Manchmal ist „besser machen“ einfach nicht drin.

Ein Plädoyer für „gut genug“.

Nicht perfekt, aber fast

Wir sind alle nicht perfekt. Aber seien wir ehrlich: Wir streben in der einen oder anderne Form trotzdem danach. Danach, möglichst gut Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Wir arbeiten stetig an unserer Kommunikation, um noch besser auf unsere Kinder eingehen zu können. Wir optimieren Zeitabläufe und Rahmenbedingungen, um im Job und drumherum besser zu werden. Wir arbeiten an uns. Jederzeit.

Und manchmal klappen wir auch zusammen.

Eine meiner Lieblingsbands singt

Ich weiß, der Lärm des Lebens ist zuviel für Dich …

Und ja, manchmal wird alles zuviel. Das Streben nach stetiger Verbesserung. Die permanenten Ansprüche die gestellt und Bedürfnisse, die erfüllt werden sollen. Keine Ahnung, wie es euch geht – aber vor Weihnachten scheint es sich zu steigern. Jahreabschluss, letzte Deadlines, Steuererklärung für die ganz späten (wie mich). Kranke Kinder, schlechtes Wetter. Und dann die Zusatztermine: Nikolausumzug, Weihnachtsfeiern, gemütliche Abende mit Freunden. Plätzchen backen & Adventsbasteln. Alles freiwillig und doch irgendwie unter Zwang. Schließlich sollen die Kinder auf den KiTa-Veranstaltungen auftreten, mitsingen – und die anderen, die basteln doch auch alle?!

Was ich nicht darf, ist mir die „heile Welt“ Beschreibungen anderer Menschen angucken. Mit Weichzeichner retuschierte Bilder, die vor Kinderlachen und Kerzenschein leuchten – das ist nicht meine Familie und nicht meine Situation. Es niemals und nicht vergleichen, was andere Familien tun oder lassen – mit meiner eigenen Situation, meiner eigenen Familienkonstellation.

Alles eine Frage der Organisation?!

Ja, natürlich ist es grundsätzlich eine Frage der Organisation. Mit funktionsfähigem Netz kann ich auffangen, dass der Kindergarten 3x hintereinander freitags früher schließt, weil immer irgend eine wichtige Veranstaltung ansteht. Ich kann Plätzchen kaufen und die Großeltern mit den Kinder basteln lassen oder die Steuererklärung ordnungsgemäß im Sommer abhaken. Das kann ich alles machen. Mache ich aber nicht – ich bin nämlich der „Last Minute“ Typ.

Also bleibt mir nur das anzunehmen, dass sich vor Weihnachten alles stapelt. Und ich kann das „gut genug“ Prinzip annehmen.

„Gut genug“ Prinzip: Ideologien über Bord werfen

Ab und an werden wir unseren hehren Erwartungen selbst nicht gerecht. Da rennen die Kinder mit der hübschen Deko durch die Gegend, verschmieren die Fenster, malen auch mit 6 Jahren noch wüste Strichlandschaften oder sprechen undeutlich. Beim gemeinsamen Plätzchenbacken verlässt uns die Geduld und auch beim Aufräumen stehen wir alleine da, dem freundlichen „Vorleben“ zum Trotz. Der ewige Kampf im Job um gleiche Bedingungen zermürbt, Gespräche darüber nerven nur, statt freundlich-aber-bestimmt geführt zu werden.

Gerade vor Weihnachten und jedem anderen Festtag ist der Alltag voller Erwartungen, wie es zu laufen hat: friedliches Singen am Adventskranz? Kinder, die glücklich ein winziges Stück Schokolade aus der selbstverständlich selbstgeklöppelten Adventssocke teilen? Entspannte Eltern, die besinnliche gemeinsame Zeit genießen, weil die Kinder bereits um 7 schlafen?

