Check your sources

Ja, wir leben bedürfnisorientiert. Trotzdem, oder gerade deswegen, arbeite ich. Denn es ist mein Bedürfnis, finanziell unabhängig zu sein und meinen Beruf auszuüben, den ich liebe.

Damit passe ich offensichtlich nicht ins Konzept jener Menschen, die versuchen, das bedürfnisorientierte Familienleben für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Dies wird gerade in einem Artikel der Welt beschrieben.

Dabei tauchen einige Namen auf, die ich auch kenne. Und bei einem Namen war ich – ehrlich gesagt – erschrocken. (Zum Glück hat sich die betreffende Person mittlerweile distanziert.)

Dennoch ist mir in den letzten Monaten klar geworden, wie häufig Menschen einfach Dinge teilen, die ihre Meinung wiedergeben, ohne ihre Quellen zu überprüfen. So habe ich schon Links zu YouTube-Videos von rechtsextremen Akteuren erhalten, weil die ein Interview mit jemandem geführt haben, der die Meinung der teilenden Person vertrat. Auf meine erschrockene Nachfrage wurde mir mitgeteilt, es gehe ja nur um die interviewte Person.

Das stimmt aber nicht. Denn wenn wir etwas teilen, stimmen wir indirekt dem Gesamtpaket zu. Also nicht nur dem geteilten Beitrag, sondern auch der Quelle, die diesen Beitrag verbreitet.

Was können wir also tun?

Quellen checken.

  • Einfach mal einen Blick ins Impressum einer Seite werfen und ggf. den dort stehenden Namen googlen. Das dauert meist auch nicht lange.
  • Bei gewissen Schlagwörtern hellhörig werden und sie hinterfragen.
  • Kommentare unter Beiträgen überfliegen (zumindest etwas)
  • Zitierte Personen googlen. Dauert auch gar nicht sooo lange und ist meistens sehr aufschlussreich.
  • Einen Blick auf die genannten Quellen werfen. Sind sie seriös? Wer steckt dahinter? Hörensagen und die Schwester vom Onkel meines Cousins sind eher weniger verlässlich.
  • Auf Rechtschreibung und Sprache achten. Denn oft sind gerade zweifelhafte Quellen in schlechtem Deutsch verfasst und strotzen vor Verallgemeinerungen und Rechtschreibfehlern.
  • Grundsätzlich einen Überblick darüber behalten, welche Medien, Magazine oder Musikinterpreten durch rechtsnahe Tendenzen (oder klaren Rechtsextremismus) auffallen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat zum Einstieg geeignete Übersichtsartikel erstellt. Übrigens auch eine sehr gute Basis, um mit den Kindern etwas Quellenanalyse und Medienpädagogik durchzugehen!

Klicksafe hat in einem Interview mit Camilla Kohrs von CORRECTIV wichtige Erkennungsmerkmale herausgearbeitet:

  • Versuch, eine „Gegenöffentlichkeit“ zu schaffen – im Kontrast zu „Mainstreammedien“ oder „Mainstreamerziehung“
  • Artikel in einer „Wir gegen die“ Manier, auch „Volk gegen Eliten“
  • teils anonym betriebene Seiten, Magazine etc. ohne Impressum/erkennbare Personen hinter den Inhalten
  • rechtsextrem-faschistisch konnotierte Sprache, insbesondere „Lügenpresse“, „Schulmedizin“ etc.

XY hat da was geteilt – das hätte ich ja NIEEEEE von ihm/ihr gedacht!

Kommt vor. Sollte nicht, tut es aber. Weil wir alle dermaßen mit Informationen zugeschüttet werden, kann (!) einem da schonmal was daneben gehen.

Was wir dann tun können? Nachfragen. Höflich. Und anhand der Art der Reaktion dann entscheiden, was wir tun.

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

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