Achtsamkeit, Begriffe
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Unwort: Müssen

„Ich muss mal eben …“

„Warte, ich muss erst noch … “

„Komm, wir müssen …“

„Nicht jetzt! Papa muss erst …“

„Ich komme gleich. Ich muss die Präsentation noch …“

Kennt ihr diese Satzkonstellationen aus dem Familien- und Berufsalltag? Gerade wenn der Alltag strikt getaktet ist und alle auf gute Zusammenarbeit angewiesen sind? Dann tauchen genau diese Sätze auf. Das „müssen“ ist ganz vorn dabei. Jedenfalls in unserer Familie. Wir müssen pünktlich sein, rechtzeitig zur Arbeit, zur Oma, zur Kita, zur Freundin kommen. Wir müssen mal eben zu Ende telefonieren, nur noch die Nachricht schreiben, den Kundenauftrag beenden, abwaschen, das Essen in den Ofen schieben.

Wie kommt das müssen-Müssen bei Kindern an? 

In einer von mir besuchten Fortbildung ging es ursprünglich um das Thema Achtsamkeit. Darum, Kindern ihre Wertigkeit und Bedeutung zu zeigen. Auch darum, sich selbst zu beobachten mit seinen Formulierungen. Das „müssen“ in Zusammenhang mit Arbeit, Haushalt und Kommunikation, was zeigt das also unseren Kindern?

Fremdbestimmung.

Zwang.

Mühseligkeit.

Wollen wir unseren Kindern das vermitteln?

Ich nicht. Denn meine Arbeit macht mir Spaß. Ich arbeite gern, bin gern finanziell unabhängig. Ich sehe meinen Beitrag in der Gesellschaft, für meine Kunden und deren Kunden. Das ist etwas, was ich meinen Kindern auch wünsche – und vorleben will: Arbeit macht Spaß, wenigstens hat sie aber einen Zweck. Zwang und Mühseligkeit sind hoffentlich eine Seltenheit, kein Standard.

Alternativen zum müssen-Müssen

Tatsächlich kann ich mir als Freiberufler meine Arbeit aussuchen. Meistens. Manchmal nehme ich unbequeme Aufträge an, weil ich einfach das Geld gerade brauche. Oder der Kunde ein ganz netter ist. Weil gerade nichts anderes auf dem Plan steht. Oder es sich gut in der Referenzliste macht. Der klassische Arbeitnehmer kann das in der Form nicht – aber ob er arbeiten geht, das ist seine/ihre Entscheidung.

Ich gebe zu: Ich habe keine Lust auf Ämtermarathon, also kam und kommt Hartz IV oder ähnliches nicht in Frage. Außerdem haben wir uns als Paar bewusst für ein Haus entschieden, mit allen finanziellen Konsequenzen. Erwerbstätigkeit ist die logische Folge, wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen. Zu arbeiten ist also kein Zwang, sondern unsere Erwerbstätigkeiten sind bewusste Entscheidungen. Das lässt sich auch den Kindern ganz anders vermitteln, findet ihr nicht? Aus der gefühlten Fremdbestimmtheit eines Angestelltenverhältnisses wird die bewusste Entscheidung, aus den Möglichkeiten (Freiberufler, Angestellter, ohne Erwerbstätigkeit) die gerade passende ausgewählt zu haben.

Münzen wir die Alltagssituationen einmal um:

„Die Oma wartet auf uns. Ich möchte gern pünktlich kommen“ statt dem üblichen „Wir müssen los“

„Ich will den Kundenauftrag noch beenden, bevor ich dir eine Geschichte vorlese“ statt dem üblichen „Ich muss erst noch die Arbeit beenden“

„Ich brauche etwas mehr Ordnung in der Wohnung, lass uns aufräumen“ statt dem üblichen „Wir müssen hier endlich aufräumen!“

Es ist wichtig, wie wir etwas formulieren. Leben wir unseren Kindern einen positiven Umgang mit unserer Entscheidung vor, Erwerbstätigkeit zu sein. In welcher Form auch immer, Teilzeit, Vollzeit, angestellt, freiberuflich …

Kategorie: Achtsamkeit, Begriffe

von

Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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