Schöne Erwartungen, die aber nicht immer zu erfüllen sind. Und nicht immer und bei jedem tief aus dem Herzen kommen. Vielleicht ist es Wunsch, vielleicht ist es Bedürfnis, bestimmte Zeiten im Jahr auf eine bestimmte Art zu zelebrieren. Vielleicht ist es aber auch nur Druck von außen, der uns durch Werbung, Fotostrecken und Hochglanztexte in bestimmte Erwartungshaltungen presst.

Meine persönlichen „gut genug“ Prinzipien für Dezember:

Manchmal besteht der Adventssonntag aus genervten Kindern, gekauften Plätzchen und fernsehen.

Gut genug: Wir sind zusammen, wir haben zu essen.

Manchmal gibt es Tütenfutter und die Lieblings-DVD hoch und runter.

Gut genug: Wir sind zusammen, wir haben zu essen.

Manchmal stapelt sich die Wäsche und es gibt keine zusammen passenden Socken im Schrank.

Gut genug: Wir haben Kleidung – so viel, das wir sie manchmal auch rumliegen lassen, ohne das wir nackt bleiben müssten.

Manchmal kommt der Winter schneller als die neuen Ski-Hosen für die Kinder.

Gut genug: Wir haben die Wahl, dann bleiben wir drinnen.

Manchmal ist es ok, wenn alle jederzeit vom Fußboden essen könnten – weil sich dort immer entsprechendes findet.

Gut genug: Wir sind zusammen, wir haben zu essen.

Manchmal ist selbst der Ausflug in den Schnee eine Last, die keiner der anwesenden Erwachsenen tragen möchte.

Gut genug: Kinder allein in den Garten schicken tut es auch. Ich muss nicht mit strahlendem Lächeln daneben stehen oder durch das kalte Nass toben.

Manchmal steht die Arbeit über dem nächsten Buch vorlesen, über dem Couch kuscheln oder Kerze anzünden.

Gut genug: Zu anderen Zeiten im Jahr geht das problemlos. Keiner wird sterben, wenn der Grüffelo nicht zum drölfzigsten Male sofort vorgelesen wird.


Was sind eure „gut genug“ Prinzipien für diese Jahreszeit?

Familienorganisation: gemeinsame Kalender

Wie organisiert Ihr euch so, im Alltag? Den Überblick behalten über Arzttermine & Förderung, Sportevents, die nächste Dienstreise, Spielverabredungen, Klassenfahrten … schon mit drei Familienmitgliedern kommt da einiges zusammen. Je mehr Mitglieder in der Familie, je mehr Aktivitäten – desto mehr Aufwand für den, der sich vorrangig um die Termine kümmert. Wenn dann noch Teenies und Schulkinder kommen und gehen, dann kann auch der Überblick verloren gehen.

Eine Lösung: Familienkalender

Alter Hut, oder? Gemeinsame Kalender für die Familienorganisation hat doch jeder?

Ja. Nein. Also, nicht so ganz. Wir hatten relativ lange jeder seinen eigenen Kalender (digital) plus eine „irgendwie so“ Zettelwirtschaft für gemeinsame beziehungsweise Kindertermine. Um die Familienzeit zu organisieren, macht eine zentrale Lösung allerdings mehr Sinn. Dann geht nichts verloren. Kein Termin verschwindet.

Traditionell: Papier-Kalender im Familienformat

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Familienkalender, fünfköpfige Familie, 2 erwerbstätige Eltern

Es gibt sie in bunt, mit mindestens 3-4 Spalten: Familienkalender. Im Idealfall hat jedes Familienmitglied eine Spalte für sich allein – damit alle Termine Platz haben. Plus: Eine Spalte extra für gemeinsame Veranstaltungen und/oder Notizen sollten dabei sein. Möglichst große Spalten lassen Platz für Notizen, Hinweise & was sonst noch für den Termin notiert werden sollte.

Selber basteln ist eine Alternative, wenn vorhandene Kalenderlösungen nicht so richtig passen.

