Warum Rückendeckung golden ist

… und glänzt. Und überhaupt.

Stell Dir vor, Du bist erwerbstätig, hast ein Kind: Und jemanden, der dir permanent Rückhalt gibt. Rückendeckung.

Und ich meine damit: Jemanden, der kompromisslos einspringt. Termine und Betreuung organisiert und Dir den lästigen Alltagskram von den Hacken hält. Der sicherstellt, dass abends was zu Essen im Kühlschrank steht (oder womöglich noch auf dem Herd!). Der die Termine im Kopf (und im Kalender) überblickt, Ausflüge organisiert, den Kindergeburtstagskuchen in der KiTa abliefert, das Schultütenbasteln absolviert. Also alles, was irgendwie immer tagsüber erledigt werden muss, mit wenig(er) Zeitvorlauf.Total egal, was bei Dir gerade auf dem Plan steht – der normale Kinderalltag ist geregelt und findet so oder so statt.

Und wenn Du nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommst, sind Kinder samt Partner vielleicht schon eine Weile daheim, haben Schularbeiten gemacht, waren einkaufen – oder was halt sonst so ansteht. Der Tageskrempel ist erledigt. Jemand anders hat für Dich mitgedacht – damit Du mit Deinen Gedanken im Job sein kannst und bei dem, was dort gerade wichtig ist. Klingt traumhaft?

Goldene Rückendeckung

Stell Dir vor, es tritt ein, was mit (kleinen) Kindern immer eintritt, und immer zum UNGÜNSTIGSTEN Zeitpunkt:

  • Kind wird krank – natürlich eine Nacht vor dem wichtigen Termin, auswärts, mit viel Planung und Organisation drumherum oder
  • der Babysitter fällt aus, das KiTa-Personal streikt oder macht spontane Fortbildungstage, die Tagesmutter ist krank oder hat (was aufs gleiche raus kommt) ein ansteckendes eigenes Kind daheim oder
  • da kommt dieser Termin, unangekündigt, aber brandwichtig und unaufschiebbar
  • … (stell es Dir vor – Du kennst das!)

Aber weißt Du was? Das belastet Dich gar nicht so richtig. Denn: Dein Backup, dein Rückhalt/deine Rückendeckung – dein Partner oder Familienangehöriger stemmt das. Kurzfristig, unabhängig von der jeweiligen eigentlichen Tagesplanung, eigenen Terminen oder Befindlichkeiten. Weil er/sie das eben kann, macht und Dich entlastet.

In meinem Bekanntenkreis sind die Begründungen für diesen kompromisslosen Einsatz ähnlich denen hier:

Ich arbeite ja eh Teilzeit, da kann ich leichter mal frei nehmen wenn mit den Kindern was ist.

Ich hab ja Gleitzeit, ich fang dann einfach später/früher an und höre später/früher auf, damit ich die Termine mit den Kindern machen kann.

Was sollen wir auch machen, die Termine vom Partner lassen sich ja nicht verlegen? Einer muss das ja übernehmen!

Was unterschwellig mitschwingt? Der, der jederzeit und immer springt, organisiert und seine Arbeit hintendran stellt, der “kann sich das leisten”. Mit negativer Konnotation: Weil seine/ihre Arbeit “weniger wert” ist. Sonst ließe sich das ja nicht mal eben verschieben, aufheben oder gar wegorganisieren. Richtig?

Was passiert, wenn der Rückhalt fehlt

Drehen wir das ganze um: Stell Dir vor, Du bist der, der jedes Mal wieder das Backup spielt. Der, der immer daheim bleibt, wenn die KiTa schließt oder das Kind ganz komische rote Pusteln hat.

Was passiert, wenn Du einen wichtigen Termin hast? Eine wichtige Besprechung, eine Dienstreise?

Im Kopf kreisen die “Was wäre, wenn” Szenarien und die Organisationsmaschine setzt ein:

  • Was passiert, wenn jetzt doch einer ausfällt, krank wird?
  • Wer ist da Teil vom Netzwerk, der vorsichtshalber mit angefragt werden kann?
  • Was muss vorher organisiert werden, damit letztlich alle daheim sind, was zu Essen im Bauch haben und (einigermaßen) zufrieden?
  • Welcher berufliche Vorlauf ist notwendig, damit das überhaupt machbar wird für Dich?

Freier Kopf, um sich auf das anstehende zu konzentrieren: keine 100 Prozent. Stattdessen klebt ein Teil der Aufmerksamkeit auf der Betreuungsorganisation. Das zieht Energie ab, die Du eigentlich woanders brauchst.

Zauberwort: Zuständigkeit

Da haben wir es.Wer sich zuständig fühlt, der organisiert, plant und denkt mit.

Wer sich für die grundsätzliche Organisation der Kinderbetreuung zuständig fühlt, wird auch immer einspringen, wenns hakt. Rückendeckung einfordern und darauf pochen, sie zu erhalten, ist anstrengend. Und eine Diskussionsbombe, wenn die Situation eh schon stressig ist. Klare, verbindliche Regeln aufstellen und möglichst in nicht-Ernstfall-Zeiten erproben, soll es wohl richten.

Einer Krankenkassenstudie von 2011 nach waren es rund 10 Prozent Väter mit eingeforderten Kindkranktagen, bei verbleibenden 90 Prozent der Mütter, die im Krankheitsfalle des Kindes zu Hause bleiben. Aber die Tendenz der Väter, die einspringen, wäre steigend. Neuere Zahlen habe ich spontan nicht gefunden. So oder so: erschreckend.


Wie ist das bei euch? Gut geteilt – oder gibt einer permanent Rückendeckung, während der andere permanent Rückendeckung erhält?

Sabrina
Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann & zwei Kindern in enger Gemeinschaft. Feministisch, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

Ein Gedanke zu „Warum Rückendeckung golden ist“

  1. Sehr guter Artikel!

    Die Rückendeckung wird immer wichtiger!! Das habe ich selbst am eigenen Leib erfahren müssen.
    Jetzt bieten wir es Unternehmen an, die Ihre Mitarbeiter unterstützen möchten.

    Leider nutzen es viel zu wenige. Rücksicht steht leider noch hinter Profit! 🙁

    Beste Grüße

    Tina Trippens – Benvito

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