Rezension: Nicola Schmidt. artgerecht. Das andere Kleinkindbuch

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Nach artgerecht. das andere Babybuch, gibt es nun den Folgeband für die Kleinkindzeit. In artgerecht. Das andere Kleinkindbuch behandelt Nicola Schmidt alle wichtigen Themen rund um das Leben mit Kindern von 1-5 Jahren.

Was ist eigentlich artgerecht?

Artgerecht leben beinhaltet beim Menschen eine sehr große Bandbreite von Variationen. Denn wir können uns an die unterschiedlichsten Lebensräume anpassen und sind daher viel flexibler als die meisten anderen Lebewesen auf der Welt. Daher gibt es kein Patentrezept für den Umgang mit Kleinkindern.

Allerdings leben wir heute in unserer modernen Welt völlig anders, als Menschen das in der längsten Zeit ihrer Geschichte getan haben. Und wenn wir dies berücksichtigen, können wir unsere Kinder besser verstehen. Dabei hilft das Buch von Nicola Schmidt.

Themen

Das Buch ist sehr übersichtlich und gut strukturiert aufgebaut. In acht Kapiteln werden folgende Themen behandelt:

  • Essen
  • Schlafen
  • Sauberwerden
  • Spielen
  • Familienleben
  • Eigenständigkeit
  • Betreuung

Dabei räumt die Autorin mit Ammenmärchen auf, gibt wieder, was die Wissenschaft herausgefunden hat und ist konsequent pragmatisch und bedürfnisorientiert.

Klare Struktur der Kapitel

Die Kapitel sind alle gleich strukturiert, was ich persönlich sehr gut und übersichtlich finde. So kann man auch später schnell eine bestimmt Stelle wiederfinden.

Jedes Kapitel beginnt mit einem Bild, auf dem bereits die wichtigsten Sätze zum Thema stehen. Darauf folgt eine kurze Einleitung und die Auflistung gängiger Ammenmärchen.

Das Herzstück des Kapitel ist der „so geht’s“-Teil heißt. In diesem Teil findet man alle wichtigen Informationen rund um das jeweilige Thema. Hier finden sich auch immer wieder Info-Kästen, die zusätzlichen Input zum Thema bieten. Die Leitfragen sind dabei immer: Was ist eigentlich artgerecht? Was können wir von den Kindern erwarten und wie können wir sie dabei unterstützen?

Jedes Kapitel endet mit einem Abschnitt, in dem falsche Erwartungen der Eltern an die Kinder thematisiert werden. Dann folgen 10 Tipps zum jeweiligen Thema, ein Abschnitt Das sagt die Wissenschaft und FAQ.

So ist es sehr einfach, sich innerhalb der Kapitel zu orientieren und schnell die gerade benötigten Informationen zu bekommen.

Gastbeiträge

Zu mehreren Themen gibt es Gastbeiträge bekannter Experten, die zusätzliche Informationen liefern. So findet sich z. B. ein Beitrag von Nora Imlau zu gefühlsstarken Kindern. Diese Beiträge bieten einen echten Mehrwert zum Thema an.

Fazit

Das artgerecht Kleinkindbuch bietet umfassende und sehr gut strukturierte Informationen und Tipps zum Leben mit Kleinkindern. Auch wenn ich kein Kleinkind mehr habe, habe ich es dennoch sehr gerne gelesen, weil es auch einfach spannend geschrieben ist. Daher kann ich dieses Buch nur sehr empfehlen.

Rezension: Nicola Schmidt. Geschwister als Team

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Mit „Geschwister als Team“ legt Nicola Schmidt ein neues artgerecht-Buch vor, bei dem es, wie der Titel bereits verrät um eine gute Beziehung zwischen Geschwistern geht.

Dabei kann man das Buch sowohl von vorne nach hinten lesen, als auch schnell wichtige Informationen bekommen. Dafür gibt es ein Extra-Kapitel namens Dos und Don’ts. So kann man schnell in die Thematik einsteigen, was ich persönlich auch gemacht habe, bevor ich dann das Buch als ganzes las. weiterlesen

#BlogLeseLiebe Windelfrei

Heute startet die neue Serie, in der wir unsere Lieblingsblogs vorstellen. (Danke Mama notes für die Anregung).

Ich starte mal mit einem Blog, der mich nun schon seit mehreren Jahren begleitet. Es handelt sich um den windelfrei-Blog von Nicola Schmidt und Christina Baris.

Windelfrei?

Windelfrei bedeutet, dass ein Baby ohne Windeln aufwächst. Es funktioniert nämlich, weil Babys signalisieren, wenn sie „müssen“. Erkennt man diese Signale, dann kann man das Kind abhalten und braucht keine Windeln.

Ich fand dieses Thema sehr faszinierend, vor allem, nachdem ich es bei unterschiedlichen Kinder gesehen habe, allerdings haben meine Versuche bei meinem Baby in diese Richtung nie geklappt.

Warum liest du dann den Blog?