Wichtig

  1. Jeder muss seine Termine eintragen (lassen)
  2. Verschiedene Farben erleichtern die Orientierung (rot = wichtig, gelb = Geburtstage usw. usf.)
  3. Zuständigkeiten am besten auch notieren (mit notieren, oder mehrere Spalten markieren)*

*gemeint ist: Fahrdienste oder Abholservice, der mit organisiert werden soll/muss

Alternativ: digitale geteilte Kalender

Wer sich überwiegend digital organisiert, greift wahrscheinlich zu geteilten elektronischen Kalendern. Über Handy/Tablet sind alle Termine griffbereit. Bedeutet aber auch: Termine der Kinder landen automatisch bei den Elternteilen. Meistens bei einem. Meistens beim immergleichen.

Wichtig

  • Mehr Details können hinterlegt werden (Wegbeschreibungen, Adressen, Listen …)
  • Beteiligte Personen können per Mail eingeladen werden – dann haben alle die Termine im digitalen Kalender hinterlegt
  • Hilft gar nichts, wenn beteiligte Personen keine digitalen Kalender benutzen

 Für beide Arten der Organisation gilt: Absprachen helfen

Meint: klare Zuordnung der Zuständigkeiten.Bei größeren Kindern kann bei Neueinführung durchaus eine Familienkonferenz helfen, künftig das Familienleben über klare Terminkalender zu organisieren.

  1. Wer ist für das Eintragen der Termine zuständig (jeder selbst/nur einer?)
  2. Welche Details pro Termin sind absolutes Minimum (Uhrzeit, Ort, beteiligte Personen, Rückkehr….)?
  3. Welche Farben/Symbole werden von allen (!) verwendet?

Aber vorsicht: In der Terminübersicht haben Aufgaben nichts verloren. Sonst ist der ganze Plan überfrachtet und der Überblick geht – flöten. Dafür gibt es andere Möglichkeiten, um Aufgaben übersichtlich für alle zu halten.


 

Welche Erfahrungen habt ihr mit Kalendern gemacht? Nutzt ihr welche – und wenn ja, digital oder in Papierfassung?

Mama, warum musst du zu deinem blöden Job?

Nach den Ferien ist alles neu. Als würde mein Kind nicht schon seit nun 4 Jahren in der Kita betreut – sie hinterfragt nach 3 Wochen Ferien die Notwendigkeit der außerhäusigen Betreuung. Als ob es was ganz neues wäre. Wie jedes Jahr. Wie nach allen Ferien.

Also stellt sich morgens um 07:30 Uhr die gefürchtete Frage: „Mama, warum musst du zu deinem blöden Job?“ und meint: Warum muss ich dafür in den Kindergarten?

Ja, warum eigentlich?

Weil mein Job nicht blöd ist und ich ihn gern mache;

Weil der Job vom Gatten und mir uns das Geld für Essen, das Dach überm Kopf und eine Menge „Luxus“ bietet (und auf nichts davon will ich verzichten!!);

Weil nicht-arbeiten mal so richtig blöd wäre;

Weil ich nach 3 Wochen Doppel-Kleinkind-Feiertags“ferien“ wirklich kaputt und am Ende bin – und mich nach meiner Arbeit sehne! Und dem stillen Büro. Und dem selbstbestimmten Arbeitsrhythmus ohne „Mama, kannst du mal….?!“ Fragen.

Und was sage ich dem Kind (5.J.)? 

Mäuschen, ich will arbeiten. Wir brauchen das Geld um Essen zu kaufen und unser Leben zu bezahlen. Ohne geht es nicht, also gehe ich arbeiten – und du in den Kindergarten.

Diskussion beendet. Nach 20 Wiederholungen. Puh. Bis zu den Osterferien dann!

Ich könnt dich gerade … wenn die Sicherung durchbrennt

Der Tag begann eigentlich am Abend vorher: zu spät heim gekommen. Weder Abwasch noch Wäsche wie durch Zauberhand erledigt – sondern immer noch in der Warteschleife. Plus das Gepäck und die Wäsche nach einem Familienwochenende samt vereinsinterner Fortbildung. Nach dem anstrengenden (schönen) Wochenende dann Montag morgen, Alltag. Unordnung überall, Kinder müde und wenig kooperationsbereit. Weniger als 6 Stunden Schlaf habe ich auch schon mal besser vertragen, der Gatte auch.

