Die #Einschulung – Gedanken dazu

Am 15. September wurde mein 1. Kind eingeschult. Dem ging eine sorgfältige, sehr liebevolle Überleitung durch Kindergarten und Grundschule voraus. Nichts zu meckern, alles wunderbar. Kind 1 steht bislang gerne auf, erledigt die Hausaufgaben blitzschnell und sehr, sehr selbstständig. Auch hier: Nichts zu meckern.

Bauchschmerzen habe ich trotzdem – schon seit längerem. Warum?

Von Herdentrieb und Gruppenzwang: Schulwahl auf dem Dorf

Wer, wie wir, irgendwann aufs platte, grüne Land gezogen ist, hat im Grunde keine Wahl. Denn: Wenn es eine Grundschule in der unmittelbaren Umgebung gibt, dann wählt „man“ die. Wie alle anderen auch.

Weil es sowieso keine Auswahl gibt, zementiert „das System“ vor dem Mama Notes berechtigtes Bauchgrummeln bekommt, die Auswahl. Bei uns sieht das so aus:

  1. Informationen seitens Kindergarten gibt es ausschließlich zur lokalen Grundschule.
  2. Die Vorschulkinder werden ausdrücklich auf die Lehrpläne der lokalen Grundschule eingestimmt. Inklusive Ausflug in die Schule, Besuche der künftigen Lehrerin und ersten „Hausaufgaben“.
  3. Der Informationsabend der lokalen Grundschule richtet sich ausdrücklich an die Kindergarteneltern. Mit Aushang und allem.
  4. Ein Informationsaustausch zwischen Kindergarten und Grundschule wird voraus gesetzt – und eingefordert. Ausdrücklich.
  5. Die Eltern werden nicht per Post informiert – sondern einfach im Kindergarten mit den Zetteln und Hinweisen beglückt – weil sowieso alle im gleichen Kindergarten sind.

Versteht mich richtig: Für Kind 1 war das die exakt richtige Vorbereitung auf die Schule. ALLES wurde von ihr gern aufgenommen. Sie freute sich – aufrichtig und herzlich – darauf, mit ihrer besten Freundin und den ganzen bekannten Gesichtern in die Schule zu wechseln. Sogar den Schulbus haben die Kindergartenkinder (im Gegensatz zu den Eltern!) erklärt bekommen – natürlich mit Destination lokale Grundschule.

Konsequenz #1: Die freie Wahl der Grundschule entfällt. Völlig.

Als Kind 1 so 3 oder 4 Jahre alt war, dachten wir über mögliche Schulformen nach. Es gibt in der unmittelbaren Umgebung nur staatliche Angebote, keine alternativen Angebote. Naja gut, so eine Art freie Schule gibt es auch – ein Schulbus fährt da aber nicht hin, täglicher Fahrtdienst wäre notwendig. Und der Schulweg würde sich mindestens verdoppeln. Die Kindergartenkinder gehen dort auch nicht hin, nicht aus unserem Dorf.

Für Kind 1, dem die Zugehörigkeit der Gruppe sehr wichtig ist, stand ein „herausreißen aus der Gruppe“ gar nicht zur Debatte. Und gefestigt wurde es durch die perfekte Überleitung vom Kindergarten zur Schule. Selbst das Nachdenken über eine andere Schule hat Kind 1 komplett verweigert. Besseres Angebot, schönere Nachmittagsbetreuung UND Schwimmhalle im Schulgebäude inklusive: Nein danke, da sind ja keine Freunde, das will sie nicht. Wir hätten als Eltern den Fahrtweg auf uns genommen, wenn sie auch nur einen Gedanken daran zugelassen hätte.

Einmal drin im Schulkreislauf, gibt es quasi ausgetretene Trampelpfade. Nach dem Übertritt in die 5. Klasse gibt es nur 3 mögliche weiterführende Schulen (alle staatlich bzw. in Kirchenhand). Ein Gymnasium (katholisch, hoher Anspruch), ein Gymnasium (staatlich, riesengroß), eine Mittelschule (groß, passabler Ruf). Wer was auf sich hält, schickt sein Kind auf das kirchliche Gymnasium. Ende der Auswahl. Alternative Schulformen lassen sich in einem 30km Radius nicht erreichen.

Die echte Herausforderung liegt ja darin, sich von den eigenen Einstellungen frei zu machen und seinem Kind alle Wege offen zu halten. Damit es letztlich selbst entscheiden kann, welche Schule die Richtige sein wird.

Konsequenz #2: Was bleibt, ist das „was wäre wenn“ Denken.

Das, was mir Bauchschmerzen bereitet: Wir haben hier ein künstlerisches, sehr fantasievolles Kind. Sie ist gern für sich statt in Gemeinschaft, breitet unendliche Fantasiewelten aus und lässt sich nur ungern dreinreden in das, was sie da tut.

Stillsitzen, Anweisungen ausführen und genau und nur das machen, was gerade gefordert wird? Nicht unbedingt das, was sie gern macht. Nicht unbedingt das, was wir als lohneswertes Verhalten ansehen. Aber das, was in der Schule nun mal notwendig ist. Statt kreuz und quer das Lernheft durchmalen und verschiedene Lektionen zu bearbeiten, soll und muss sie das machen, was die Lehrerin vorgibt.

Wir werden sehen, wie das letztlich wird. Ob der Lerneifer der allerersten Woche anhält.

