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Wieviel Förderung braucht mein Kind?

Muss ich mein Kind fördern? Ist es wirklich nötig, zusätzlich zu Kindergarten oder Schule noch Kurse zu besuchen?

Mittlerweile meine ich das nicht mehr. Denn im Kindergarten kann mein Kind den ganzen Tag spielen und lernen, gefördert wird er dort. Nötig ist es also nicht. Zumal ja auch meine Beschäftigung mit meinem Kind durchaus eine Förderung sein kann, wenn sie auch nicht gezielt so gedacht ist. Wenn ich aber mit meinem Kind gemeinsam bastle, singe, Bücher vorlese, dann fördert das ja auch.

Bei meinem großen Sohn sah ich das noch anders. Ich habe mich mit ihm hingesetzt, um ihm etwas beizubringen. Damit der XY lernt. Weil ich dachte, dass ich aus jedem seiner Interessen ein Projekt machen müsste um ihn zu fördern. Meist hat das dazu geführt, dass seine Interessen sehr schnell wieder versiegt sind, weil ich sie erst einmal zu meinen eigenen gemacht habe.

Warum das so ist, habe ich eindrucksvoll bei einem Elternabend der Pikler-Spielgruppe erlebt, die ich mit meinem kleinen Sohn besucht habe: Wir wurden aufgefordert, mit den Materialien im Raum einfach mal selber zu spielen. Ich begann also, mit den bunten Bechern vor mir, etwas zu bauen. Da kam auf einmal die Kursleiterin und nahm mir die Becher mit der Bemerkung aus der Hand: „Ich zeige dir mal, wie das geht.“ Da merkte ich, wie es meinem Sohn damals wohl gegangen war, wenn ich mich in seine Interessen eingemischt habe. Denn ich wurde richtig wütend und trotzig. Ich hatte keine Lust, mich auf die Anregung einzulassen.

Ein gesundes Kind braucht keine Extra-Förderung. Wenn es gerne in einen Sportverein möchte oder ein Instrument lernen, dann kann es das tun. Aber nur, wenn es mehr Vergnügen bereitet, als es an anderer Stelle an Stress verursacht. Meine Kinder dürfen ihren Interessen folgen. Ich biete ihnen auch etwas an, aber ich fördere sie nicht gezielt. Das Tun „um etwas zu lernen“ habe ich aus unserem Familienalltag gestrichen. So ist unser Leben viel entspannter und vor allem weniger hierarchisch. Denn jetzt kann ich auch von meinen Kindern lernen und muss ihnen nichts mehr beibringen.

Das bedeutet konkret, dass ich mein Kind nicht jeden Nachmittag nach Arbeit und Kindergarten noch zu einem Kurs oder Termin fahre. Viel lieber gehe ich mit meinem Kind in den Garten hinter dem Haus, ich werkle noch etwas im Garten und das Kind spielt alleine oder mit dem Nachbarskind, das durch die Lücke im Zaun zu uns kommt. Wir machen aber auch gemeinsam Ausflüge, lesen vor, singen, spielen Spiele am Tisch oder am Computer, basteln, malen und gehen ins Theater. Aber wir machen das, weil es uns Freude bereitet, nicht damit irgendwer von uns irgendetwas dabei lernt.

1 Kommentare

  1. Schön wäre dann nur noch, wenn die ganzen potentiellen Spielkameraden nicht ständig beim Fußball, Gitarrenunterricht, Hockey, Ballett, Flöten, Tanzen, Turnen, Kochkurs, Geigen- oder Klavierunterricht wären.

    LG
    Tanja

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