Fußball EM – gemischte Gefühle

Es ist Fußball EM, besser gesagt UEFA Euro 2016. Die ganze Familie ist im Fußball-Fieber. Ich tippe beim Kollegiumstippspiel mit (eher erfolglos) und Mr. T und der Große tippen online (auch nicht wesentlich erfolgreicher). Der Kleine sammelt eifrig diverse Fußballbilder und will natürlich auch genau wissen, was so in Frankreich passiert. Schließlich spielt er selber im Verein und die meisten seiner Freunde auch.

Warum dann gemischte Gefühle?

Es klingt ja eigentlich ganz positiv: Tippspiel, sammeln, Fußball als Sport. Aber dennoch ruft die Europameisterschaft gemischte Gefühle bei mir hervor.

Natürlich gefällt mir die Begeisterung. Ich lasse mich davon auch durchaus anstecken, schließlich finde ich es interessant z. B. die Multikulti-Mannschaften zu sehen, die da meist auf dem Platz stehen. Außerdem stellen sich mir dann Fragen, auf die ich eine Antwort suche. Z. B. Wie unterhalten sich eigentlich die belgischen und schweizer Nationalspieler untereinander? (Falls jemand die Antwort weiß, bitte bei mir melden.)

Taktiktafel

Ich finde auch die Begeisterung des kleinen Sohnes toll, der Flaggen malt und bastelt und Tabellenstände ausrechnet. Außerdem wird mit dem Papa gemeinsam die Taktik der deutschen Nationalmannschaft analysiert. Und nachmittags nach der Schule wird gekickt, was das Zeut hält. Schließlich muss man ja die ganzen Tricks der Stars ausprobieren.

Aber…

Und jetzt kommt der Haken an der Sache. Hinter der Euro 2016 steckt eine gigantische Werbeindustrie. Zum Beispiel die Fußballsammelbilder, die mein Sohn so toll findet. Sie kosten ziemlich viel Geld. Aber immerhin tauscht er sie, was ich wieder positiv finde.

Ein anderer Punkt ist, dass bei der Euro 2016 wieder einmal nur Geld bei der Auswahl der Sponsoren gezählt hat. Und statt gesunde Produkte zu bewerben, wie man das bei Sportveranstaltungen eigentlich erwarten sollte, sind die Hauptsponsoren dieses Jahr eine Biermarke, eine große Fastfoodkette und ein Softdrinkhersteller. Dies prangert auch Foodwatch an:

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich Fußballspieler nicht unbedingt wie Vorbilder verhalten. Nicht nur, dass sie ständig auf den Platz spucken und nicht immer fair spielen. Sie fahren zum Teil auch ohne Führerschein Auto oder benehmen sich anderweitig daneben.

Und dann auch noch die Fans. Bei der diesjährigen Euro sind wieder unzählige Hooligans vor Ort und schlagen sich nicht nur gegenseitig die Köpfe ein, sie zeigen auch noch rechtsextreme Symbole und verprügeln unbeteiligte Dritte. Auf jeden Fall nichts, was ich meinen Kindern zeigen möchte.

Genauso wie mich der Umgang mit Claudia Neumann, der ersten weiblichen Fußballkommentatorin im Fernsehen stört. Ich meine – Hallo? Wir haben 2016. Es wurde höchste Zeit, dass auch eine Frau mal Fußball kommentiert. Und sie macht es auch nicht besser oder schlechter als ihre Kollegen. Aber es tobt ein regelrechter Shitstorm auf den Seiten des ZDF und ich frage mich mal wieder, in welcher Welt wir eigentlich leben. Schöne finde ich hingegen, dass sie selber da sehr entspannt mit umgeht:

Und so habe ich gemischte Gefühle, was die Fußball-Europameisterschaft angeht.

Wie ich damit umgehe?

Ich thematisiere meine Gedanken, spreche mit meinem Mann und den Kindern darüber. Wir überlegen z. B. gemeinsam, was sinnvollere Sponsoren sein könnten (Müsli, Smoothies?) und wie man sich richtig auf und neben dem Fußballplatz verhält. Auch die Kommerzialisierung spreche ich an, wenn wir ihr auch nicht komplett entgehen. Aber der Sinn der Sache ist auch nicht, allen den Spaß zu verderben, sondern einen differenzierteren Blick zu haben und möglichst viele interessante Dinge mitzunehmen. So haben wir schon spannende Gespräche über den Umgang Islands mit der Bankenkrise geführt und die walisische Nationalhymne gegoogelt. Und so hoffe ich, dass das Positive überwiegen wird.

Randbemerkung von Sabrina

Bei uns guckt keiner EM-Spiele, es gibt keine Sammelbildchen, keine Fahnen und keine Dekoration in Länderfarben. Fußball läuft komplett an uns vorbei. Unter anderem deshalb, weil der viel beschworene „Sportsgeist“ angesichts von Millionen-Verträgen, Junkfood-Sponsoren und Co. eher in den Hintergrund gerät.

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