Wunsch oder Bedürfnis?

Vor kurzem habe ich hier auf dem Blog über Elterliche Bedürfnisse geschrieben. Im Nachhinein wurde ich darauf hingewiesen, dass viele Eltern nicht zwischen Wunsch und Bedürfnis unterscheiden könnten. Das hat mich nachdenklich gemacht, weil ich denke, dass das stimmt. Daher soll es heute hier um die Abgrenzung von Wunsch und Bedürfnis gehen.

Bedürfnis – was ist das eigentlich?

Ein Bedürfnis nach etwas setzt immer einen Mangel an genau dieser Sache voraus. Habe ich das Bedürfnis, etwas zu essen, dann habe ich Hunger, also einen leeren Magen. Habe ich Durst, also das Bedürfnis, etwas zu trinken, dann habe ich zu wenig Flüssigkeit.

So weit, so einfach: was sind aber meine Grundbedürfnisse?

Grundbedürfnisse sind

  • Erholung, Schlaf
  • Nahrung, Wasser
  • Sicherheit
  • Unterkunft
  • Kleidung
  • Respekt, Anerkennung
  • Gesundheit
  • Selbstwirksamkeit

In der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg sind Bedürfnisse unabhängig von Zeiten, Orten und Personen. Sie stehen auch nie im Gegensatz zueinander. Es sind die Strategien, die wir zur Bedürfnisbefriedigung verfolgen, die miteinander in Konflikt geraten.

Und ein Wunsch? Wo ist da der Unterschied?

Bedürfnisse sind allgemein. Wünsche unterscheiden sich von Bedürfnissen dadurch, dass sie konkreter sind.  So ist z. B. „Ich habe Hunger.“ ein Bedürfnis, wohingegen „Ich will zu McDonalds“ ein Wunsch ist, der das Bedürfnis nach Hunger konkretisiert. Der Wunsch beinhaltet schon eine Strategie.

Daher ist es wichtig, zwischen Wunsch und Bedürfnis unterscheiden zu können. Damit ich sowohl bei mir selber wie auch bei meinem Kind das Bedürfnis befriedigen kann, das dem Wunsch zugrunde liegt. Denn der Kauf von neuen Kleidern befriedigt nicht mein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Es ist nur mein Versuch, diese zu bekommen.

Genauso wenig befriedigt die Überhäufung unserer Kinder mit Spielzeug ihr Bedürfnis nach Zeit mit uns Eltern, in der wir uns mit dem Kind beschäftigen. Daher tauchen Wünsche auch immer wieder in neuer Form auf, während befriedigte Bedürfnisse von selber verschwinden.