#einTagohnemich | vereinbarkeitsblog

Mama, wo bist du?

Es ist der 8. März. Frauentag. Internationaler Frauentag sogar. Ich mache das, was ich immer tue an einem Mittwoch, der gleichzeitig Schul-, Kindergarten- und Arbeitstag ist. Nur dieses mal unter dem „what if“ Label, dem #einTagohnemich Gedanken.

Was wäre, wenn? #eintagohnemich

Es hätte kein Frühstück für Kind 2 gegeben. Keine Erinnerung an Kind 1, ihre Schultasche am morgen einzuräumen. Kein Apfel für sie, damit sie doch noch was zu essen mit in die Schule nimmt. Keine Unterschrift im Lerntagebuch für die erledigten Hausaufgaben.

Kein Futter für den Hund. Kein Kindergarten für Kind 2, denn der ist „all female“, also auch kein Ausflug ins Theater an dem Tag. Kind 1 hätte kaum Unterricht gehabt, denn die Lehrerinnen ihrer Unterrichtsstufe sind – genau -fast  alle weiblich. Die Nachmittagsbetreuung hätte vielleicht funktioniert – der Sportlehrer in der OGS ist männlich.

Mein Auftraggeber hätte keinen Roh-Text, keine kurze Besprechung mit seinem neuen Marketingleiter und keinen fertigen Blogbeitrag zur Veröffentlichung gehabt. Die verzweifelte Kundin wäre (da selber weiblich) nicht da, und ihr Problem mit dem Scanner nicht existent. Niemand hätte mir ihr anderthalb Stunden lang Fehleranalyse am Telefon betrieben, damit sie ein wichtiges Dokument am gleichen Tag losschicken konnte.

Ein anderer Auftraggeber hätte tags darauf keine Rohentwürfe für Webseitentexte erhalten können, wäre ich nicht existent – niemand hätte sich zu seinem Unternehmen, der Botschaft dahinter und den besten Sprachideen Gedanken gemacht.

Den Biomüll hätte niemand hinausgebracht, den Geschirrspüler niemand aus- und wieder eingeräumt (zweimal). Keiner hätte beim einkaufen an Müsli gedacht. Später hätte niemand die Kartoffel und Möhren geschält, zweierlei Kartoffelsuppe gekocht, den Tisch gedeckt und zum Essen gerufen. Das Telefongespräch mit einer Freundin wäre ausgefallen.

Die Küche aufgeräumt hätte auch keiner. Der Hund hätte vor dem leeren Napf gestanden, den Spielball hätte ihm niemand aufgefüllt. Die benutzten Kleidungsstücke der Kinder lägen weiter im Bad herum. Eingeheizt hätte auch keiner, das Holz läge immer noch im Kofferraum des Autos, das dann niemandem gehörte.

Abends wäre die Kuschelrunde auf der Couch ausgefallen, die „Hast du Zähne geputzt?“ Frage bliebe ungestellt. Niemand hätte mit dem Gatten den Film zuende geguckt und noch eine Kleinigkeit auf der Couch gelesen.

Irgendjemand anders hätte das alles machen müssen, an meinem #tagohnemich. Denn ich wär ja gar nicht da gewesen.

Tatsächlich war ich da. Wie immer. Wie jeden Tag. Es gibt keinen #Tagohnemich für mich.


Den Hashtag #einTagohnemich hat das Feministische Netzwerk an Bloggerinnen und Autorinnen gerichtet und sie aufgerufen, ihren Tag ohne Frauen  im Internet zu beschreiben.

nach

Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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