Zum Einen, weil ich das Thema „windelfrei“ interessant finde, weil mehr als eine reine Vermeidung von Windeln dahinter steckt. Es geht um die Kommunikation mit meinem Kind, darum, es zu beobachten und seine Signale richtig zu deuten, damit ich seine Bedürfnisse erfüllen kann. Damit kann ich viel anfangen. Und auch wenn es mir nicht gelungen ist, die Signale meines Babys in Bezug auf seine Ausscheidungen zu erkennen, so habe ich doch gelernt, achtsam auf seine Signale zu achten und das hat unsere Bindung gestärkt.

Zum Anderen geht es im Windelfrei Blog nicht ausschließlich um Windeln und ihre Vermeidung. Es geht eben auch um die Bedürfnisse von Eltern und Kindern und um das Stärken der Beziehung. Und das sind Themen, die ja auch hier im Blog wichtig sind. Daher lese ich auch gerne diese Artikel.

Von windelfrei zu artgerecht

Außerdem hat sich der Blog in den letzten Jahren weiter entwickelt. Nicola hat inzwischen das artgerecht-Projekt ins Leben gerufen, was ich ebenfalls sehr interessant finde. Ich hatte auch inzwischen die Gelegenheit, Nicola einmal persönlich kennenzulernen, was auch sehr dazu beigetragen hat, dass ich gerne ihren Blog verfolge. Diesen schreibt sie mittlerweile nicht mehr alleine. Christina Baris trägt auch gute Artikel bei, die ich ebenfalls gerne lese.

Lieblingspost

Mein absolutes Lieblingspost im windelfrei Blog ist definitiv derjenige darüber, dass Attachment Parenting nicht funktioniert. Denn das ist auch etwas, was ich an diesem Blog mag. Er ist nicht dogmatisch und berichtet genauso vom Scheitern und Wieder-Aufstehen wie vom Gelingen.


Inspired by Mama Notes. Mehr zur #BlogLeseLiebe gibt es hier.

Das böse Stillen

Aufreger des Tages: schlecht recherchierte Artikel

Immer mal wieder erscheinen Artikel wie z. B. in der FAZ, in denen darüber geklagt wird, dass Mütter heutzutage einem unheimlichen Druck ausgesetzt seien zu stillen.
Überall werde betont, das Stillen sei leicht, jede Frau könne es und wenn sie es nicht schaffe, dann sei sie eine schlechte Mutter. Diese Aussagen kämen von Ärzten, Hebammen, Stillberaterinnen, selbst die Babynahrungsindustrie sage Stillen sei das Beste fürs Kind.

Update 20/07/2015: Herzlichen Glückwunsch an die NZZ, die sich jetzt ebenfalls mit einem grottenschlecht recherchierten Artikel in den Reigen einfügt.

Mythen, soweit das Auge reicht

Zum einen der Mythos, Muttermilch sei „das Beste“. Das stimmt so nicht. Muttermilch ist einfach nur die normale, artgerechte Nahrung eines menschlichen Babys. Daher kann man auch nicht von den Vorteilen des Stillens reden, sondern muss die Nachteile von künstlicher Säuglingsnahrung betrachten, so wie man ja auch bei anderen Lebensmitteln und ihren Ersatzprodukten das Original als Standard setzt und die Kopie daran misst.
Daher ist es richtig zu sagen, dass nicht gestillte Kinder im Vergleich zu gestillten häufiger erkranken und Mütter, die nicht stillen ihr Risiko an Brustkrebs zu erkranken erhöhen. Das sind Fakten – durch Studien belegt – und keine Angriffe.

Der zweite Mythos ist meiner Erfahrung als Mutter und Stillberaterin nach der (angeblich einseitige) Druck, der auf Mütter ausgeübt wird. Den bekommen stillende Mütter nämlich auch.

„Das Kind hat ja ständig Hunger, deine Milch macht bestimmt nicht satt.“

„Mit den kleinen Brüsten kannst du eh nicht stillen.“

„Gib ihm doch mal eine Flache, dann kann der Papa auch mal füttern.“

„Du kannst ja bloß nicht loslassen, deswegen stillst du immer noch, obwohl dein Kind schon (2, 4, 8, 9, 10, 11 usw.) Monate alt ist!!“

Diese Aussagen sind noch harmlos. Als Beraterin erlebe ich täglich, welchem Druck stillende Frauen ausgesetzt sind. Meiner Erfahrung hält sich das durchaus die Waage zu denen, die eben nicht stillen – und denen eben das angekreidet wird.

Das ist mein Körper?!

Vielen Müttern wird bereits im Krankenhaus das Vertrauen in die Fähigkeit ihres Körpers, ein Kind zu ernähren, genommen. Beziehungsweise ist oft nicht mal das Krankenhauspersonal auf dem Laufenden darüber, dass der sogenannte Milcheinschuss eben erst nach einigen Tagen kommt, vorher Kolostrum gebildet wird … oder welche Ursache außer Hunger es denn noch für ein schreiendes Baby geben könnte. Beispiele: schwere Geburten, Medikamenteneinfluss unter der Geburt, Krankenhausroutine mit Untersuchungen, Trennungen von der Mutter – und nicht zu vergessen: Mütter, die sich oftmals unsicher in der Rolle als neue Mutter fühlen, vom Krankenhauspersonal als „Patienten“ statt als Mutter wahrgenommen – und behandelt! – werden – und diese Unsicherheiten auf ihre zarten Neugeborenen übertragen. Die FAZ stellt den Stillorganisationen in Abrede, hier über die Gründe von verzögertem Milcheinschuss beziehungsweise gestörter Milchproduktion zu informieren – was nicht stimmt. Steht beispielsweise hier: Gründe für kurzes Stillen in Deutschland.

