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Warum uns „ganz oder gar nicht“ nicht weiterbringt

Wenn ich etwas nicht richtig machen kann, dann mache ich es lieber gar nicht.

Diese oder ähnliche Aussagen habe ich schon oft gehört, wenn es darum geht, dass Dinge erledigt werden müssen, für die man länger als ein paar Minuten braucht.

Beispiel gefällig?

Zum Beispiel den Kleiderschrank vom Kind ausmisten. Denn dafür muss ich

  • zunächst alles rausräumen und
  • dabei aussortieren, was noch passt und was nicht mehr.
  • Dann putze ich einmal die Fächer aus und
  • räume dann alles was passt ordentlich wieder ein.
  • Außerdem mache ich dann noch eine Liste, was ich noch besorgen muss, weil es nicht mehr in ausreichender Anzahl vorhanden ist.
  • Und dann muss ich noch die aussortierten Sachen versorgen (Flohmarkt, Kleiderkammer oder gleich Container?).

Das alles kostet Zeit, von der wir als berufstätige Eltern nicht unbedingt viel haben. Außerdem gibt es da ja noch die 537.829 anderen Aufgaben, die anstehen.

Ganz oder gar nicht

Wenn ich mit dieser Ganz-oder-gar-nicht-Einstellung an diese Aufgaben herangehe, dann passieren meistens einige oder gleich mehrere der folgenden Dinge:

  • Ich schiebe sie so lange vor mir her bis das Kind nichts passendes mehr zum Anziehen hat
  • Ich schaufele mir irgendwie Zeit frei, in der ich das alles erledige und bin dann extrem schlecht gelaunt, weil ja doch wieder etwas dazwischen kommt.
  • Ich erledige die Aufgabe eben gar nicht.

Stress pur!

Auf jeden Fall stresst es mich, diese Aufgabe nicht erledigt zu haben, denn sie kommt oben auf meinen ganzen mentalen Ballast mit drauf. Und sie wird halt in der Regel nicht erledigt. Und bleibt dann auch genauso liegen.

Ganz-oder-gar-nicht hilft mir also nicht weiter und ich bin mir sicher, dass es vielen von euch genauso geht. Denn dieser Anspruch ist einfach zu hoch. Ich habe meist nicht genug Zeit, so eine umfangreiche Aufgabe am Stück zu erledigen.

Was hilft?

Aufteilen. Ich fange mit solchen Aufgaben dann einfach mal an. Zum Beispiel sortiere ich beim Wäsche wegräumen mal die Sockenschublade durch und gucke nach, ob das Kind neue Socken braucht. Oder ich nehme mir nur ein Brett im Schrank vor und räume das auf. Und so arbeite ich mich Schritt für Schritt durch die Aufgabe durch, bis sie erledigt ist, zumindest das Wichtigste davon.

Ich kenne Menschen, die sind extrem genervt davon, dass ich viele Aufgaben in solchen Zwischenstadien habe, weil ich eben gerne einen Teil schon erledige und der Rest dann irgendwann noch gemacht werden muss.

Das sind dann aber auch meistens Menschen, die viele Aufgaben gar nicht erledigen, weil sie nie die Zeit dafür finden, sie komplett auszuführen. Und weil sie es „ganz oder gar nicht“ machen wollen, tun sie es dann im Endeffekt gar nicht.

Tschüss Perfektionismus – hallo Realität

Die Realität ist, dass ich in 20% der Zeit 80% der Aufgabe erledigen kann und dann aber noch unendlich lange für die restlichen 20% benötige, damit die Aufgabe perfekt erledigt ist. Wenn ich dann noch den Anspruch habe, Dinge immer komplett, also zu 100% am Stück erledigen zu wollen, dann wird die Hürde für den Start so hoch, dass ich oft gar nicht erst anfange.

Daher verabschiede ich mich von der Perfektion und fange einfach an. Und siehe da, damit bekomme ich mehr erledigt als meine perfektionistische Freundin, die die Aufgabe gar nicht erst beginnt, weil sie sie ja nicht „gescheit“ erledigen kann.

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