Darf ich das? – Grenzen setzen

Immer wieder lese ich, dass Eltern sich fragen, ob sie ihrem Kind etwas verbieten dürfen.

Darf ich mein Kind daran hindern, mich zu schlagen?

Darf ich sagen, dass es beim Essen nicht auf dem Tisch sitzen soll?

Diese Fragen zeigen eine große Unsicherheit. Wir möchten so gerne, dass unsere Kinder sich frei entfalten können und ihre eigenen Erfahrungen machen. Das ist auch gut und richtig so.

Nun sollten wir aber bei aller Freiheit und Bedürfnisorientierung nicht vergessen, dass wir selber auch ein Recht auf Freiheit und Bedürfniserfüllung haben. Und wenn mein Kind mich tritt oder schlägt, dann ist es mein gutes Recht, ihm zu sagen, dass ich das nicht möchte und mich auch dagegen zu schützen, indem ich z. B. seine Hände kurz festhalte bzw. Schläge abwehre. (Dass zurückschlagen hier keine Option ist, brauche ich hoffentlich nicht gesondert zu erwähnen.)

Wenn mir wichtig ist, dass niemand bei den Mahlzeiten auf unserem Esstisch sitzt, dann kann ich das auch kommunizieren. Das ist völlig ok. Denn die Erfahrung, dass Mama und Papa auch Grenzen haben und ich nicht einfach immer alles machen kann, so wie ich mir das vorstelle, ist eine wichtige Erfahrung.

Wir sind eben nicht nur Individualisten. Wir brauchen auch andere Menschen um uns herum. Und damit dieses Zusammenleben funktioniert, müssen wir unsere eigenen und die Grenzen der Anderen achten und wahren. Wenn mir aber der Andere nie seine Grenzen zeigt, dann kann ich sie auch nicht achten.

Unsere Kinder wollen wissen, wer wir sind. Sie möchten uns kennen und sie möchten auch unsere Grenzen kennen lernen. Ich glaube schon, dass Kinder ausprobieren, wo diese sind. Daher halte ich es für extrem wichtig, meine (persönlichen, veränderlichen) Grenzen zu kommunizieren. Und zwar rechtzeitig, damit mein Kind weiß, wie ich ticke und damit ich meinem Kind gegenüber friedlich meine Grenze verteidigen kann.

Das lässt sich übrigens auf Partnerschaft und Erwerbstätigkeit übertragen. Auch hier ist die Kommunikation über eigene Grenzen wichtig, um sich selbst und letztlich die Beziehung zu (dem Partner, dem Chef, den Arbeitskollegen) zu gestalten.

Buchtipp zum Thema: Jesper Juul „Nein aus Liebe“.

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.