Und jetzt auch noch ein Hund – Vereinbarkeit mit Tier

Es gibt ziemlich viele, ziemlich viele gute Gründe für ein Haustier. Und genauso viele Gründe, die dagegen sprechen. Zuerst die Hauptargumente dagegen:

  1. kostet Zeit
  2. kostet Geld
  3. kostet Nerven
  4. macht Dreck/Arbeit
  5. zusätzliche Belastung für X (meist: die Frau)
  6. Wohin damit im Urlaub?
  7. und so weiter…

Und die Argumente dafür?

Der Hund im Haus ist i. d. R. eine lebende Alarmanlage. Hunde agieren in Co-therapeutischer Hinsicht wertvoll: Sie wirken Stress und Belastungssituationen entgegen, wirken als verlässliche Anker im Familienleben. Auswirkungen auf Scheidungskinder listet beispielsweise das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik auf. Auf  sehr aktive und sensible Kinder wirken Hunde beruhigend und ausgleichend. Durch den notwendigen Auslauf und das Spielbedürfnis sorgt „der Hund“ für mehr Bewegung in der Familie.

Davon trifft uns als Familie nur ein Teil, manches auch gar nicht. Ich bin mit Hunden aufgewachsen, für mich „gehört das dazu“, solange es die äußeren Umstände zulassen. Flexible Arbeitszeiten, Grundstück und Allergiefreiheit lassen das bei uns.

Am Anfang war der Familienhund ein Wachhund

Jedenfalls bei uns. Denn Hund 1 kam 2007 zu uns, aus einer Pflegestation der Tierhilfe. Vor spanischen Tötungszellen gerettet und aufgepeppelt sprang er uns wie ein „kleiner“ 6jähriger Wirbelwind an.

Familienhund #1, unterwegs

Familienhund #1, unterwegs

Da hatten wir noch keine Kinder. Aber ein neues Haus mit Grundstück, zwei Jobs mit „flexiblen“ Arbeitszeiten und meinen Wunsch nach einem weiteren Haustier. Ok, die vorhandene Katze ist dann abgewandert – einen Hund im Haus wollte sie nicht akzeptieren – aber der Hund, der war glücklich mit uns.Und ich war glücklich mit ihm, denn: Er war eine lebende Alarmanlage. Und das war mir zu dem Zeitpunkt sehr wichtig.

Kind 1 kam und der Hund liebte sie abgöttisch. Er warnte, wenn Kind 1 unbeobachtet das Grundstück verlassen wollte, tobte mit ihr und gab eine passable Fußdecke ab.

Kind 2 kam. Der Hund wurde älter, tobte weniger und bewachte vor allem seine inneren Augenlider (er schlief viel). Er wurde krank, wir alle mussten seine offenen Geschwüre und die schlechten Arzt-Diagnosen ertragen. Aber er zockelte uns immer noch von Zimmer zu Zimmer hinterher, lag im Garten hinter mir, wenn ich die Kräuter pflegte und rannte wie verrückt davon, wenn jemand mit dem Gartenschlauch kam.

Was die Kinder mit diesem Hund gelernt haben: Leise Autofahren, weil das Auto so furchtbar schallt und der Hund dann Schmerzen in den Ohren bekommt. Stillhalten und langsam den Hund bürsten, der mit seinem langen Fell viel Pflege brauchte. Um Hunde herumgehen und nie hinten zwischen die Beine fassen (nie!).

Hund 1 verließ uns im Frühjahr 2014. Es hat fast ein Jahr gebraucht, bis wir uns nach einem neuen Hund umsehen konnten.

Familienhund, reloaded

Seit Anfang 2015 haben wir ihn jetzt, den Familienhund 2.0. Und wir lernen neu:

Hunde haben empfindliche Ohren (kein reinschreien). Und empfindliche Augen (kein reinleuchten). Und sie können es nicht leiden, wenn man ihnen andauernd hinterherläuft. Soweit so gut.

