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Rezension: Wege aus dem Mama-Burnout

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Ein Mann schreibt über Burnout bei Müttern. Kann das denn was werden? Oder gibt es nur wieder Mansplaining? Alle diese Fragen habe ich mir gestellt, bevor ich das Buch gelesen habe.

Der Autor ist Leiter einer Mutter-Kind-Kurklinik und sollte daher mit dem Thema vertraut sein. Und so habe ich mich an dieses Buch gewagt. Und ich kann gleich sagen, es war nicht leicht.

Schwere Kost

Das Thema Burnout an sich ist ja schon kein leichtes. Daher hatte ich auch nicht erwartet, hier einfache Antworten zu bekommen. Allerdings hatte ich gehofft, eine konkrete Hilfe zur Reflektion zu erhalten.

Die bekommt man auch, zumindest bedingt. Nur leider ist sie nicht sehr gut aufbereitet. Der Text enthält viele Fragen, die man für sich beantworten sollte, aber er ist halt vor allem meist Text. Fließtext. Manchmal aufgelockert durch eine Aufzählung.

Ich fand diese Textgestaltung schwierig. Sie ist nicht leserinnenfreundlich und ich denke, dass man das relativ einfach hätte ändern können, z. B. durch Checklisten und kleine Arbeitsaufträge.

Zum Inhalt

Das Buch ist klar strukturiert und in 9 Kapiteln gegliedert. So geht der Autor auf Stress und seine Symptome genauso ein (Kapitel 1), wie auf Verhaltensweisen, die auf Stress und erhöhte Burnoutgefahr hindeuten (Kapitel 2).

Dann geht es im dritten Kapitel darum, Zugang zu seinen Gefühlen zu bekommen und seine eigenen Ansprüche zu hinterfragen. Bevor es im vierten Kapitel um das Erkennen der eigenen Beziehungsmuster geht.

In den weiteren Kapiteln geht es darum, seinen Platz im Beziehungssystem Familie zu schaffen, Resilienz zu erlangen und die Veränderung zu beginnen. Es gibt auch ein Kapitel über den Umgang mit Krisen und Rückschlägen.

Was mir gefällt

Positiv finde ich die klare Gesellschaftskritik. Denn der Autor zeigt deutlich auf, dass es eben nicht immer nur um den richtigen Umgang mit dem Stress geht, sondern dass unsere Leistungsgesellschaft einen großen Teil zu den steigenden Burnout-Erkrankungen beiträgt.

Er kritisiert auch die hohen Ansprüche, die an Mütter gestellt werden und ermutigt, sich diesen Ansprüchen zu verweigern.

Außerdem spricht er mehrmals deutlich an, dass es der Familie nur dann gut geht, wenn es auch der Mutter gut geht. So regt auch dazu an zu hinterfragen, wo frau sich nicht abgrenzt und zu viel Verantwortung übernimmt. Er ermutigt die Leserin konsequent, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und sich Hilfe zu holen. An mehreren Stellen betont er, dass sie sich nicht rechtfertigen müsse und dass eine erwachsene Beziehung auf Augenhöhe stattfindet.

Was mir fehlt

Was mir aber gar nicht gefällt ist, dass er eben auf einer sehr theoretischen Ebene verbleibt. So schreibt er z. B., dass Optimismus lernbar sei, aber wie genau das geht, dazu hat er gerade mal einen Autor im Fließtext genannt, der diese These vertritt. Das bleibt mir zu vage und hätte mir in der Akutphase meines Burnout auch nicht geholfen, denn da brauchte ich leicht zugängliche Quellen.

Außerdem finde ich das ganze Buch viel zu philosophisch. So schreibt er z. B.

Nichts im Leben bleibt für immer gleich. Unser Leben ist darauf angelegt, dass wir uns ständig weiterentwickeln, stets dazulernen, um immer mehr die zu werden, die wir sind. Wer den Wandel begrüßt wie eine gute Freundin, kann das Leben bejahen undmutig voranschreiten in dem Vertrauen, dass hinter der nächsten Biegung des Weges wieder ein neus Geschenk auf uns wartet, das wir auspacken dürfen.

Dr. Hans Hartmann. Wege aus dem Mama-Burnout, S. 187

Wie diese Wege aussehen, wie man sich konkret auf den Weg machen könnte, gerade wenn man nicht so viel Kraft hat, das schreibt er nicht. Und das fehlt mir.

Fazit

So habe ich mich eher schlecht als recht durch das Buch gekämpft, immer darauf wartend, dass jetzt doch bald mal etwas Konkretes kommt. Es kam aber leider nichts. Daher kann ich dieses Buch nicht empfehlen.

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