Blogparade:Vertrauen

Der Schwellentroll ruft zur Blogparade zum Thema Vertrauen auf. Es geht darum, ob Vertrauen gefährlich ist oder gut. Hier nun meine Antworten zum Thema:

Was genau bedeutet Vertrauen für dich? Welche Rolle spielt Vertrauen in deinem Leben / bei deiner Arbeit?

Vertrauen finde ich persönlich sehr wichtig. Ich möchte gerne Vertrauen können. Aber wem soll ich Vertrauen? Oder worauf? Ich möchte grundsätzlich mit Vertrauen ins Leben gehen und meinen Mitmenschen mit Vertrauen begegnen. Das bedeutet für mich, dass ich erst einmal daran glaube, dass das Leben und meine Mitmenschen es gut mit mir meinen. Daher gebe ich ihnen einen Vertrauensvorschuss. Das bedeutet, ich gehe positiv auf sie zu und gehe davon aus, dass sie mir auch positiv begegnen werden. Dabei gehe ich bewusst das Risiko ein, dass mein Vertrauen enttäuscht werden könnte. Aber das ist es mir wert, weil ich daran glaube, dass man erntet, was man sät. Wenn ich also Positives säe, werde ich auch meist Positives ernten. Daher lege ich bewusst meinen Fokus darauf.

Wie weit gehst du mit deinem Vertrauen? Glaubst du, dass wir immer und überall vertrauen können oder kennt dein Vertrauen Grenzen? Wenn ja, welche?

Wie schon geschrieben, gehe ich grundsätzlich positiv auf meine Mitmenschen zu. Das bedeutet aber nicht, dass ich ihnen alles über mich anvertraue oder ihnen gleich mein Portemonnaie in die Hand drücke. Da kennt mein Vertrauen Grenzen.

Eine Welt des grenzenlosen Vertrauens – ist das möglich? Wäre es eine bessere Welt oder eine, in der die meisten nur ausgenutzt würden?

Wenn wirklich alles Menschen vertrauensvoll miteinander umginge, dann würde ja niemand das Vertrauen des anderen enttäuschen. Dennoch halte ich so eine Welt für utopisch, denn soweit sind wir Menschen noch nicht. Grundsätzlich sehe ich aber viele positive Ansätze, was Vertrauen angeht von Foodsharing über öffentliche Bücherschränke bis zur selbstverständlichen Nachbarschaftshilfe. All dies funktioniert nur, weil eine Vertrauensbasis da ist. Und es sind gute und wichtige Ansätze.

Ehrenamtliches Engagement geht meiner Ansicht nach auch nur, weil Menschen einander einen Vertrauensvorschuss geben und vertrauensvoll miteinander umgehen.

Was das Thema Vereinbarkeit angeht, so ist auch hier Vertrauen unerlässlich. Wie könnte ich sonst guten Gewissens arbeiten gehen, wenn ich kein Vertrauen in meine Kinderbetreuung hätte?

Wie steht es mit deinem Vertrauen ins Leben an sich (oder in Gott, wenn du religiös bist)? Kennst du so etwas? Was hältst du davon, einfach so zu vertrauen, dass alles gut wird?

Ich erwähnte ja bereits, dass man meiner Meinung nach erntet, was man säht. Das kann man nun Gottvertrauen, Karma oder bescheuert nennen, aber ich glaube daran. Und für mein Leben fühlt es sich stimmig und gut an. Daher ja, ich kenne sowas. Und ich persönlich lebe gut damit, darauf zu vertrauen, dass alles gut wird. Ich möchte auch gar nicht anders leben.

Denn das Phänomen der selektiven Wahrnehmung funktioniert hier sehr gut: woran wir glauben, dass nehmen wir wahr. Wenn ich also mit Misstrauen hinaus gehe, dann werde ich verstärkt Dinge erleben, die mein Misstrauen bestätigen. Umgekehrt genauso. Dann entscheide ich mich lieber für Vertrauen, denn dann ist mein Leben angenehmer.

Wir haben die Wahl!

Es braucht ein Dorf

In einem Zeitungsartikel  las ich vor kurzem folgende Aussage eines französischen Kinderarztes auf die Frage, warum Französinnen so viele Kinder bekommen: „Sie bekommen so viele Kinder, gerade weil sie sich nicht um sie kümmern müssen!“ 

Diese Aussage klingt gerade im Zusammenhang dieses Artikels sehr böse. Aber losgelöst davon, steckt ein Funken Wahrheit darin. Denn französische Mütter müssen sich nicht alleine kümmern, wie es hier in Deutschland oft der Fall ist. Sie haben Unterstützung von Kindermädchen, KrippenerzieherInnen und der Ganztagsschule. Es bleibt nicht alles an der Kleinfamilie hängen.

Nun kann man sagen, das französische System sei auch nicht optimal. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es einfacher ist, das Leben mit Kind(ern) zu meistern, wenn man es nicht alleine tun muss.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen.

Früher gab es diese Dorf noch. Die Großfamilie, aber auch Freunde und Nachbarn kümmerten sich selbstverständlich mit um die Kinder. Die Kernfamilie war in ein Netz vielfältiger Beziehungen eingebunden. So wuchsen auch die Kinder ganz natürlich in dieses Beziehungsnetz hinein, mit vielfältigen Beziehungen und mehreren Bezugspersonen.

Heute sieht das oft anders aus. Die Großfamilie gibt es fast nicht mehr (ich kenne außer mir wenige Menschen, die drei Geschwister haben) und oft leben wir weit weg von den anderen Familienmitgliedern. Gerade in der Großstadt sind auch die Beziehungen zu den Nachbarn meist nicht so eng.

Da gilt es, sich ein eigenes Dorf zu schaffen. Freundschaften sind da eine gute Basis, aber zum modernen Dorf gehören auch Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Tagesmutter gehört genauso zu unserem Netzwerk wie der Babysitter, die Erzieherin im Kindergarten so wie auch unsere Freunde und meine Eltern.

„Ein eigenes Dorf schaffen“ bedeutet aber auch, dass ich bereit sein muss, neue Beziehungen aufzubauen mit den Menschen, die Teil meines Dorfes werden sollen. Und es bedeutet, Menschen, die mir zunächst fremd sind, aber zunehmend vertraut werden einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Das ist natürlich schwieriger, als auf ein über Generationen gewachsenes Netzwerk zurückgreifen zu können.

Es hat aber auch den Vorteil, dass ich mir die Bewohner meines Dorfes selber aussuchen kann. Mit so einem selbst gegründeten Dorf stehe ich nicht mehr alleine vor der Herausforderung, das Familienleben zu meistern. Ein tragfähiges Netz gibt meiner Familie Halt und mir Entlastung. Da lohnt sich die Investition in den Aufbau dieses Dorfes.