Social life – Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Hobby

Bislang haben wir hier viel darüber geschrieben, wie es so ist mit der Familie und der Erwerbstätigkeit. Darüber, wie wir mit unseren Kindern umgehen, nämlich respektvoll und bindungsorientiert. Und dabei auf uns selbst achten, unsere eigenen Bedürfnisse im Blick behalten.

Was fehlt noch? Genau: Social Life.

Also: Hobby. Sport. Freunde. Ehrenamt. Uta und ich sind beide im gleichen Verein aktiv, arbeiten dort intensiv und mit großer Freude mit. Ab und an werden wir gefragt: Und wie zum Geier schafft ihr das jetzt eigentlich auch noch???? Uta hat übrigens im „Ein Wochenende fürs Ehrenamt“ mal gaaaanz kurz zusammengefasst, wie das so aussehen kann.

Ein kleiner Rückblick dazu, wie es bei mir war:

Meine Tochter kam 2008 auf die Welt. 2008 und viel von 2009 kamen Social Life deutlich zu kurz. Ich war über „aufstehen, anziehen und den Tag überstehen“ überaus glücklich. Und wenn ich binnen einer Woche noch 1-2 Seiten meiner Abschlussarbeit schreiben konnte, war die ganze Woche ein voller Erfolg. Warum war das so? In aller Kürze: schwieriges Kind, kein Dorf als Rückhalt, gänzlich neue Situation. Als Student hatte ich außerdem eine ganz eigene Vorstellung von Social Life: nämlich mindestens gemütliches Kaffee trinken und ratschen, vom abendlichen Ausgehen ganz zu schweigen. Aber seien wir ehrlich miteinander: Bei einem beinahe-Schreikind kommt abendliches Ausgehen nicht gut. Social Life nahezu null. Ab und an mal 1-2 Stunden, die Raum für etwas Studienarbeit und Kaffee mit Studienkolleginnen ließen. Das wars.

Dann kam 2009/2010 der Verein in mein Leben, neue Verbindungen zu Frauen in meiner Situation taten sich auf. In meiner Situation meint: Frauen, die bindungsorientiert mit ihren Kindern umgingen, Arbeiten gingen/daheim waren, Freude an ihren Kindern hatten – und nebenher weiter ehrenamtlich tätig waren. Die haben das ja auch alle hinbekommen, dachte ich mir.

Und tatsächlich: Tochterkind wurde größer und der nachfolgende Sohn war deutlich „pflegeleichter“ im Umgang. Ich wuchs hinein in „Social Life“ mit Kind, Arbeit und Familie.

Hilfreiche Aspekte im Social Life

Was hilft, um alles unter einen Hut zu bringen?

  • Freundschaften variabel pflegen
    Es muss nicht immer das stundenlange, persönliche und ungestörte Gespräch sein. Manchmal tut es auch ein intensiver 10 Minuten Chat in Facebook. Oder das Telefongespräch nachts um 23:00 Uhr, wenn die Kinder schlafen. Oder ein Treffen mit Kindern, bei denen sie sich ausdrücklich richtig viel bewegen können.
  • Ansprüche an die Situation anpassen
    Mit zwei Kleinkindern in RUHE Kaffeetrinken? Nahezu unmöglich, jedenfalls hier. Also entweder die Kinder wegorganisieren oder die Ansprüche senken. Inzwischen kann ich auch zwischen tobenden Kindern meine innere Ruhe finden und mich unterhalten. (das war ein LANGER Weg!)
  • Auf Vereinbarkeit achten
    Da ist unser Stichwort wieder. Zufällig ein Verein, der sich der Stillförderung verschreibt, auch so richtig gut vereinbar mit Familie und (kleinen) Kindern. Kinder sind immer erwünscht, werden immer mit eingeplant, dürfen überall mit dabei sein. Das nimmt mir den Stress, permanent die Kinder anderweitig zu beschäftigen/wegzuplanen. Zu Vereinstreffen nehme ich sie einfach mit.
  • Abwarten und Kaffee/Tee trinken
    Das regelt sich tatsächlich von allein. Je älter die Kinder werden, desto eher ist Raum für meine eigenen Bedürfnisse. Genauso regeln sich auch die Freunde und deren Ansprüche an meine Verfügbarkeit: Freunde und Bekannte ohne Verständnis für einen ausgefüllten Terminplan verschwinden gelinde gesagt langsam aber sicher aus meinem Terminplan. Dafür bleiben die, die in ähnlichen Situationen sind, selbstverständlich drinnen. Aus gemeinsamen Aktivitäten ergeben sich auch neue Freundschaften.

