schützen die Gesundheit. Außerdem haben sie den angenehmen Nebeneffekt, dass Lernen effizienter und individueller passieren könnte, Dinge, die in der pädagogischen Praxis bereits lange bekannt sind, aber eben Kosten verursachen.
  • Ein anderes Arbeiten ist möglich. In vielen Firmen, in denen es früher hieß, „Homeoffice geht gar nicht.“ hat sich mittlerweile gezeigt, dass es eben doch möglich ist. Offensichtig ist es doch nicht so wichtig, möglichst viel Zeit im Büro zu verbringen. Mehr Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen wird schon lange gefordert. Jetzt sehen wir, das das auch funktioniert – selbst unter denkbar schlechten Bedingungen. Was wäre bloß, wenn das alle freiwillig, gern und mit der richtigen Ausstattung angingen? Wie viel produktiver wären wir – ohne dabei Privatleben und Familie zu vernachlässigen?
  • Online-Meetings können viel erleichtern. So sind sie z. B. ein gutes Mittel, um dezentrales Arbeiten zu unterstützen. Online-Unterricht per Videochat bringt durchaus einiges an Lernzuwachs und ist mit Sicherheit eine bessere Alternative als haufenweise E-Mails oder Arbeitsblätter zum Download.
    Außerdem sparen Online-Meetings Zeit und Ressourcen, weil mensch eben nicht ins Büro fahren muss. Das schont auch noch die Umwelt.
  • Häusliche Gewalt ist viel zu lange nicht beachtet worden. In der Krise werden Zustände offenbar, die auch vorher schon vorhanden waren. Gewalt in der Partnerschaft und Gewalt gegen Kinder sind Themen, die dringend stärker in den Fokus rücken müssen. Wenn die Coronakrise dazu beitragen würde, dass hier endlich etwas passiert, dann wäre das gut.
  • Carearbeit bekommt zu wenig Anerkennung. Ob das in der Familie ist, im Krankenhaus oder Pflegeheim, in Kitas oder der sozialen Arbeit, überall hier wird wichtige, neudeutsch „systemrelevante“ Arbeit geleistet. Aber gleichzeitig wird diese Arbeit schlecht bis gar nicht bezahlt. Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden. Die Menschen, die Carearbeit leisten müssen dafür auch angemessen entlohnt werden und nicht mit warmen Worten sondern mit Geld. Von Klatschen und Sharepics werden keine Mieten bezahlt, nirgendwo!
  • Fleischindustrie ist nicht nur für Tiere lebensgefährlich. Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie erinnern an moderne Sklaverei. Hier muss sich dringend etwas ändern.

Dies sind Dinge, die mir aufgefallen sind. Wenn du noch Ergänzungen hast, dann kommentiere gerne.

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

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