Fastenzeit: Warum Verzichten bei der Vereinbarkeit hilft

Es ist Fastenzeit. – “Na und?”, werden jetzt die Nicht-Religiösen unter unseren Leser_innen sagen. “Was geht mich das an? Und überhaupt, warum sollte ich auf etwas verzichten?”

Verzichten bedeutet Mangel

Zunächst einmal bedeutet Verzichten, dass man bewusst einen Mangel in Kauf nimmt. Wenn ich zum Beispiel auf Facebook verzichte, dann werde ich diesen Mangel merken. Genauso, wenn ich auf Schokolade verzichte. Denn in der Regel sucht man sich ja für den Verzicht Dinge aus, die einem nicht leicht fallen.

Verzichten bedeutet Bereicherung

Was wie ein Widerspruch klingt, ist in Wirklichkeit keiner. Denn wenn ich auf etwas verzichte, habe ich Raum für etwas anderes geschaffen. Um beim Facebook-Beispiel zu bleiben. Die Zeit, die ich vorher mit Facebook verbracht habe, die kann ich jetzt für etwas anderes nutzen. Sie ist gewonnene Zeit.

Und die Schokolade?

Hier ist es vielleicht nicht so eindeutig. Aber auch wenn ich auf Schokolade verzichte, bringt mir das eine Bereicherung. Zum einen merke ich, ob und in welchem Maße ich abhängig von Schokolade bin (und das bin ich, das könnt ihr mir glauben). Zum anderen bietet es mir die Möglichkeit, diese Abhängigkeit näher zu betrachten und vielleicht herauszufinden, was ich mit der Schokolade zu kompensieren versuche. Vielleicht brauche ich dann nach der Zeit des Verzichtens nicht mehr so viel Schokolade. Oder ich kann sie ganz anders genießen, eben weil ich sie nicht mehr brauche.

Und die Vereinbarkeit?

Vereinbarkeit ist immer auch ein Verzichten. Denn ich verzichte darauf, Zeit mit meiner Familie zu verbringen, jeden Entwicklungsschritt meiner Kinder selber zu beobachten und immer für sie da zu sein. Aber dafür gewinne ich auch: Ich kann mich beruflich weiterentwickeln (vielleicht Karriere machen), komme aus dem häuslichen Umfeld heraus und werde nicht nur in meiner Rolle als Mutter wahrgenommen. Und so ist auch dieses Verzichten wieder eine Bereicherung.

Und dann soll ich noch zusätzlich verzichten?

Niemand schreibt dir vor, zu verzichten. Ich tue es gerne. Eben weil ich es als Bereicherung verstehe. Und weil ich gerne herausfinden möchte, was hinter meiner Schokoladensucht steckt. Weil ich mich aus dieser Abhängigkeit lösen möchte, verzichte ich in dieser Fastenzeit auf Süßigkeiten.

Und wie soll das bei der Vereinbarkeit helfen?

Wie schon geschrieben, bietet uns das Verzichten die Möglichkeit, etwas anderes zu gewinnen. Wir können also überlegen, worauf wir verzichten können, um zum Beispiel mehr Zeit für die Familie zu gewinnen. Nehmen wir: das Bügeln. Darauf verzichte ich größtenteils schon seit Jahren und es hat mir viel Zeit gebracht, die ich nun mit der Familie oder der Arbeit verbringen kann. Im Übrigen gilt bei der Vereinbarkeit auch ein Spruch, den ich – scherzhaft gemeint – von meinen Eltern oft gehört habe:

Man muss auch mal auf ein Opfer verzichten können.

Denn wenn wir auf Haushaltsdinge verzichten, kann das auch bedeuten, dass wir sie auslagern. Also z. B. jemanden dafür bezahlen, dass er/sie für uns putzt/wäscht/bügelt. Dann verzichten wir auf Geld, bekommen dafür aber Zeit.

Aber Verzichten kann ich doch immer, dafür brauche ich keine Fastenzeit

Das ist im Prinzip richtig. Für mich ist die Fastenzeit ein Anlass, zu verzichten. Es kann sein, dass andere Menschen es auch ohne Anlass können, mir helfen solche von außen vorgegebenen Rituale. Und ich glaube, da bin ich nicht die einzige.

Verzichtet ihr auf etwas in der Fastenzeit? Und wenn ja, worauf?

Uta
Mutter von zwei, Lehrerin, Stadtmensch

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