Oft wird der Aufbau der Stillbeziehung der Krankenhausroutine geopfert, weil es leichter ist, einer jungen Mutter eine Flasche in die Hand zu drücken, als sich Zeit zu nehmen, mit ihr das Anlegen zu üben. Gerade auch in zertifizierten babyfreundlichen Krankenhäusern wird das oft genug beobachtet. Denn es stimmt: Stillen muss man lernen, es ist kein Selbstläufer. Aber mit kompetenter Unterstützung kann man es lernen. Von der Freundin, die selbstverständlich stillt. Der Laktationsberaterin, der fachkundigen Hebamme oder von ehrenamtlichen Beraterinnen. In Stillgruppen, Cafès oder an sonst jedem Ort, an dem sich Mutter und Kind entspannen könnten. Das Krankenhaus gehört (oft und leider) nicht dazu.

Der Druck von außen setzt sich dann nahtlos zu Hause fort. Kinderärzte orientieren sich bei Größen- und Gewichtstabellen immer noch an nicht-gestillten Kindern (siehe U-Hefte!). Mütter und Großmütter, die meist selber nicht gestillt haben, verunsichern mit gut gemeinten Ratschlägen und auch sonst wird schnell zur Flasche geraten, statt die Mutter in ihrem Wunsch zu stillen zu bestärken.

Sogar die Werbung sagt …

Und hier kommt der nächste Mythos ins Spiel, dass sogar die Babynahrungsindustrie das Stillen propagiere. Das stimmt nämlich so nicht. Wie in dem Artikel dargestellt ist es ihr verboten, für Anfangsnahrung (also Pre und 1er) Werbung zu machen und sie ist dazu verpflichtet zu sagen, dass Stillen das Beste für das Kind sei. Gleichzeitig gelingt es ihr aber in ihrer Werbung den Eindruck zu vermitteln, dass das Stillen nicht lange vorhält, denn „nach dem Stillen“ gibt es ja die gute Folgemilch. Nur ist diese Milch ernährungsphysiologisch völlig überflüssig, genauso wie Bananen-Stracciatella-Brei. Darüber hinaus investiert die Babynahrungsindustrie viel Geld in Studien, die belegen, dass frühzeitig das Stillen durch Beikost ergänzt bzw. am liebsten gleich ganz ersetzt werden soll. Sehr viele Fortbildungen für Kinderärzte werden von der Babynahrungsindustrie gesponsort und das tut diese gewiss nicht, um den Ärzten zu erzählen, dass Stillen viel besser ist als ihre Produkte.

Ein weiterer Irrtum ist, dass es keine vernünftige Information über Flaschennahrung gäbe. Hier kann ich nur auf das hervorragende Buch von Regina Masaracchia „Wie, du stillst nicht?“ verweisen.

Zum Schluss noch etwas über den angeblich wachsenden Markt mit Stillhilfsmitteln und Laktationsberatung. Den gibt es wahrscheinlich, wenn er auch im Vergleich zur Babynahrungsindustrie verschwindend klein sein dürfte. Aber vor allem gibt es viele engagierte ehrenamtliche Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen (AFS) und der La Leche Liga, die eben gerade kein Geld mit Stillberatung verdienen und sehr wertvolle Unterstützung für ratsuchende Mütter bieten, ohne davon einen materiellen Gewinn zu haben.

Und jetzt die große Frage: Was hat das mit Vereinbarkeit zu tun?

Ganz einfach: Stillen ist, wie oben aufgeführt, die normale, artgerechte Ernährung eines Menschenbabys. So einfach ist das. Und es ist für Sabrina und mich ein Herzensthema. Außerdem ist Stillen praktisch und sorgt gerade im bindungsorientierten Eltern-Kind-Beziehungen für Pausen, viel Körperkontakt und Wärme. klar, das geht auch alles ohne Stillen. Aber meiner Erfahrung nach ist es MIT Stillen eben auf einer anderen (LIES NICHT: besseren) Stufe.

Stillen im Alltag von Erwerbstätigen (Mini-winziger Ausschnitt):

  • Exklusive Kuschelzeit zwischen Mutter und Kind, insbesondere wichtig nach (täglicher/langer) Trennung durch den Job
  • Immunkur fürs Kind: gestillte Kinder sind nun mal im Durchschnitt seltener krank
  • Stillen im Schlaf sorgt für entspanntere Nächte – ich bin morgens fitter, wenn ich NICHT aufstehen (und Flasche machen und Kind beruhigen) muss
  • artgerechte Versorgung des Kindes – ein Bonus, wenn wieder mal von außen der Druck auf „erwerbstätige Rabenmütter“ stärker wird