Liebe, was du tust! – Und wenn nicht, was dann?

Eine Sinnfrage. Ohne Kompromisse eine sehr persönliche Frage: „Liebst du, was du tust?“ Glücklich, wem ohne zu zögern das „JA“ entspringt. Meistens begegnet mir bei Anderen ein eher zögerndes „Ja, schon, aber ….“

Vor allem bei Eltern. Vor allem bei denen, die berufstätig sind. Denn das permanente schlechte Gewissen zieht sich ja doch durch alles, was sie tun. Was wir tun. Mehr fürs Kind da sein und ihm unsere Zeit schenken. Mehr im Job leisten, uns dort beweisen. Wir lieben beides, und nie scheint es genug zu sein. Für die bedürfnisorientierte Erziehung hat das Nicola Schmidt mit dem schon oft zitierten Artikel „AP funktioniert nicht“ beschrieben. Es scheint nie genug zu sein. Aber weil wir die bindungsorientierte Elternschaft als Kern, als Konzept lieben, bleiben wir dabei.

Manchmal, ganz selten, öffnet sich der Boden. Und dann kommt auf diese Frage ein leises: „Nein, eigentlich nicht.“ Menschen, die das, was sie tun, nicht lieben. Die nicht glücklich sind. Die wegen des Geldes arbeiten, wegen der Sicherheit beim Partner bleiben, wegen der angespannten politischen Situation das Land verlassen/bleiben, die ….. Gründe, warum wir etwas tun, obwohl wir es nicht lieben, gibt es reichlich.

Wenn nicht, was dann?

Aus praktischer Sicht ist klar: Wer das, was er tut nicht liebt – ist langsamer, weniger effektiv. Weniger kreativ. Eben: nicht mit dem Herzen dabei. Langfristig kein Gewinn also. Im Job, in der Beziehung, in der Familienarbeit wird das dann zum Handicap, was den Einzelnen sowieso schon belastet. In der Geschäftswelt gibt es die klare Korrelation zwischen denen, die ihre Arbeit nicht lieben – und denen, die an Burnout erkranken. Stress ist dort nur ein Faktor, oft genug ist es auch die Ausweglosigkeit in einer Situation zu stecken, die man wegen des Geldes/der Sicherheit nicht einfach aufgeben kann. Oder mag.

Blöderweise ist auch die eigentliche Konsequenz klar: Wenn ich etwas nicht leisten kann, etwas nicht liebe – muss ich es loslassen. Andere Lösungen finden. Nur, weil der nächste Schritt klar ist, ist er noch lange nicht schnell gemacht.

  • Den vertrauten, normalen, gut bezahlten Job kündigen?
  • Aus einer Beziehung aussteigen, die nicht gut tut?
  • Überhaupt erst einen Job ergreifen, weil das traute Glück im Heim mit Kind zu Tode langweilt?
  • Fremde Personen in die Wohnung lassen, damit sich jemand anders um Böden und Wäsche oder die Kinder kümmert?
  • Betreuungszeiten ausbauen/kürzen?

Diese Entscheidungen können unendlich (mit großer Betonung und langgezogenem Wort) schwierig werden. „Was, wenn…“ Konstrukte kreisen im Kopf. Unsere Gesellschaft ist auf Sicherheit bedacht. Jeder Schritt aus der Komfortzone heraus in unbekannte Gewässer macht oft genug – Angst.

Was lässt sich gewinnen?

Vereinbarkeit bedeutet für uns ja, die Bedürfnisse Aller im Blick zu behalten. Wenn die Vollzeitstelle des Einen beide unglücklich macht, muss eine neue Zeiteinteilung her. Vielleicht durch einen neuen Job, vielleicht durch Homeoffice (obwohl: Homeoffice ist auch (k)eine Lösung).

Wenn die Beziehung auf sandigem Boden steht und Einer den Halt verliert – das mindeste wäre, sich ein mögliches Scheitern einzugestehen. Paartherapie, Familientherapie sind Lösungsmöglichkeiten, bevor es zu endgültigen Konsequenzen kommt. Überhaupt bieten Außenstehende oft Ansätze, um sich neue Perspektiven zu verschaffen.

Wenn es dieser eine Job sein muss und kein Ausstieg möglich ist – Coaching und Beratung sind Möglichkeiten, sich in seinem Job und mit der derzeitigen Situation möglichst gut zu arrangieren. Oft gibt es auch wieder mehr Freude an der Arbeit. Auch möglich: In einer ruhigen Minute den Chef dazu holen. Darüber sprechen, warum die derzeitige Jobsituation belastet. Im günstigsten Falle winken dann alternative Aufgabengebiete.

Wichtig ist: Wer nur noch funktioniert, statt sein Leben zu lieben, hat nix vom Leben. So eine platte Weisheit, und trotzdem wahr.