Druck erzeugt Gegendruck erzeugt Frust erzeugt Druck. Soll ich noch erwähnen, dass neben Vereinsaufgaben auch der normale berufliche Alltag laut pochend auf dem Plan steht?

Mit mehr Druck als gut war, das größere Kind zum Anziehen überredet. Dabei „Ich höre nicht auf dich, nur auf Papa!“ zu hören bekommen. Zwei Minuten später wollte besagtes Kind vorgelesen bekommen. Ihr wisst schon: Druck, Gegendruck, Frust….. ich verweigerte die Vorleseleistung. Pochte auf frische Kleidung, gekämmte Haare, angezogene Schuhe, pünktliches Eintreffen im Kindergarten. Verzweiflung beim größeren Kind. Der Papa konnte retten. Und fuhr mit Tochterkind beinahe pünktlich in Richtung Kindergarten.

Moment, hier sind morgens ja zwei Kinder zu versorgen. Der Kleinste spielte seelenruhig mit liegen gebliebenem Kram auf dem Boden. Anziehen? Zur Krippe laufen? Pünktlich ankommen? Interessiert ihn – nicht. Natürlich nicht. Druck erzeugt Gegendruck erzeugt Frust … der Jüngste ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Bitten, betteln, die verhasste Erpressung – kein Erfolg. Die Nerven nur Schall und Rauch. Plötzlich öffnet sich mein Mund und spuckt ein „Muss ich dich holen kommen?! Das muss hier morgens funktionieren! Spielen kannst du später“ aus. Ihh. Tatsächlich half in dem Moment nur Kind greifen – auf die Couch packen samt Festhalten – blitzschnell anziehen.

In AP-Kreisen ein Nogo. Gewalt am Kind. Und schon beim Umsetzen blitzen die ersten Gewissensbisse. Hätte ich nicht doch mehr Geduld aufbringen müssen…?! Mit Blick auf die Uhr: Nein, Geduld ist aus. Dafür verlassen mich klare, feste Ansagen. Der jüngste hat das mit Druck, Gegendruck und Frust wohl besser verstanden – denn plötzlich läuft alles wie am Schnürchen.  Jacke, Mütze, Schuhe, Kuscheltier, Auto, anschnallen, Krippe – tschüss sagen und in den Gruppenraum laufen. Ganz verblüfft stehe ich kurz nach halb neun im Kindergarten: Kinder pünktlich abgeliefert. Zurück zum Schreibtisch und ran an die Aufgaben.

Und mein schlechtes Gewissen?

Ist zu Recht da.

Gewalt am Kind hat viele Formen. Respektvolles Miteinander und vertrauenswürdige Beziehungen vertragen sich nur schlecht mit zwangsweisem Anziehen, Festhalten oder rüdem Zurechtweisen.

Die Einschränkung bleibt: Ich darf auch mal explodieren, laut werden, blöde Sachen sagen. Auch gute Normale Mütter haben schlechte Tage. Und an schlechten Tagen rutschen uns Sachen durch, die wir sonst vermeiden. Wie festhalten, respektloses Zeugs sagen, laut werden, erpressen, bestrafen. Wichtig – für mich, gegen mein schlechtes Gewissen – ist es, meinen Kindern klar zu machen, dass ich doch ab und an Druck habe – und nicht dagegen ankomme. Es besser weiß – und doch falsch mache. Mich entschuldige, wenn ich wieder durchatmen kann.

Und beim nächsten Mal …

… prüfe ich, ob ich nicht gleich den Montag nach einem vollen Wochenende frei nehme. Damit wir alle daheim ankommen, Unordnung und Wäsche beseitigt werden. Damit wir entspannt in die Woche starten – am Dienstag.

… greife ich auf meinen Beitrag zum Unwort: Müssen zurück. Und überlege, ob ich wirklich *muss*.

… hole ich mir Unterstützung.

Oder komme auch einfach zu spät.