#bloggerfuerfluechtlinge: Warum ich nichts verliere, wenn ich Flüchtlinge willkommen heiße

Angesichts der vielen positiven und negativen Beiträge zum Thema Flüchtlinge, geht mir in den letzten Tagen und Wochen ein Kinderlied nicht mehr aus dem Kopf:

Ich wünsch‘ mir eine Welt, in der die Menschen sagen: „Wir haben endlich den Krieg verloren, und können ihn nicht wiederfinden.“

Nennt mich naiv, aber das wünsche ich mir wirklich. Und wenn ich so darüber nachdenke, warum Menschen ihr Land verlassen, um in unser Land zu kommen, dann denke ich auch über meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse nach.

Ich wünsche mir ein Leben in Sicherheit und Freiheit. Ich möchte gerne, dass meine Kinder im Frieden aufwachsen und die Möglichkeit haben zu lernen und zu wachsen. Ich möchte eine gewisse materielle Sicherheit, d.h. dass ich mir nicht ständig Sorgen machen muss, was ich auf den Tisch bringen kann und was nicht. Dass wir auch Kleidung kaufen können, wenn das nötig ist und gerne darf auch noch ein Urlaub drin sein.

Alle diese Dinge kann ich mir erlauben, weil ich eine Arbeit habe, aber vor allem, weil ich in einem wohlhabenden Land lebe, wo Frieden herrscht und eine gewisse materielle Absicherung. Und ich gönne all das, was ich mir für mich wünsche, jedem anderen Menschen auf dieser Welt genauso.

Ob ich neidisch wäre, wenn ich etwas davon nicht hätte? Ob ich dann anderen Menschen nicht gönnen würde, was ich mir für mein Leben wünsche? Das kann ich mir nicht vorstellen. Denn es gibt durchaus auch Wünsche, die ich für mein Leben habe/hatte, die sich nicht erfüllt haben. Ich hätte mir z.B. noch mehr Kinder gewünscht und kann dennoch jeder Familie mit mehr Kindern als ich habe von Herzen dieses Glück gönnen.

Und ich kann auch jedem Menschen, der mehr verdient als ich, sein Geld und sein Leben gönnen.

Warum können anscheinend viele Menschen genau das nicht? Ich verstehe es nicht, warum wir nun immer wieder diese Proteste ertragen müssen, bei denen der Sozialneid aus allen Poren trieft. Was ändert sich an meiner finanziellen Lage, wenn ein Flüchtling mit Markenturnschuhen (die er ja vielleicht aus einer Kleiderkammer hat – weiß ich das?) herumläuft? Habe ich ein besseres Leben, wenn Flüchtlinge kein Smartphone besitzen und damit komplett von ihrer Heimat und ihren Familien und Freunden abgeschnitten sind?

Ich glaube nicht. Und daher verstehe ich die Proteste gegen Flüchtlinge nicht. Sie machen mich traurig und wütend.
Zum Glück gibt es aber auch die große Solidaritätswelle, die Menschen, die helfen, Spenden sammeln, Feste organisieren oder Deutschkurse geben. Das macht mir Hoffnung. Und daran halte ich mich fest.

Wir müssen Position beziehen gegen den Hass, aber wir dürfen auch nicht vergessen, ihm etwas Gutes entgegenzusetzen. Das kann jedeR von uns tun. Auch mit wenig Zeit oder Geld. Und dann stellt man vielleicht auch fest, dass dieses Flüchtlinge ganz normale Menschen sind, mit den gleichen Wünschen und Hoffnungen wie wir. Nach Sicherheit und Frieden und bescheidenem Wohlstand. Und dass ich selber auch reicher werde durch solche Begegnungen und durch mein Engagement.

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

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