Rezension: Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn

Normalerweise lese ich ein Buch komplett, bevor ich es in irgendeiner Form rezensiere. Ehrlich!

Aber dieses hier, das von zwei freundlichen Herren verfasst wurde … ich gebe es ganz offen zu: Bis zum Tipp #15 bin ich gekommen, dann habe ich wahllos durchgeblättert. Und irgendwann entnervt die digitale Fassung weggeklickt.

Der Inhalt: „100 nicht ganz legale Erziehungstipps“

Schon die Einleitung macht mich nicht gerade an. Da wird von alkoholschwangeren Abenden in Elternkreisen berichtet, bei denen Eltern dann prustend von Tricks und Tipps berichten, die „man heutzutage ja nicht mehr laut aussprechen darf“. Die Autoren haben daraus dann ein Buch gemacht. Nichts gegen alkoholschwangere Abende im Freundeskreis, ehrlich nicht. Aber das „das darf man ja heutzutage nicht mehr aussprechen“ hat für mich so ein gewisses Geschmäckle, dass ich bei Erziehungstipps nicht haben mag.

Und ja, der Sprachstil ist lustig und humorvoll. Es gibt freundliche Boxen mit „So ist es aufgeflogen“ oder „Wir wollen ja nur berichten, nicht moralisieren, aber …“ Überschriften, in denen die „Erziehungstipps“ weiter geführt werden. Oder in einen legaleren Kontext gerückt werden. Wie auch immer man das sehen will …

Warum das Buch für bindungsorientierte Eltern schwierig ist …

Ganz einfach: Die Erziehungstipps #1 bis #15 bestanden (bis auf eine nachvollziehbare, empathische Ausnahme) aus Erpressung, Lügen, Bestrafung und Hinterfotzigkeit.

Ende.

Wie verzweifelt Eltern sein müssen, um ihre Kinder mit Kabelbindern an Computertischen zu fixieren (damit Kind 1 das Kind 2 nicht mehr schlägt), mit Einhorntoden zu drohen, Kinder mit Juckpulver zu bestreuen und damit Ballerspiele weg zu konditionieren? Keine Ahnung – ich kann es mir nicht vorstellen.

Vielleicht habe ich beim Lesen meinen Humor verloren, denn es gibt durchaus auch Menschen (kinderlos, mit Kindern arbeitend), die das lustig bzw. zumindest in Ansätzen hilfreich finden.

Mich gruselt es bei dieser Sammlung. Und der lustige, saubere Stil macht alles noch viel schlimmer. Es suggeriert mir dann nämlich, dass diese Respektlosigkeiten (erpressen, lügen, bedrohen) – und in einigen Fällen auch die tätlichen Angriffe (Juckpulver!) völlig ok wären. Schließlich sind die Kleinkinder, Kinder und Jugendlichen uneinsichtig und gehören zurecht gerückt.

Fazit

Wer seinen Kindern mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet, findet in diesen 100 nicht ganz legalen Tricks vielleicht ein oder zwei Perlen. Ansonsten nur Sche*****. Ob sich der Kauf dann lohnt, sei dahin gestellt.

Wer schon immer mal wissen wollte, wie tief Eltern in der Sche*** graben können, um ihren Willen durchzusetzen aka „nur das Beste für sein Kind zu wollen“, ist hier vielleicht ganz gut aufgehoben.

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass es das Buch bei mir nur in die digitale Leihbücherei geschafft hatte.


Johannes Hayers, Felix Achterwinter: „Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn“. Rowohlt 2014

nach

Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

2 Gedanken zu „Rezension: Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn

  1. Hallo!

    Vielen Dank für Deine Rezension. Ich hatte auch erst überlegt, mir das Buch anzuschaffen, um mal reinzulesen, habe dann aber schon vermutet, dass es eher um respektlose Erziehungstipps geht. Schade!

    Es wäre doch mal eine schöne Idee, wenn die unerzogen- und AP-Eltern zusammen, richtige Tipps bereitstellen würden… Stelle ich mir zumindest kreativer & humorvoller vor.

    Lieben Gruß,
    Jasmin vom feministbookshelf

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