Selber machen oder kaufen?

Wir leben in einer Welt, in der es immer hipper wird, alles selber zu machen. Gerade unter Müttern läuft der Wettbewerb, wer am besten Backen/Nähen/Dekorieren kann auf Hochtouren. Kaufen scheint total out zu sein, wer nicht alles selber macht, ist eine schlechte Mutter.

DIY-Zwang

Das alles erzeugt einen enormen Druck. Denn gerade wenn wir berufstätig sind, dann lauert das schlechte Gewissen oft direkt hinter der nächsten Ecke. Und der Druck, alles selber zu machen schürt das noch. Denn wenn man nun auch noch die Geburtstagseinladungen, die Deko, den Kuchen (natürlich mit aufwendigem Fondant) und die Mitgebsel (wer hat die erfunden, mit dem habe ich eh noch ein Hühnchen zu rupfen) in liebevoller Kleinarbeit selber basteln muss, dann sind das wieder mehrere Punkte auf der eh schon wahnsinnig langen To do-Liste. Und das nur damit es die perfekte Party ist und die Mütter der eingeladenen Kinder nicht „Rabenmutter“ schreien. Vereinbarkeit? – Fehlanzeige.

DIY-Falle

Wie froh war ich, als die Patentante vom Kleinen mir letztes Jahr anbot, die Schultüte für ihn zu basteln! So konnte ich doch  mein Kind sowohl mit einer liebevoll selbst gestalteten individuellen Schultüte einschulen, musste aber dafür keinen Finger rühren. Und wie schön ist es, dass es Menschen gibt, die ihr Geld mit individuellen selbst gemachten Dingen verdienen. Dann kann ich die unterstützen und habe gleichzeitig etwas schönes selbst gemachtes.

Willkommen also in der Do-it-yourself-Falle. Denn auch ich habe den Anspruch, dass mein Kind bitte möglichst individuelle Sachen haben soll. Wenig Gekauftes und gerne selber machen, das finde ich schön. Gleichzeitig kann ich diesem Anspruch nicht gerecht werden. Aber wozu gibt es Portale wie dawanda und Freundinnen, die nähen können und damit sogar Geld verdienen, wie Tanja von josaliebe? Dann muss ich nicht alles selber machen.

DIY-Frust

Ich kann nicht nähen oder basteln. Kindergarten-Basteltermine waren für mich immer Horrorveranstaltungen, weil gefühlt alle Eltern tolle und hübsche Dinge herstellten, während mein selbst gebastelter Christbaumschmuck aussah, als hätte ihn ein 9 Monate altes Baby gemacht.

Auch sämtliche Versuche, eine Jahreszeiten-Dekoration in der Wohnung oder an den Fenstern anzubringen, scheiterten an meiner Bastel-Legasthenie. Also habe ich es bald gelassen und einfach die Dinge, die meine Kinder gebastelt hatten und die einigermaßen hübsch aussahen jedes Jahr aufs neue aufgehängt.

2014-08-24 11.16.36

DIY-Lust

Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen selber machen. Ich mache auch viele Dinge selbst, aber nicht, weil ich mich dazu gezwungen fühle, sondern weil es mir Spaß macht. Ich stricke und häkle gerne, koche gerne Marmelade ein und mache auch Kosmetik selber. Aber das tue ich zum Ausgleich und nicht um irgendwelche Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen.

Und wenn ich keine Zeit habe, dann lasse ich es. Denn es ist ein Ausgleich und kein Wettbewerbsbeitrag. Klar schmeckt selbst gebackenes Brot gut, aber unser Bäcker kann auch ganz leckere Brote backen. Und wenn die Erdbeerernte in die Hochkorrektursaison fällt, dann essen wir die Erdbeeren oder verschenken sie, statt noch Abende mit Marmeladekochen zu verbringen.

Dann macht selber machen auch Spaß und ist keine Belastung. Dann überrasche ich mich manchmal selbst mit meiner Kreativität, denn die fließt auch viel besser, wenn ich entspannt bin.

Dies ist ein Betrag zur Blogparade von wohnkultur.de

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

4 Gedanken zu „Selber machen oder kaufen?“

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