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Meine Zeit, deine Zeit, Teilzeit

Vereinbarkeit kennt viele Wege, viele Möglichkeiten. Teilzeit zu arbeiten ist dabei in der Regel eine Option, die mindestens gut durchdacht – oft aber schlicht notwendig ist. Vollzeitstellen sind – der immer noch mäßigen Betreuungssituation deutschlandweit geschuldet – nur selten „drin“. Dafür gibt es Teilzeit. In vielen Varianten.

Was sagt die Statistik zur Teilzeit?

Drei von vier Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Ungefähr jede achte erwerbstätige Frau übt dabei lediglich eine geringfügige Beschäftigung aus (so genannte Minijobs). Besonders ausgeprägt sind Geschlechterunterschiede bei Eltern mit mindestens einem Kind im Vorschulalter. So ist Teilzeit bei diesen berufstätigen Müttern die Regel, bei Vätern jedoch die Ausnahme: Während rund sieben von zehn aktiv erwerbstätigen Müttern teilzeiterwerbstätig sind, trifft dies nur auf rund sechs Prozent der Väter zu.

Quelle: BMFSJ

Nochmal, in aller Deutlichkeit: 7 von 10 Frauen mit mindestens einem Kind im Vorschulalter sind teilzeiterwerbstätig. Bei Männern sind es dagegen „nur“ (ich würde sagen, immerhin!) rund 6 Prozent.

Die Gründe der meisten Frauen für Teilzeit dürften in der Regel so lauten:

Anders könnte ich Familie und Beruf gar nicht unter einen Hut bringen!

Während das bei Teilzeit-arbeitenden Männern anscheinend weniger wichtig ist, stattdessen sind die Gründe für reduzierte Wochenarbeitsstunden eher:

  • keine Vollzeitstelle gefunden/erhalten
  • Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen für Karriereaufstieg

Behauptet zumindest Die Zeit. Stimmt das? Oder antworten die Männer bei solchen Befragungen eher in diesem Rahmen, weil reduzierte Arbeitszeit der Familie wegen noch nicht sonderlich gut akzeptiert ist?

Karriere in Teilzeit – Traum statt Wirklichkeit

Es bleibt dabei: Die meisten Frauen in Teilzeit werden nicht für voll genommen. Die ganze Arbeiterei lohnt sich oft – gar nicht. Kleiner Rant: in der Kaffeeküche der networkingmum. Projekte werden anderweitig vergeben, im schlimmsten Fall bleiben Ablage und Telefondienst – so lässt es sich oft genug in diversen Gruppen und Foren nachlesen.

Ist das immer so? Nicht zwingend. Schon 2012 zeigte der Gasag-Manager Neumann, dass sich Führungsanspruch und 30h-Woche nicht ausschließen müssen. Vorurteile aber machen vor allem den Frauen das Leben schwer. Was bei einem Mann selten im Bewerbungsgespräch abgefragt wird, ist für viele Frauen eine ganz normale Frage: „Und wie machen Sie das mit den Kindern?“ Im Grundsatz geht das niemanden was an – wer sich auf XX-Stunden Stelle bewirbt, der hat doch in der Regel vorher die Frage nach der Betreuung geklärt! Oder, der andere Grundsatz: Dann dürfen sich auch gern die Männer erklären, wie sie denn das mit den Kindern lösen, während sie arbeiten sind.

Aber, und das ist das Gute: Work-Life-Balance als bedeutsamer Aspekt im Erwachsenenleben wird immer wichtiger. So mancher Berufseinsteiger entscheidet sich ganz bewusst dazu, „nur“ Teilzeit zu arbeiten. Um neben der Arbeit auch Zeit für anderes zu haben.

Teilzeit kann alles sein, was nicht Vollzeit ist

In den Mommy Wars gibt es oft nur schwarz oder weiß: Vollzeit mit 50h+ oder gar keine Arbeit. Das Grau dazwischen wird häufig genug völlig ignoriert.

Dabei ist Teilzeit wirklich flexibel definiert:

  • reduzierte Arbeitszeit im Vergleich zu ähnlichen Anstellungsverhältnissen im gleichen Betrieb (!) in Vollzeit mit vergleichbarem Arbeitsverhältnis
  • reduzierte Arbeitszeit im Vergleich zu Vollzeitarbeitsverträgen laut Tarif-/Kollektiverträgen

Meint: Wenn ich als Kauffrau im Betrieb A mit 35h Vollzeit arbeite, kann ich durchaus in Betrieb B als „Teilzeit“ eingestuft werden, weil dort in der Regel 40h als Vollzeit vereinbart sind. Vollzeit und Teilzeit sind Begriffe, die wir jeden Tag verwenden. Wir hinterfragen leider viel zu selten, was der/die Einzelne denn darunter versteht!

Und dann die Bandbreite, was Teilzeit so alles sein kann:

  • 1x wöchentlich 12h Dienst
  • Montag bis Freitag je 6h, 5h, 4h….
  • 1-4 Tage Vollzeit (8h+), der Rest frei
  • ….

Weiter oben im Zitat war aufgeführt, dass jede achte erwerbstätige Frau geringfügig beschäftigt ist. Also auf 450,-€ Basis mit in der Regel 10-15h pro Woche arbeitet. Wenn wir jetzt in die Diskussionen mit anderen Frauen einsteigen und über „Karriere vs. Hausfrau“ diskutieren, lohnt sich die Nachfrage nach dem Umfang der Arbeitszeit. Die Wahrscheinlichkeit, eine Mutter anzusprechen, die eben weniger als 50h die Woche arbeitet ist jedenfalls ziemlich hoch.


Ich wünsche mir, dass wir in Gesprächen miteinander auch ganz klar darüber sprechen, welches Arbeitszeitmodell wir denn gerade leben beziehungsweise welches es werden soll. Statt „Vollzeit“ und Teilzeit“ gleich in Schubladen zu packen und davon auszugehen, dass Frau entweder nur Karriere im Kopf hat oder in Teilzeit eh keine verantwortungsvolle Arbeit leistet.

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