Alltag mit Hund, Kindern & Job

Morgens werden erst die Kinder in der KiTa abgeliefert. Dann drehen wir die erste Runde mit dem Hund. Wir, d. h. der Gatte und ich, sofern er eine freie Schicht hat. An seinen Arbeitstagen bin ich mit meinen Kopfhörern samt guter Musik alleine. Wieder daheim, gibt es den ersten Kaffee für mich. Dann geht es an die Arbeit, während der Hund eine Runde pennt.

Mittags schließt sich die nächste Runde an – samt Toberunde im Garten. Und hier noch mal ausdrücklich: Ich arbeite den ganzen Tag am Rechner. Wenn ich nicht müsste, ich würde mich gar nicht erheben. Sondern einfach dasitzen und schreiben, schreiben, schreiben. Zwischendurch aufzustehen, mich zu bewegen und kurz den Kopf von Bidlschirmen wegzubewegen, ist für meine Effektivität im Job enorm wichtig.

Danach gehe ich wieder an die Arbeit und er pennt. Der hat ein Leben! Zum Kinderabholen wird er ab und an mit genommen, im Auto oder zu Fuß. Nachmittags spielen die Kinder mit ihm – oder er pennt.

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Familienhund #2, abendliche Kuschelspielrunde

Kurz vor der Schlafenszeit geht es nochmal raus. Wenn die Kinder besonders laut sind, auch gerne mal für eine ganze Runde. So klärt sich der Kopf. Gefüttert wird er einmal am Tag, Training läuft nebenher, direkt im Alltag. Ein Beispiel? Ablegen nach dem Spaziergang und warten, bis alle soweit ausgezogen sind. Bei Fuß bleiben, wenn Besuch in der Tür steht. Das üben wir also mittendrin im Alltag. Apportier- und Jagdspiele sind für unseren potenziellen jagdtriebgesteuerten Streuner keine Spieloption, aber Verstecke auffinden und Leckerlies „befreien“, macht ihm Spaß – und den Kindern.

Am Wochenende ziehen wir entweder durch das Dorf oder fahren an die Donau zum Laufen. Im Sommer werden wir vor allem im Garten sein. Das mit dem Arbeiten im Garten werde ich dieses Jahr auch wieder testen.

Klingt jetzt alles nicht so arg aufwendig, oder?

Wöchentlicher Zeitaufwand: circa 1h zur Futterbeschaffung & gut 10h Spazierzeit. Plus notwendige Tierarztbesuche, Hundeschule/Trainingszeit.

Klappt bei einem bereits erwachsenen Hund gut im normalen Alltag. Ein Welpe darf vom Zeitaufwand her wie ein Baby eingestuft werden – da muss wesentlich mehr Zeit eingeplant werden.

Urlaub & Arbeitszeiten: Wir haben die Option, den Hund in Urlaubszeiten zu seiner vorherigen Pflegestelle zurückzubringen. Der letzte Test lief großartig – für ihn und für uns. Im Grundsatz werden wir aber probieren, Kind- UND Hundgeeignete Urlaubsplätze zu finden.

Arbeitszeiten: Flexibler Freiberufler-Manier sei es gedankt, haben wir hier keine Schwierigkeiten. Wer den ganzen Tag außer Haus arbeitet, sollte sich allerdings Gedanken darüber machen, was der Hund allein anstellen soll – oder kann.

Infoseiten & Hilfreiches im Netz


Wenn die Entscheidung für einen Hund im Raum steht: Es gibt zig Tierhilfen, private Pflegestellen und auch staatliche Tierheime. In allen Stationen sitzen ehemalige Haustiere und warten auf eine neue Familie. Züchter können (!) hervorragende Arbeit abliefern und wunderbare Tiere zum Verkauf ausschreiben. Ob es notwendig ist, sich für viele Hundert Euro einen Welpen ins Haus zu holen, wenn im nächsten Tierheim 100 ausgewachsene, traurige Hunde sitzen – für uns hat sich diese Frage nie gestellt.

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Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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