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Blogparade: Nichtstun – Fluch oder Segen?

Herr Einzel ruft zur Blogparade und ich folge gerne, spricht mich das Thema doch besonders an. Nichtstun – Fluch oder Segen? Das reizt mich sehr, denn ich mag das Nichtstun, habe aber leider viel zu selten Zeit dazu. Aber schauen wir uns das Thema doch einmal genauer an.

Was genau bedeutet denn Nichtstun?

Für mich bedeutet Nichtstun auch wirklich nichts zu machen. Nicht lesen oder fernsehen, nicht handarbeiten oder backen. Nichtstun bietet den Vorteil, aus dem Tun-Modus in den Sein-Modus zu wechseln . Einfach mal die Tatsache wahrnehmen, dass wir existieren. Denn wenn wir immer etwas machen und unterwegs sind, dann spüren wir uns nicht richtig, sind oft mit der Vergangenheit oder Zukunft beschäftigt und nehmen meist noch nicht einmal wahr, wenn uns etwas schmerzt. Dagegen hilft Nichtstun.

Nichtstun kann also bedeuten, einfach zu sitzen, zu liegen oder zu gehen. Es kann auch eine Phase der Meditation sein, denn auch so kommen wir vom Tun zum Sein. In der Meditation tun wir das bewusst. Manchmal machen wir aber auch unbewusst nichts, wenn wir zum Beispiel von der Arbeit kommen und erschöpft auf dem Sofa sitzen, ohne Fernseher oder Radio. Einfach nur sitzen und atmen.

Süßes Nichtstun

Ja, Nichtstun ist süß. Denn wie schon geschrieben, bietet uns das Nichtstun die Gelegenheit zu sein. Da-Sein. Präsent im Augenblick und nicht im Tun und Handeln. Wir haben Zeit, einfach zu spüren, was gerade anliegt. Wie geht es mir gerade? Meinem Körper und auch meiner Seele. Welche Gedanken denke ich eigentlich? Welche Gefühle tauchen auf? Tut mir etwas weh? Eine Bestandsaufnahme. Was ist eigentlich hier gerade bei mir los?

Achtsamkeit

Nichtstun bietet uns die Möglichkeit, achtsam zu sein. Das Jetzt zu genießen und zur Ruhe zu kommen. Das sind Dinge, die gerade dann wichtig sind, wenn uns die Stürme des Lebens umtosen. Daher ist Nichtstun unglaublich wichtig. Eine Gelegenheit, die Akkus wieder aufzuladen und neue Kraft zu schöpfen. Die Bestandsaufnahme zu machen, die ich oben erwähnte. Denn wenn wir in so einer Phase des Nichtstuns feststellen, dass es immer wieder weh tut, dann können wir etwas daran ändern. Wir werden aufmerksamer für die Signale unseres Körpers, aber auch für unsere Gedanken und Gefühle. Wir lernen uns selber besser kennen. Das hat viele Vorteile. Denn wenn wir uns besser kennen und aufmerksamer für uns sind, dann gehen wir auch achtsamer mit unseren Ressourcen um.

„Hast du nichts zu tun?“

Das haben wir bestimmt in unserer Kindheit alle schon einmal gehört. Ich auch. Denn für unsere Elterngeneration war es wichtig, etwas zu tun. Nichtstun, also Müßiggang, das ist etwas für Ruheständler_innen. Ich persönlich glaube, dass dies etwas damit zu tun hat, dass diese Generation nicht mit dem umgehen kann, was passiert, wenn sie nichts tun. Denn im Nichtstun begegnen wir uns selber. Wir sind konfrontiert mit unseren Gedanken und Gefühlen. Und das ist nicht immer angenehm. Denn wir denken eben nicht nur positive Gedanken und fühlen nicht nur positive Gefühle. Aber auch diese gehören zu uns.

Dieser Satz steht aber auch für eine Gesellschaft, in der es immer höher, schneller und weiter gehen muss. Das ist meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß. Unsere inneren Ressourcen sind begrenzt, genau wie die Ressourcen unseres Planeten. Es ist sinnvoll, auch mal nichts zu tun.

Nichtstun für Eltern

In der Vereinbarkeitsdebatte geht es überwiegend darum, was Eltern alles unter einen Hut bringen müssten. Was alles in welcher Zeit optimal erledigt werden könne. Wie viel Zeit durch dieses oder jenes Lebensmodell mit den Kindern oder dem Job verbracht werden könne. Was in den Überlegungen oft fehlt, ist tatsächlich: Phasen für Nichtstun einplanen. Dem Nichtstun Raum zu bieten, statt jede Minute des Tages zu strukturieren. 

Nun zu den Fragen der Blogparade:

Wie steht ihr zu diesem Thema?

Ich stehe dem Nichtstun sehr positiv gegenüber. Es ist wichtig und ich persönlich versuche, jeden Tag auch mal zumindest eine kurze Phase des Nichtstuns zu haben. Oft komme ich leider erst kurz vor dem Einschlafen dazu.

Tut ihr ab und zu auch mal nix?

Ja, wie schon gesagt, versuche ich jeden Tag Phasen des bewussten Nichtstun in meinen Tagesablauf zu integrieren. Mindestens eine kurze Bestandsaufnahme vor dem Schlafengehen muss drin sein. Aber es kommt auch durchaus manchmal vor, dass ich nach Hause komme und einfach auf dem Sofa zusammenbreche. Dann sitze ich da und tue nichts. Diese Momente dauern meist nur kurz, weil in der Regel schnell ein Kind kommt und meinem Nichtstun ein Ende bereitet.

Oder vielleicht ein bisschen nix?

Ein bisschen nix bedeutet für mich, dass ich vielleicht mit einer Tasse Kaffee am Tisch sitze und planlos in einer Zeitschrift blättere oder Musik höre. Das kommt in meinem Leben eher selten vor. Zeitschriften lese ich meist im Bad und Musik höre ich auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Aber wenn, dann genieße ich es.

Würdet ihr gerne (öfter)?

Auf jeden Fall!

Wie, wo, was tut ihr nichts?

Ich meditiere gerne oder mache einen Body Scan. Oft mit Anleitung von CD, manchmal auch ohne. Meist mache ich das im Schlafzimmer, auf dem Bett liegend oder sitzend.

Oder seid ihr geradezu abgeneigt und dauernd tätig?

Dauernd tätig bin ich. Aber nicht, weil ich das Nichtstun nicht wertschätze. Es liegt einfach daran, dass ich so viele Dinge vereinbare, dass die Zeit zum Nichtstun relativ kurz ist.

Ist Nichtstun Zeitverschwendung?

Auf gar keinen Fall. Nichtstun ist für mich absolut wichtig. Eine Insel im Alltag zu haben, in der ich nichts tue. Zeit, um zu sein. Das brauche ich, damit ich meinen Alltag bewältigen kann. Wenn ich diese Zeit nicht habe, geht es mir schlecht. Daher kann ich jedem das Nichtstun nur wärmstens empfehlen.

3 Kommentare

  1. Der Mann meiner Schwester (Mutter von drei Kindern, Berufstätig und noch so vieles mehr) hat ihr ein Schwammtuch geschenkt, auf dem steht: „Doing nothing: very important!“
    Finde, dass passt.
    LG, Rolf

  2. Ein interessanter Artikel und eine schöne Webseite!
    „Wie herrlich ist es, nichts zu tun, und dann vom Nichtstun auszuruhn.“ Heinrich Zille

    Schöne Grüsse aus Osnabrück

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