#wib, Familienalltag, featured, gewaltfreie Kommunikation
Schreibe einen Kommentar

#wib vom 18. & 19. November 2017: #febub

Ein langer Beitrag, der vor allem aus jede Menge Input zur #febub besteht, u. a. mit Nicola Schmidt, Frau Mierau, Mathias Volchert, Dr. Herbert Renz-Polster, Andre Stern und – noch ein paar mehr. Kuchen und Alkohol gabs auch.

But first: Freitag, der Tag davor!

Ausnahmsweise starten wir mal einen Tag vorher. Bis mittags ist noch Schule, bis mittags arbeite ich noch den einen oder anderen Punkt ab. Unter anderem gehören wir zu den „Spät-Packern“… sprich: Ein paar Stunden vor Abfahrt fix alles in die Taschen zu stopfen, muss reichen.

Sieht schon wieder aus, als wollten wir länger wegbleiben… dabei ist es nur ein Wochenende mit vier Personen!

Ich selber brauch ja nicht soo viel..

Dann ist es aber soweit: Kinder einsammeln, eine Runde bei McD anhalten (Wunsch von Kind 2), tanken und ab auf die Autobahn. Da reiht sich Baustelle an Baustelle, sodass wir erst abends bei Tanja von Josaliebe ankommen. Schlafplatz herrichten, müde noch einen Kaffee trinken – so sieht das für uns Erwachsene aus. Die Kinder toben derweil. Stundenlang.

Und unterdessen bei Uta:

Auch hier ein ganz normaler Freitag mit Haushalt und Essen machen und was halt so dazu gehört. Nachmittags gönne ich mir noch – wie mittlerweile fast jede Woche – eine Einheit in der Salzgrotte zum Runterkommen und Entspannen vor dem anstrengenden Wochenende. Unterwegs verfolge ich die Zwischenberichte von Sabrina von der Autobahn und drücke die Daumen, dass sie heil und schnell ankommen.

Samstag, 18. November 2017

Ich würd ja gerne voll strahlend ein Selfie posten – aber mehr als ein müdes Lächeln geht um 6 Uhr morgens nicht. Naja, und Kaffee natürlich.

Tanjas Auto hat keine Lust, anzuspringen. Dann quetschen wir uns halt zu fünft in meine kleine, aber feine Schüssel und fahren die eigentlich kurze Strecke rüber nach Bochum.

Kaum ist das Auto richtig schön warm, sind wir auch schon da. Auf den letzten Drücker, wie immer.

Schnell reinhuschen, Kinder zur Kinderbetreuung bringen – denn ja, die gibt es natürlich! Nach 2min Reserviertheit wollen es meine beiden immerhin probieren. Zack, weg sind sie auch schon…

Und unterdessen bei Uta:

Auch ich bin schon sehr früh auf und wahnsinnig aufgeregt. Einerseits freue ich mich sehr auf die FEBuB, andererseits frage ich mich, ob ich das wohl schaffen werde. So viele Menschen, so viele Reize….

Und so gibt es auch hier erstmal Kaffee in der Motto-Tasse (das Thema kommt später nochmal) und ich atme tief durch, bevor ich nach Bochum fahre, an meine alte Uni.

Sabrina:

Es gibt Kaffee, Wasser – und eine schöne, stimmige Begrüßung im knackevollen Saal. Olivia von Freefamily.rocks leitet mit einem Gedicht (lang, aber berührend) ein. Und dann kommt die wunderbare Nic reingestürmt.

Ihr Thema: Entschleunigen, weniger perfekt sein (wollen) und überhaupt aufmerksam sein, dass Funktionieren halt auch nicht immer eine Option ist. Oder sein sollte.

Besonders spannend für mich: Schon im Mutterleib prägt eine stressige Umgebung das Ungeborene. Und manche Menschen können deshalb – rein von der Verdrahtung im Gehirn her – mit Stress weniger gut umgehen. Das ist normal (für eben diese Menschen) und nicht-ihre-Schuld. Wichtiger als Schuldzuweisungen sind Strategien, um mit dem Stress umzugehen:

  • Erden (=Schuhe aus und mit den Füßen den Boden spüren),
  • Co-Regulation in seinen Varianten,
  • Haut- und Körperkontakt in Form von umarmen, tragen, streicheln, berühren…
  • raus in die Natur,
  • Erwartungen insgesamt runter schrauben

Und: Nachsicht mit sich selbst üben. Weil es normal ist, in manchen Situationen erstmal auszuticken. Weil wir so gebaut sind, weil manchmal der rationale, vernünftige Teil von uns einfach abschaltet.

Uta:

Auch mir hat der Vortrag von Nic unglaublich gut getan. Und mir gerade, was Co-Regulation angeht, auch noch mal einen Weg aufgezeigt, wie ich mit meinem Stress besser umgehen kann. Auch, indem ich fünf Minuten vor Ende aus dem Vortrag rausgehe, weil ich den Kopf schon voll habe, und dafür mit Kaffee und Toilettengang ohne lange Schlange belohnt werde.

