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„Mein Mann kann …“ – Blödsinn. Wer was kann, zeigt sich noch.

Da gab es diesen offenen Brief an die Frauen vom Papa-Lorenz, der aufforderte: Frauen, sagt klar und deutlich was ihr von uns wollt! Und es gab diese Antwort von Mama-notes, in der sie klar stellte: Kerle, ihr könnt das schon gefälligst selbst als erwachsene Menschen! Das ging dann etwas hoch und runter in den Kommentaren, die Beiträge wurden häufig abgerufen und auch viel drumherum auf Twitter und Co. diskutiert. Wir haben uns etwas zurückgelehnt und das Ganze beobachtet. Und eins ist uns aufgefallen:

Es ist illusorisch zu glauben, wir lebten in einer genderfreien Blase und könnten alle spontan mal das lernen, was X oder Y fordert.

Wir gehen als Eltern mit spezifischen Vorbildungen an unseren Alltag heran. Wer da genaueres lesen mag, ist bei PinkStinks e. V. und Co. gut aufgehoben. In aller Kürze: Wir lernen bereits in der frühen Kindheit, wer später mal Arbeiten übernimmt (also „sieht“) und wer externe Anreize („Belohnungen“) brauchen wird. Sich daraus zu lösen, ist ein aktiver Prozess – und der fällt manchmal schwer.

Idealerweise verhandelt ein erwachsenes Paar miteinander darüber, wer wann welche Aufgaben und Tätigkeiten übernimmt – oder leistet. Und es wird auch darüber verhandelt, wer was leisten KANN – denn auch darauf kommt es an. Wer am Tag nur 2 Stunden daheim ist (und wach), KANN weniger sehen, übernehmen und leisten – und das völlig unabhängig vom Geschlecht. Der Umgang damit ist freilich oft ein unterschiedlicher: Männer scheinen selbst eine größere Beteiligung wahrzunehmen (als sie leisten), während Frauen potenziell eher alles sehen, was gezwungenermaßen liegen bleibt. Beides ist keine optimale Lösung für den eigenen Seelenfrieden. Oder eine stabile Partnerschaft.

Wer ist denn nun gerade zuständig?

Eins ist mir bei dem Thema noch sehr wichtig: „Zuständig sein“ ist eine Sache, die sich trainieren lässt. Und, da muss ich Papa Lorenz recht geben: Männer können oft besser die Umwelt ausblenden, wenn sie sich nicht zuständig fühlen. Ich sehe das mittlerweile als echte Kernkompetenz: Meine eigene „Pause“ genießen, während Mann und Kinder sich anderweitig beschäftigen. Und solange mich keiner direkt ruft, mische ich mich nicht ein – auch nicht, wenn es schon wieder Fast Food gibt, die Kinder ohne Socken in den Schnee wollen oder der Mann Streitfälle schlichtet, die ich ausgesessen hätte.

Noch ein eingängiges Beispiel gefällig?

Die Mutter stillt, man schläft gemeinsam im Familienbett. „Naturgemäß“ wird die Mutter wach, wenn das Kindlein sich rührt – er schläft weiter.

Wenn die Zuständigkeiten anders verteilt werden – bewusst, mit Absprachen und innerlichem Bereitmachen – wird auch der Mann aufwachen. Egal, wo das Kind schläft oder ob die Partnerin stillt. Das ist übrigens sogar wissenschaftlich untermauert, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht.

Wenn ich also will, dass mein Partner im Haushalt und bei der Kindererziehung gleichberechtigt und auf Augenhöhe, wie es in anderen Blogposts zu dem Thema so schön heißt, mitwirkt, dann sollten die Zuständigkeiten klar kommuniziert sein. Und das heißt im Klartext nichts anders als:

  1. Wenn die Aufgaben verteilt sind, mischt sich der nicht-Zuständige nicht ein. Gar nicht. Auch nicht korrigierend. Auch nicht, um „zu retten“.
  2. Erinnerungen sind ok – über die Häufigkeit der Erinnerung sollte aber vorab gesprochen werden!
  3. WIE derjenige, der zuständig ist, seine Aufgaben erledigt – ist seine/ihre Sache. Hauptsache, es wird im vereinbarten Rahmen erledigt.
  4. Wer Aufgaben übernimmt, übernimmt sie aber auch wirklich – vergessen, nicht dran denken und verschlampen gilt nicht.
  5. Aufgabenverteilungen und Zuständigkeiten sind verhandelbar.

Wie seht Ihr das? Beziehungsweise, anders gefragt: Wie sehen bei euch solche Zuständigkeits-Verhandlungen aus?


Übrigens ein Beitrag zur #aufAugenhöhe Blogparade – da gibt es noch viele weitere, lesenswerte Beiträge zum Thema.

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von

Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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