Wahlfreiheit für alle!

Wir waren am 23. November im Landtag von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf und haben als Sachverständige an der Enquête-Kommission zur Familienpolitik teilgenommen. Das Thema der Anhörung war „Glück und Zufriedenheit von Familien“. Das war eine sehr spannende Erfahrung und es hat geholfen, dass wir unsere Position zum Thema Wahlfreiheit für alle noch einmal klarer formulieren konnten.

Was bedeutet Wahlfreiheit für uns?

Wir wünschen uns echte Wahlfreiheit für alle Menschen, aber natürlich besonders für alle Mütter und Väter. Das bedeutet, dass jedeR unabhängig von finanziellen Zwängen frei entscheiden kann, wie er/sie leben möchte. Welche Aufteilung der Aufgaben in einer Familie (Erwerbsarbeit, Haushalt, Kinderbetreuung, Freizeit) für die jeweilige Familie passt, können nur deren Mitglieder selber entscheiden.

Warum Wahlfreiheit?

Wenn ich frei bin, über mein Leben selber zu bestimmen, dann wird dadurch mein Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit erfülllt. Etwas bewirken zu können ist wesentlich, damit ich im Leben Glück und Zufriedenheit erlangen kann. Wir alle kennen das Gegenteil von Selbstwirksamkeit, die Ohnmacht, nicht selber entscheiden zu können, weil es vielleicht nur eine einzige Kinderbetreuung in der Nähe gibt, die aber nicht meinen Vorstellungen entspricht. Oder weil ich auf der Schule unserer Wahl keinen Platz bekomme.

Erfüllte Bedürfnisse führen zu Glück und Zufriedenheit, nur ist die Strategie, wie ich meine Bedürfnisse erfüllen kann, individuell verschieden. Daher ist Wahlfreiheit wichtig, weil nicht nur ein Lebensmodell die Bedürfnisse aller Menschen automatisch erfüllt. Ich z. B. gehe sehr gerne arbeiten und könnte mir ein Leben als Hausfrau nicht vorstellen. Das bedeutet aber  nicht, dass ein Leben als Hausfrau nicht auch erfüllend sein kann. Nur für mich halt nicht.2015-11-21 12.42.13

Wie kann man Wahlfreiheit realisieren?

Um Wahlfreiheit für alle zu ermöglichen, sind einige Bedingungen erforderlich.

Zum einen muss die gesellschaftliche Vorstellung von Geschlechterrollen deutlich hinterfragt werden. Es ist heute immer noch so, dass Väter, die sich im Haushalt engagieren, dafür unverhältnismäßig viel Lob bekommen. Es wird geradezu als ein Wunder angesehen, dass sie in der Lage sind, sich um die Wäsche zu kümmern, während es bei Frauen als völllig selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass sie das kann und tut.

Auch ist es im Beruf gut angesehen, wenn der Mann sich auch als Familienmensch zeigt. Das Foto der Kinder auf dem Schreibtisch wirkt positiv, wohingegen das gleiche Bild bei einer Frau signalisiert, dass diese sich nicht gut auf die Arbeit konzentrieren könne.

Hier muss in den Köpfen noch viel passieren. Anreize hierfür könnte z. B. durch eine klare Stärkung der Rolle der Väter für die Familie gesetzt werden. Wenn allein mal deutlich ausgesprochen würde, dass eigentlich in Deutschland Väter und Mütter je 7 Monate zu Hause bleiben können, damit das Elterngeld in voller Höhe ausgezahlt wird und das Gerede von den „zwei Vätermonaten“ unterbliebe, dann könnte sich schon etwas in den Köpfen bewegen.

IMG_20151123_102116Auch bei den Arbeitszeitmodellen muss sich etwas verändern. Vor allem was die Flexibilität angeht, ob es sich hier um die von uns schon oft angesprochende Präsenzkultur oder aber um die Entzerrung der sogenannten „Rushhour des Lebens“ geht. Hier gibt es schon viele gute Ansätze. Lebensarbeitszeitkonten, vollzeitnahe Teilzeit auch für Väter, das schwedische Modell des 6-Stunden-Tages oder die in den Niederlanden übliche 4-Tage-Woche. Alle diese Modelle bieten mehr Flexibilität und geben Familien damit mehr Spielräume.

Wir brauchen aber vor allem auch eine qualitativ hochwertige und flexible Kinderbetreuung für Kinder bis 14 Jahren. Hier ist ebenfall Vielfalt wichtig, denn auch hier sollten die Bedürfnisse der Kinder nach einer guten Bindung und die Bedürfnisse der Eltern nach flexiblen Betreuungszeiten im Mittelpunkt stehen. Außerdem bietet Vielfalt hier mehr Wahlfreiheit. Denn der einen Familie ist eine familienähnliche Betreuung, wie sie z. B. Tageseltern bieten wichtiger, der anderen vielleicht eher die zweisprachige Kita.

Und wer soll das bezahlen?

Das alles kostet Geld, das ist uns auch klar. Wahlfreiheit bekommt man nicht einfach geschenkt. Und daher setzen wir uns für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ein, denn damit kann jedeR freier entscheiden, wie er/sie das Leben gestalten will.

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

2 Gedanken zu „Wahlfreiheit für alle!“

  1. Schön der Artikel,aber eine riesige Gruppe fehlt:Menschen mit Handicaps.
    Viele vob Ihnen verrichten monotone Arbeit in Werkstätten unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns.
    Sie bekommen oft weniger als einene € Pro Stunde.
    Die Öffentlichkeit fuer das Grundrecht auf einene Arbeitsplatz der den Fähigkeiten entspricht , ist noch viel zu wenig vorhanden Stellt euch bitte mit hinter die Forderungen nach Mindestlohn in den Werkstaetten, Betriebsvertretungen mit dem Status eines Betriebsrates, Oeffnung des ersten Arbeitsmarktes.

    1. Du hast recht. In diesem Bereich muss noch viel geschehen. Er kommt im Blogpost nicht vor, weil wir uns mit dem Thema nicht auskennen. Aber danke für den Hinweis.

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