Immer und überall gilt natürlich: Klare Absprachen innerhalb der Familie und mit dem Partner sind eine grundsätzliche Notwendigkeit. Im Idealfall zieht der Partner mit und fängt auf, wenn sich das Social Life mal doch nicht mit den Kindern/dem Berufsleben vereinbaren lässt.

Wie ist das bei euch? Welche Punkte helfen euch, Social Life, Beruf und Familie unter einen Hut zu packen?

 

nach

Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

2 Gedanken zu „Social life – Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Hobby

  1. Katharina Landgraf

    Hallöchen,
    ich bin berufstätige Mutter (30h/Woche) einer 3 1/2j Tochter und habe auch mein Ehrenamt Stillberatung.
    Wie man alles unter einen Hut bekommt? Planung & Organisation, Kommunikation und viel Humor/Gelassenheit 🙂
    Ich plane mit meinem Mann schon über weite Strecken unsere Wochen/Wochenenden. Ja selbst, ein Wochenende wo nichts gemacht werden soll, wird als solches „geplant“. Da er von Mo – Mi nicht daheim ist, müssen viele Abstimmungen schriftlich erfolgen – so teilen wir unsere elektronischen Kalender. Dafür muss es eine gute Kommunikation geben.
    Meinen beruflichen und privaten Alltag organisiere ich mit und ums Kind herum. Zwischen Büro und Tagesmutter habe ich mir einen Puffer gesetzt von gut 45min. Ich kann also bei Bedarf mal im Büro „überziehen“ ohne in Stress zu geraten. Das kostet auch Geld, aber das haben wir auch gemeinsam als Eltern/Eheleute so beschlossen. Lieber ein kleinerer Urlaub und dafür „Erholung“ übers Jahr.
    Keine „leeren“ Wege – der Weg von der Tagesmutter ins Büro wird für Mails & Nachrichten am Handy verwendet.
    Der Weg vom Büro zur Tagesmutter wird für Einkäufe genutzt bzw. E-Mail/Facebook via Handy.
    Mein Ehrenamt, da unterstützt mich mein Mann. Betreut das Kind, wenn ich zB am Sa auf einer Messe stehe oder abends mich um Vereinsarbeit/-unterlagen kümmern muss. Bremst mich, wenn ich mir zu viel auflade.
    Und wenn es mir zu viel wird, dann rufe ich um Hilfe. Dann fällt schon mal ein Musikkurs aus, dann bleibt mal die Wäsche liegen und da gibt es auch mal Tiefkühlpizza am Sofa.
    Heute habe ich zB meine Schwiegermutter gebeten, das Kind zu „übernehmen“ – so konnte ich in Ruhe Großeinkauf machen und nun Wohnung putzen. (Nach dem Posting gehts an den Herd ^^)
    Social Life fängt nun wieder an – tolle Babysitterin gefunden, somit Zeit für uns als Ehepaar. Aber da haben wir uns Zeit gelassen und genommen – bis wir 3 soweit waren, dass unsere Tochter dafür bereit war.

    • Hallo Katharina,

      danke für deinen Einblick! Sehr organisiert, gefällt mir 😉

      Stimmt, manchmal dauert es auch einfach, bis man bestimmte Sachen angehen kann. Da muss schon für alle in der Familie der Zeitpunkt einigermaßen passen.

      (sorry, dein Kommentar war im Spam gelandet, deshalb die längere Anwortdauer. Hab dich da gerade erst rausgefischt..)

      Lg Sabrina

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