Sabrina:

Ein Kaffeepäuschen und eifriges Geschnatter im Foyer später kam dann Frau Mierau, die über Geborgenheit sprach.

Wenn man, wie Uta, all das gemacht hat, schon seit Jahren so für sich selbst Geborgenheit schafft und trotzdem im Burnout landet, liest sich das etwas zynisch. Auch für mich sind das Tipps, die ich eher als völlig normal und alltäglich eingestuft hätte – aber die nickenden Köpfe rundum zeigen, dass es wohl doch nicht soo alltäglich zu sein scheint.

Uta:

Mich hat dieser Teil des Vortrags sehr genervt. Denn wenn meine grundlegenenden Bedürfnisse nach Ruhe und Erholung nicht befriedigt sind, hilft mir auch keine Motto-Tasse. Weil diese doch eher ein ästhetisches Bedürfnis befriedigt.

Ich hätte hier gerne politische Forderungen gehört und gelesen, denn das ist die Ebene, auf der wir meiner Meinung nach ansetzen müssen. Sonst ist alles wieder nur ein individuelles Vereinbarkeitsproblem.

Sabrina:

Dann wird es aber Zeit fürs Mittagessen – die Kinder berichten aufgeregt von ihren Mal- und Spielideen, stürzen sich nach einer langen Schlangen-Steh-Zeit wie verrückt auf das angebotene Gulasch und …tja. Kind 1 will lieber mit in die Vorträge rein, zuhören. Kind 2 will weiter toben und verschwindet wieder im Kinderbetreuungsnirwana.

Der folgende Vortrag von Stefanie Stahl befasst sich mit dem inneren Kind – und wie man damit umgeht, wenn Triggerpunkte aus der eigenen Vergangenheit immer mal wieder an die Oberfläche kommen.

Da kann es dann schon mal sein, dass sich vergangene Kränkungen auf Paarebene oder in der Interaktion zwischen Eltern und Kindern wiederholen. Wie wichtig es ist, sich damit – wie ich annehmen würde, mit professioneller Begleitung – zu beschäftigen, merkt man ja oft erst, wenn man sich wie die eigenen Eltern anhört.

Noch ein Päuschen, noch ein Käffchen, noch etwas durchatmen. Dann sitzen wir voll gespannt im Saal. Kind 1 dagegen sitzt auf meinem Schoß und lauscht ganz entzückt Nora Imlau, die über die Bedeutung der natürlichen Geburt spricht.

Nora galoppiert in einem irren Tempo durch ihr Thema – und es ist ja auch irgenwie unseres, bei allem. Denn eine gute Geburt führt zu einer Mutter, die stark aus dieser Grenzerfahrung heraustritt. Was ich eminent wichtig fand  – und glücklicherweise auch Nora – ist die Definition der guten Geburt. Denn die ist relativ simpel: Jede Frau definiert für sich selbst, was für sie – individuell – eine gute Geburt ausmacht. Das kann der geplante Kaiserschnitt in Vollnarkose genauso sein, wie es die Hausgeburt mit Doula im Geburtspool sein könnte. Oder die Alleingeburt im Wald.

Immer wieder triggern mich Punkte, und es tut gut zu sehen, wie gut es meinem großen Kind geht, sie ganz in echt zu sehen und zu spüren, während Nora über die verschiedenen Formen der Gewalt unter der Geburt spricht – und darüber, dass auch das nur jede Frau allein für sich definieren kann.

Zwischen den Vorträgen schauen wir immer auf dem kleinen Ausstellermarkt vorbei, stöbern am Bücherstand und begrüßen die Kolleginnen am AFS-Stand. Kind 1 hat ein Buch von Nora entdeckt – kaum habe ich es bezahlt, nutzt sie die Gelegenheit und lässt es sich signieren.

Wir nutzen den Moment, um etwas veganen Apfelkuchen und mehr Kaffee zu erwischen.

Und dann ist Andre Stern dran. Ich dachte ja, Kind 1 würde ihm begeistert zuhören, wenn er übers Spielen und freies Lernen spricht – aber nichts da. Sie findet ihn tatsächlich fürchterlich und geht lieber wieder in der Kinderbetreuung spielen!

Uns allen brummt mittlerweile längst der Schädel. So viele Infos, so viele spannende Vorträge.

Und so endet der erste Tag der Febub: Wir düsen alle nach Hause zurück, mit schwerem Kopf. Abends futtern wir bei Tanja und schließen den Tag mit einem Bierchen ab, während wir über definierte Gewalt in der Geburtshilfe und innere Glaubenssätze sprechen.

Die Kinder toben derweil durchs Spielzimmer, erst nach Mitternacht kippen sie irgendwann um. Und wir auch.

