Nein heißt nein – oder doch nicht?

Die aktuelle Debatte um #TeamGinaLisa und den Schutz sexueller Selbstbestimmung berührt mich sehr. Auch aufgrund eigener Erfahrungen. Sie macht deutlich, wie ungeschützt wir Frauen heutzutage immer noch sind. Und sie bringt mich zum Nachdenken. Denn Nein heißt nein beginnt ja nicht erst, wenn wir erwachsen sind. Denn dass ein “Nein” auch respektiert wird, müssen wir erst lernen.

Wie sieht das also mit unseren Kindern aus?

Wir vermitteln ihnen, dass sie über ihren Körper selbst bestimmen dürfen und respektieren ihre Neins. Zumindest meistens. Denn wie ist es zum Beispiel beim Zähne putzen, Medikamentengaben oder in anderen Situationen? Respektieren wir immer das Nein unseres Kindes? Oder setzen wir uns unter dem Deckmantel der Erziehung oder des Kindeswohls über ihr Nein hinweg. Weil wir es vermeintlich besser wissen.

Und was macht das mit unseren Kindern? Was nehmen sie aus solchen Situationen mit? Dass ihr Nein meistens gilt, aber nicht immer. Und woher sollen sie wissen, in welchen Situationen ihr Nein gilt und wann nicht?

Victim Blaming in der Erziehung

Und betreiben wir nicht auch victim blaming, wenn wir einen Ausraster unsererseits mit einem “aber er hat mich so lange provoziert, bis ich gebrüllt/ihn in sein Zimmer geschickt/etc. habe” rechtfertigen?

Auch hier wieder die Frage: Was lernen unsere Kinder daraus? Und wollen wir, dass sie lernen, dass ihr Nein eben nicht immer gilt und dass sich im Zweifel der Stärkere/Erwachsene durchsetzt?

Kinder verantwortungsvoll zu erziehen bedeutet auch, für die eigenen Schwächen die Verantwortung zu übernehmen. Und einen (menschlichen, ganz und gar normalen) Ausraster als genau das zu benennen: “Es tut mir leid, dass ich so viel geschrien habe. Ich war nur so wütend und genervt und konnte mich selbst nicht beruhigen.” Das ist eine Option, die dem KIND keine Schuld am elterlichen Verhalten zuschiebt. Und es zeigt, wie sich zwischenmenschlich Verantwortung für Verhalten ausdrücken lässt.

Zurück zur sexuellen Selbstbestimmung

Wir bringen unseren Kindern also im Idealfall bei, dass sie über ihre Körper selber bestimmen dürfen und respektieren ihre Neins. Aber wenn das Sexualstrafrecht so bleibt, dann wird das nicht ausreichen. Sollen wir ihnen also jetzt vermitteln, dass sie sich wehren sollen? Dass nur Gewalt hilft? Das kann es ja auch nicht sein. Denn was ist das für ein Signal?

“Gewalt ist nicht okay, aber wenn jemand etwas macht, was du nicht willst, dann hau ihm eine rein!”

Wirklich? So eine Doppelmoral ist doch verrückt. Wir brauchen wirksamen Schutz für uns und unsere Kinder. Und dafür muss ein Nein akzeptiert werden, egal in welchem Kontext.

Nein heißt Nein. Immer.

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Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

Ein Gedanke zu „Nein heißt nein – oder doch nicht?“

  1. Ein Vater riet letztens seinem Sohn, das andere Kind zurückzuhauen und übte mit ihm, wie man denn den anderen “boxt”. Vorangegangenen ist folgende Situation. Ein anderes Kind, hat sich diesen Jungen “ausgesucht”. Jedesmal wenn keiner guckte, wurde es drangsaliert, gepeinigt, gehauen.
    Mich beschäftigt dieses, von mir beobachtete Gespräch, immer noch. Welche Möglichkeiten bleiben dem Jungen, wie soll man ihn beschützen, wenn es nie unter “Zeugen” geschieht? Wie beweisen, wenn die Blessuren, so dass es alles hätte sein können?
    Ein kleines Beispiel dafür, dass man “eigentlich” nicht für Aug’ um Aug’ , Zahn um Zahn ist. Soll man diesem Jungen sagen, dass er immer weglaufen soll ? So lange bis das andere Kind die Lust verliert? Wann immer das aus sein wird?
    Man kann nur hoffen, dass das eigene Kind nicht ein “ausgesuchtes” Kind wird und es einem nie das Herz bricht, weil man am liebsten immer dabei wäre und es vor allem bösen Blicken schützen möchte und es doch nicht kann.

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