Was eindeutig für die lokale Grundschule spricht: Die Klasse ist mit 16 Kindern WINZIG. 14 Mädchen, 2 Jungs kommen auf ein jüngeres, motiviertes Lehrerteam. Eine Nachmittagsbetreuung, die engagiert und offen agiert. Ob wir es hätten besser treffen können? Wahrscheinlich nicht. Aber der „was wäre, wenn“ Gedanke bleibt natürlich. Was wir uns vorgestellt hätten, wäre eine freie Art des Lernes gewesen. Eine, mit weniger Struktur. Wäre eine freie Schule, eine Montessori-Schule der bessere Weg gewesen?

Konsequenz #3: kein Platz für Neues.

In der gesamten Klasse gibt es genau ein Kind, das nicht auch bereits im Kindergarten gemeinsam mit allen anderen war. Die Klassenstufen darüber sind gefüllt mit ehemaligen Kindergartenkindern. Neuzugänge? Spärlich gesät.

Inklusion ist beispielsweise kein Thema. Das hat die Nachmittagsbetreuerin schon angesprochen, dass es keine Barrierefreiheit gäbe – wäre auch bislang nicht notwendig und daher kein Thema. In der Schulinformationsrunde war es GAR KEIN Thema. Man kannte sich schließlich schon mit den kommenden Schülern aus. Kinder aus anderen Kulturkreisen? Gibt es quasi auch nicht. Ein paar wenige aus Osteuropa. Mehrere aus Ost-Deutschland. Das wars, soweit wir das bisher wissen. Wobei – das ist ja eigentlich schon ganz gut. Doch nicht so homogen, wie befürchtet.

Konsequenz #4: Noch mehr Flexibilität in der #Vereinbarkeit, bitte!

Ein bisschen muss ich immer noch daran knabbern. Wann genau die Schule aus ist für die Erstklässer, haben wir am Tag der Einschulung erfahren. Vorher nicht. Wie gut, dass hier die Nachmittagsbetreuung quasi ab Einschulung mit eingebunden ist und sofort gebucht werden kann – und auch ALLE Kinder aufgenommen werden. Platzbeschränkung? Gibt es derzeit nicht – bei winzigen Klassengrößen werden wir Eltern stattdessen gebeten, lieber mehr zu buchen – damit auch ja nichts gestrichen wird von der staatlichen Förderung.

Und dann kommt das selbstständige Kind und sagt:

Ich will aber mittags mit dem Bus heimfahren wie alle anderen!!!!

Kind 1 ist selbstständig (schon immer gewesen!) und braucht nach der Schule ein bisschen Zeit für sich. Alleine, ohne kleinen Bruder. Also kommt sie früher heim, 2x die Woche – obwohl ich noch arbeite. Und der Gatte eben auch, je nach Dienstplan. Wir arrangieren uns da neu – Hausaufgaben sind schließlich irgendwann erledigt, dann wird Mittagessen gefordert und es kommt eben doch Langeweile auf.

Ich bin relativ zügig nach Schuleintritt aus dem Hort heraus (aus ähnlichen Gründen wie Kind 1). Stattdessen bin ich durch die ganze (Klein-)Stadt gelaufen und habe den Nachmittag bei der Oma verbracht – bis wir endgültig bei der Oma ins Haus gezogen sind. Die Option haben wir hier nicht, die Großeltern wohnen weiter weg. Unserem Kind nachmittags die Freiheit verwehren, wenn wir doch i. d. R. daheim sein? Ist im Moment kein „Muss“. Lässt sich arrangieren. Irgendwie.

Gedanken nach dem 1. Elternabend

2015-09-23 17.53.50

Willkommensstapel, 1. Elternabend 

Schnell sind 2 Wochen rum und der erste Elternabend ist auch schon vorbei. Was an Vorbehalten noch da war gegen „die staatliche Schule“, ist jetzt fast ausgeräumt. Denn: viele alternative Ansätze bringt die Klassenleitung mit rein. Die Kinder werden Silben schwingen, im eigenen Tempo lernen, viel in Gruppen arbeiten oder – bei Bedarf – auch vorarbeiten. Es gibt flexible Stunden, in denen themenspezifisch gearbeitet wird. Das Schulmaterial ist vor allem haptisch (Legekärtchen, Schiebetafeln) und für mein künstlerisches Kind besteht idealerweise vieles aus „ausmalen, bunt machen und verbinden“.

Ich KANN mich derzeit nicht beklagen. Denn Kind 1 steht morgens auf und sagt:

Oh, Schule, wie toll.

Und nachmittags, wenn sie sich glücklich und leicht verschwitzt nach dem Turnen in der Nachmittagsbetreuung ins Auto wirft, da sagt sie:

Mama, ich LIEBE die Schule! Das war heute der beste Tag meines Lebens!

Habe ich mir das irgendwie anders vorgestellt? Ja. Schlimmes befürchtet? Ja. Und davon mache ich mich lieber frei und nehme das so, wie es kommt.

Denn Kind 2 ist momentan ein Mal-Verweigerer und überhaupt.. bei ihm kommen dann neue Gedanken dazu.

 


Das ist ein Beitrag zur Blogparade von Mamanotes zur #einschulung

 

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Hy, hier schreibt Sabrina. Freiberuflich als Copywriterin anzutreffen, mit Mann, zwei Kindern & Bürohund in enger Gemeinschaft. Feministisch angehaucht, bindungsorientiert & zutiefst sarkastisch. Bekennende #coffeeholic

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