Uta:

Auch ich komme total erschossen und mit schwirrendem Kopf nach Hause. Die Kinder erzählen, dass sie beim Fußball gewonnen haben und ich verschwinde nach einem schnellen Abendessen im meinem Zimmer zum Meditieren. Danach ist der Kopf so frei, dass ich noch etwas Zeit mit der Familie verbringen kann.

Sonntag, 19. November

Schon wieder so früh. Schon wieder nur ein müdes Lächeln. Und KAFFEE.

Aber heute sind wir „in Übung“ und zackiger fertig als gestern. Noch Tanjas Auto fremdstarten und schon düsen wir über die leeren Autobahnen im Pott.

Und unterdessen bei Uta:

Ich finde das Aufstehen heute leichter, auch wenn es immer noch früh ist. Natürlich gibt es erstmal Kaffee und dann mache ich mich auf den Weg nach Bochum.

Los gehts als allererstes mit Dr. Herbert Renz-Polster. Man merkt den steigenden Fangirl-Pegel im Raum, kaum dass er mit seinem Thema „artgerechte Erziehung“ beginnt.

Wenn man de facto jedes Buch und jede Veröffentlichung vom Herbert kennt, ist so ein Vortrag keine große Neuerung. Aber trotzdem schön, es noch mal in aller Ausführlichkeit zu hören!

Uta:

Ich mag ja den Dialekt vom Herbert, deswegen höre ich ihm besonders gerne zu. Außerdem ist es eine gute Wiederholung, denn ich vergesse ja doch immer wieder Dinge.

Sabrina:

Auf den folgenden Vortrag habe ich mich besonders gefreut: Aida von Elternmorphose spricht über den Unsinn von Strafen – und wie es stattdessen laufen könnte.

Ich wünsche mir wirklich, dass mehr Eltern darüber Bescheid wüssten. Denn Kinder

  • wollen kooperieren
  • zeigen deutlich, wenn auf Beziehungsebene etwas nicht stimmt
  • empfinden Strafen als Vertrauensbruch
  • brauchen keine Angst, um zu lernen (sondern eine positive, bestärkende Begleitung!)

So einfach, eigentlich. Und doch so schwer, denn unsere Generation und die davor hat es -leider – anders vorgelebt bekommen. Da wieder heraus zu kommen, erfordert viel Kraft und auch Mut.

Uta

Ich würde den Vortrag am liebsten ganz vielen Menschen zeigen. Auch ich kenne so viele, die meinen, man müsse nur konsequent genug sein, loben und strafen, etc. Vielleicht zwinge ich ja den ein oder anderen dazu, sich die Aufzeichnung anzusehen. 😉

Mittagspause, Käffchen & Gespräche

Es gibt wieder was zu futtern und die Kinder hungern nahezu in der Warteschlange. Auch unsere Geduld neigt sich langsam dem Ende zu – so viel Input schreit einfach danach, in Ruhe verdaut zu werden.

Und so sitzen wir zwar noch bei Lienhard Valentin und lauschen seinen Ausführungen, sind aber nicht mehr richtig aufnahmefähig.

Auch Mathias Volchert von familylabs kann uns (leider!) nicht mehr richtig rausreißen. Also machen wir das beste draus, suchen uns vor der Tür eine Sitzgruppe und diskutieren rum.

Der Kongress endet. Wir drücken noch mal fix die kaputte, aber sehr glückliche Kathrin  und steigen wieder in die Autos. Uta braucht jetzt etwas Pause und wir, wir knobeln noch im Auto an den verschiedenen Ansätzen zur gewaltfreien Kommunikation, die wir heute gehört hatten.

Das zieht sich bis weit in die Nacht, nur unterbrochen vom Abendessen, dass die Männer improvisiert haben.

An Tanjas Küchentisch zu sitzen und stundenlang zu diskutieren, wann gewaltfreie Kommunikation an ihre Grenzen kommt, wie man in Beratungssituationen in welcher Art und Weise auf Männer und Frauen zugeht, welcher Gewinn durch eine insgesamt gewaltfreiere Sprache auch für Kinder spürbar wäre – das war der perfekte Abschluss nach diesem Wochenende.

Uta

Ich habe das Wochenende sehr genossen, auch wenn es unglaublich anstrengend war. Aber es hat sich gelohnt, auch weil ich gemerkt habe, dass ich mir langsam wieder mehr zutrauen kann. Und weil ich es geschafft habe, gut auf mich zu achten und auch mal fünf Minuten eher aus einem Vortrag zu verschwinden, wenn es mir zu viel wurde. Das macht mir Hoffnung.

Sabrina und Uta:

Wir haben es schon im Vorfeld und auch direkt auf dem Kongress ausgesprochen: Liebe Kathrin und liebe Kira, ihr habt das unfassbar toll gemacht! Die Atmosphäre war heimelig, das Essen gut, die Location professionell und die Messe winzig, aber gut bestückt. Wir freuen uns schon auf die nächste Runde!

 

 

 

Vorsichtshalber und ausnahmsweise ein Disclaimer: Wir haben unsere Tickets und die Anreise selbst bezahlt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.